Dicke Luft
Eine heiße Zukunft steht uns bevor
Es wird viel darüber spekuliert, ob und welche Klimaveränderungen uns bevorstehen. Insgesamt erwärmt sich die Erde und extreme Wetterlagen nehmen zu. Welche Faktoren dabei welche Rolle spielen, wird heftig diskutiert. Sicher ist, dass Aerosole, winzige, feste und flüssige Partikel in der Atmosphäre, einen Einfluss auf das globale Klima haben. Im Wissenschaftsmagazin Nature stellt jetzt eine Forschergruppe fest, dass die Verbesserung der Luftqualität im Sinn von mehr Umweltschutz zu einer schnelleren und heftigeren Erwärmung unseres Klimas beitragen könnte.
Meinrat O. Andreae vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, Chris Jones vom britischen Hadley Centre for Climate Prediction and Research des Met Office und Peter Cox vom Centre for Ecology and Hydrology in Dorset haben die Auswirkungen des Kühleffekts der vom Menschen in die Luft gepusteten Aerosole (feinste luftgetragene Staubteilchen) auf das gegenwärtige und zukünftige Klima untersucht.
Aerosole sind in der Luft schwebende mikroskopische Partikel mit Durchmessern von 0,001 bis 100 Mikrometern. Sie steigen natürlich als Folge von Sandstürmen, Feuern, Vulkanausbrüchen, der Gischt des Meeres oder durch Pollen und Sporen von Pflanzen in die Atmosphäre empor. Dazu kommen künstliche, vom Menschen freigesetzte Partikel, die unter anderem aus den Schornsteinen der Privathaushalte, der Industrie, von Kraftwerken oder den Auspuffanlagen vor allem von Dieselfahrzeugen stammen. Besonders die Kleinsten unter ihnen, der so genannte Feinstaub, gilt als für den Menschen gesundheitsgefährdend und deshalb soll der Ausstoß reduziert werden (Eine halbe Million Tote pro Jahr durch Feinstaub).
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| Aerosole: Mineralischer Staub steigt aus der Wüste Gobi in die Atmosphäre auf (Bild: Max-Planck-Institut für Chemie) |
Aerosole bleiben nicht lange in der untersten Schicht der Atmosphäre, der Troposphäre, global betrachtet variiert ihre Verteilung immer wieder stark. Sicher ist, dass die kleinen Partikel einen Teil der Sonnenstrahlung in den Weltraum zurück reflektieren und dadurch sozusagen die Erde kühlen. Außerdem beeinflussen sie die Wolkenbildung. Aerosole gleichen also einen Teil des Treibhauseffekts aus, der durch Gase wie Kohlendioxid angeheizt wird.
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Verstanden sind diese komplexen Zusammenhänge aber noch nicht vollständig, weswegen die deutsch-britische Forschergruppe, die verschiedene Modellrechnungen angestellt hat, jetzt nachdrücklich auf die bestehende Ungewissheit hinsichtlich dieses globalen Kühleffekts in Vergangenheit und Gegenwart hinweist. Und darauf, dass eine Reduktion der feinen Partikel in der Luft die Erwärmung verstärkt möglicherweise weit über die bisherigen Schätzungen hinaus. Chris Jones vergleicht den potenziellen Effekt mit dem Fahren eines Autos, wenn gleichzeitig Gas gegeben und gebremst wird:
Nun nehmen wir den Fuß von der Bremse, aber wir wissen nicht, wie viel schneller wir uns dadurch bewegen werden. Da wir nicht genau wissen, wie stark die Kühlwirkung durch Aerosole bisher war, können wir auch nicht genau wissen, wie stark die Erwärmung durch Treibhausgase ausfallen wird.
Diese Unsicherheit gilt es im Auge zu behalten und in die Klimamodelle der Forschungsprojekten verstärkt einzubeziehen. Im Rahmen des Deutschen Klimaforschungsprogramms (DEKLIM) untersuchen bereits Wissenschaftler vom Institut für Troposphärenforschung in Leipzig in Zusammenarbeit mit anderen Instituten systematisch den Einfluss der Schwebeteilchen auf das Klima (Staubige Atmosphäre).
Plus sechs Grad
Das Team um Andreae kommt bei seinen Berechnungen auf einen Temperaturanstieg um sechs Grad Celsius bis zum Jahr 2100, wobei dabei optimistischste Emissions-Szenario vorausgesetzt werden. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kam in seinen Schätzungen bisher nur auf eine Erwärmung um maximal 1,5 bis 4,5 Grad Celsius.
Es geht den Forschern nicht darum, den Ausstoß von Aerosolen zu verteidigen. Die Anzahl der Partikel muss möglichst schnell reduziert werden, da ihre schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt unumstritten sind. Aber wenn der bisherige Puffereffekt der Aerosole wegfällt, könnten die Auswirkungen wesentlich dramatischer sein, als bislang angenommen. Die möglichen Konsequenzen eines solchen Szenarios sollten rasch in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Die Wissenschaftler fordern dazu auf, angesichts der bestehenden Unsicherheiten die globalen Kohlendioxid-Emissionen erst recht zu beschränken. Meinrat Andreae bringt es auf den Punkt:
Wir gehen von einem möglichen Temperaturanstieg von 6 Grad Celsius und mehr aus. Die Schlussfolgerungen für die politischen Handlungsträger sind selbst bei einer Temperaturerhöhung von 5 bis 6 Grad, vergleichbar mit dem Temperaturanstieg zwischen der letzten Eiszeit und heute, enorm. Betrachtet man die potenziell schwerwiegenden Konsequenzen für unsere Umwelt und Gesellschaft, so ergibt sich als einzig sinnvolle Vorgehensweise eine sofortige Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, und zwar mit Zielsetzungen deutlich unterhalb denjenigen des Kyoto-Protokolls.
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