Computer abstauben

Wolf-Dieter Roth 29.06.2005

Nicht nur Festplatten, auch Mainboard und Lüfter müssen ab und zu aufgeräumt werden

Im Hochsommer lässt nicht nur die eigene Konzentration nach. Auch der Computer kommt ins Schwitzen. Bevor er den Hitzetod stirbt, sollte man mal in der Hardware sauber machen.

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Einst bekam ich ein altes Röhrenradio geschenkt. Ob es noch geht? Anstecken, wartendie Röhren begannen zu glimmen und plötzlich stieg eine dicke Qualmwolke aus der Rückwand! Ausstecken, Fenster auf, hustend raus aus dem Kellerund der Nachbar schimpfte über die dicke Luft im Treppenhaus und lachte über meine anscheinend misslungenen elektronischen Experimente

Misslungen war jedoch gar nichts. Es hatte sich nur entschieden zu viel Staub im Gerät angesammelt und beim Aufheizen von Röhren und Vorwiderständen war dieser in Brand geraten. Die verkokelten Überreste mussten aus dem Gerät entfernt werden, wieder einschaltenzittern, was nun passiertCome on, Baby, light my fireok, Jim Morrison kam aus dem Lautsprecher das Gerät lief. Wenn auch mit unangenehmem brenzligem Aroma.

Halbleiter werden normalerweise nicht so heiß, dass sie Staub entzünden können. Wenn sie es doch werden, werden sie zu Ganzleitern und zwar im Fall von Elektronik-Bauteilen dauerhaft. Damit diese nicht so heiß werden können, sind sie mit Kühlkörper bestückt und bei Prozessor, Grafikkarte und Netzteil dann noch mit einem Lüfter, damit der Kühlkörper nicht größer sein muss als der ganze Rechner.

Der Nachteil: Lüfterlager können ausleiern und Lüfter stecken bleiben. Irgendwann röhrt es im Computer fürchterlich beim Einschalten und erst nach ein paar Minuten lässt der Krach nach, weil der Lüfter rund läuft. Ein paar Wochen später ist der Computer beim Einschalten wieder schön ruhig und es beginnt erst einige Minuten später zu röhren. Schließlich röhrt gar nichts mehr und die Grafikkarte oder der Prozessor sind kaputt (AMD-CPU) oder auf einmal fürchterlich langsam (Intel-CPU).

Konventionelle Druckluftdose (links) und nur doppelt so teures PC-Staubsaugadapterset (Bild: W.D.Roth)

Neben dem Ausleiern der Lager ist jedoch auch Staub Ursache festsitzender Lager: Er wickelt sich um die geölten Lüfterachsen und macht diese schwergängig. Und er wird mit den Jahren immer mehr in den Rechner gesaugt. Zunächst tut er auf den Platinen nichts Schlimmes, aber auf Dauer kann er sich mit Feuchtigkeit auch zu einer störenden und Fehlfunktionen auslösenden Schicht vereinen.

Dem Rechner mit normalen Staubsaugern zu Leibe zu rücken, wird nicht empfohlen, da schon einmal ein kleiner Lüfter oder andere lose Teile abhanden kommen oder der meist ziemlich wacklige Stecker für den Prozessorlüfter unbemerkt abgezogen/sogen wird, was dann wieder zu genau dem führt, was man gerade vermeiden wollte.

Wer seinen Rechner liebt, bläst stattdessen mit Druckluft ins Gehäuse und auf die Lüfter. Je nach Alter des Rechners ist dann anschließend auch Fenster öffnen und den Raum schnell verlassen angesagt nicht nur Allergiker erfreut die Idee nicht besonders, die in jahrelanger Arbeit vom Computer gesammelten Staubschwaden gleichmäßig im Zimmer zu verteilen. Eigentlich sollte man ja auch vom Lackieren wissen, dass man Sprühdosen nur im Freien verwendet, aber das Ausmaß an Staub in einem Computer wird halt regelmäßig unterschätzt und das Abstecken aller Anschlüsse, um den PC an die frische Luft schleppen zu können, ist lästig.

Zum Tastaturreinigen werden seit einiger Zeit USB-Staubsauger angeboten (Der elektrische USB-Nasenbohrer). Diese sind jedoch mehr als Spielzeug zu betrachten, denn mit maximal 2,5 Watt (5 Volt/ 0,5 Ampere) aus dem USB-Port entnehmbarer Leistung kann kaum vernünftig gesaugt werden. Und außerdem muss für ihre Benutzung der Rechner laufen was nun wirklich nicht anzuraten ist. Im Gegenteil, vor dem Reinigen sollte sogar das Netzkabel entfernt werden, damit nicht irgendwas Dummes passiert, von der Gefahr eines Stromschlags ganz abgesehen, wenn doch einmal die 230-Volt-Leitungen nicht ordentlich hinter Isolierung versteckt sind. So fiel einem Kollegen beim Putzen ein Netzteilkabel vom Mainboard und als er das wieder aufstecken wollte, versuchte er es zunächst einmal verkehrt herum, wobei das bei modernen PCs immer in Bereitschaft lauernde Netzteil anlief und das falsch angeschlossene Mainboard grillte

Einsatzbereiter PC-Staubsauger (Bild: W.D.Roth)

Beim Versender Pearl entdeckten wir schließlich Vorsatzdüsen für normale Staubsauger, um diese zum PC-Staubsauger umzufunktionieren. Sie schauen wie Spielzeug aus. Wie ganz spezielles Spielzeug sogar beim Auspacken fragte die Kollegin prompt Testet ihr schon wieder Sexspielzeug?. Auf den Einwand Also dafür sind diese Teile ja nun wirklich zu klein! gab es ein fachfraulich grinsendes Ja, für Männer vielleicht!. Da wollen wir nur hoffen, dass nun nach Männern mit Staubsaugern nicht auch noch Frauen mit Staubsaugern in Kliniken eingeliefert werden.

Sobald man herausgefunden hat, welcher Schlauch wo an welchen Adapter gehört, funktioniert das ganze aber bestimmungsgemäß eingesetzt einwandfrei. Am besten lässt sich die Gerätschaft an einem eher kleinen Staubsauger mit Regelung direkt am Schlauch benutzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Adapter den Luftstrom stark einschränken und der Staubsauger somit so stark belastet wird wie mit einer übervollen Tüte. Andererseits dauert die Saugerei auch in stark verdreckten Computern nur ein, zwei Minuten, die der Staubsauger schon durchstehen wird.

Wichtig ist es nur, nach dem Saugen den Computer auch wieder ordentlich zuzumachen. Etliche Computerbesitzer lassen im Sommer die Rechner gerne zur Kühlung offen, was nicht nur gefährlich ist, weil sich plötzlich neben noch mehr Staub auch noch Haustiere oder heruntergefallene Gegenstände ins Rechnerinnere verirren sowie die Lärmentwicklung und die Störabstrahlung steigen es verschlechtert auch die Kühlung, weil nun die vom Netzteil angesaugte Luft nur noch dieses kühlt und nicht mehr die sonst vom Luftzug mit überstrichenen Festplatten und Platinen.

http://www.heise.de/tp/artikel/20/20407/1.html
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