Skandal: Amerikaner beim Onanieren in Peepshow-Kabinen erwischt!

20.06.2005

ACLU: "Die Verfassung kennt kein Recht auf Masturbieren"

Deutschland stellt sich bei Online-Erotik mitunter etwas komisch an. Darüber vergisst man glatt, wie kompliziert im großen Vorbild USA alles angegangen wird, was sonst so erotisch läuft und nicht am PC stattfindet. Nun soll allen Ernstes in den Kabinen von Video- und Peepshows Videoüberwachung sicherstellen, dass die zahlenden Zuschauer das gebotene Programm nicht mehr so wie bislang gewohnt genießen können.

Ob man nun ausgerechnet in eine Peepshow gehen muss, um drängende Gelüste abzubauen, ist natürlich ein durchaus diskussionswürdiges und abendfüllendes Thema. Kaum in Frage stellen wird ein Deutscher jedoch, dass die Besucher einer Peepshow ein bestimmtes Ziel haben, wenn sie Münzen einwerfen und sich die Jalousie hebt oder der Fernsehschirm aufleuchtet. Aus Gründen der Hygiene ist es deshalb in Deutschland sogar vorgeschrieben, dass Papiertücher und Abfalleimer in solchen Kabinen zu sein haben.

Allerdings gibt es auf der Welt noch Menschen, die glauben, dass der Storch die Kinder bringt. Wozu diese wohl denken, dass jemand eine Peepshow besucht, wäre durchaus ein interessantes Forschungsziel. Jedenfalls offensichtlich nicht dazu, woran wir alle denken. Es muss ein ziemlicher Schock gewesen sein, als diese aufrechten (weil nicht rückenmarksgeschwächten) amerikanischen Mitbürger letztes Jahr erfuhren, was da so üblicherweise vor sich geht in den abgedunkelten Kabinen.

“Jeder soll Dir dabei zugucken, wie Du zuguckst!“

Nun könnten sie natürlich moralisch entrüstet sein und deshalb die sofortige Schließung dieser Kabinen verlangen. Aber das wäre logisch – und passt deshalb schon mal nicht mit sittlicher Entrüstung zusammen – und außerdem geschäftsschädigend. Andererseits fanden sie den Gedanken, anderen beim Onanieren zuzusehen, anscheinend durchaus nicht so uninteressant. Nur der Gedanke, dass die Lustobjekte nun ausgerechnet nackte Frauen sein sollten, schockierte.

Und so sollen nun die Peepshow-Zuschauer selbst zu Peepshow-Darbietern werden: Eine Kamera muss in den Kabinen installiert werden und Licht ins Dunkel bringen, so das Cleveland City Council. Nur das Wesentlich soll dabei aufgenommen werden: alles zwischen Hals und Knie. Die Angestellten der Erwachsenen-Buchläden und sonstigen Etablissements mit solchen Kabinen müssen dann ständig die Kontrollmonitore beobachten und wenn jemand „auspackt“, das Geschehnis zwecks Beweis aufnehmen und denjenigen davon abhalten, weiterzumachen oder gleich die Polizei holen. Denn: Onanieren in der Öffentlichkeit ist verboten. Und spätestens mit der Videokamera und den Kontrollmonitoren ist es ja nun öffentlich.

Damit es auch garantiert öffentlich ist, sind die Kontrollmonitore so aufzustellen, dass sie auch jeder im Laden sehen kann. Ja, es sind sogar fünf Tage der laufenden Aufzeichnungen für Kontrollzwecke vorzuhalten! Die so Ertappten sollen nicht bestraft werden, aber die Inhaber der Peepshow, wenn sie ihre Gäste nicht am Onanieren hindern. Sollte das nicht funktionieren, drohen die Behörden, dass die Türen an den Kabinen ausgebaut werden müssen. Und wenn das immer noch nicht fruchtet, sind die Vorführungen wohl auf die Straße zu verlegen.

Keine Bürgerrechtsfrage

Die Variante, die Kontrollmonitore in andere Kabinen zu stellen, die dann ebenfalls von zahlenden Gästen (und Gästinnen) besucht werden, haben die Stadtväter von Cleveland noch nicht vorgeschlagen. Aber das ist sicher nur eine Frage der Zeit. Denn was sollen die Peepshows sonst mit all diesen täglich anfallenden Videokassetten anstellen? Und die Besucher wollen ja vielleicht auch Wiederholungen besonders gelungener Übertragungen sehen.

Chris Link, stellvertretender Vorsitzender der amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU) Ohio, fragt sich allerdings, ob das City Council wirklich nichts besseres zu tun hat und meint, die Urheber dieser Ideen sollten sich schämen. Allerdings wird die ACLU sich nicht aktiv in den Streit einmischen, denn es gibt nun einmal kein Bürgerrecht auf Masturbieren in der amerikanischen Verfassung…

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