Ein Unglück kommt selten allein

Thomas Liebsch 27.07.2005

Keine Entwarnung nach einem starken Erdbeben - vielmehr drohen Folgebeben

Erdbeben häufen sich in den Regionen aneinanderstoßender, kontinentaler Platten, mehr noch, Beben tragen zum Auslösen eines Folgebebens bei. Je stärker ein Erdbeben, desto eher wird das nächste passieren, es gibt jedoch keinen Zusammenhang mit der Stärke des Folgebebens.

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Erdbeben (Wie viel Zeit bleibt bis zum Erdbeben?) treten nicht zufällig auf, genauer gesagt, lassen sich die Ereignisse nicht mit der Poisson-Statistik einordnen, die für unabhängige Ereignisse gilt. Nach einem Erdbeben steigt in einem Umkreis hunderter von Kilometern die Wahrscheinlichkeit für ein nächstes Beben. Diese Häufung von Beben ist seit einigen Jahren bekannt.

Es gibt keine Zauberformel für den Zeitpunkt des nächsten Bebens, nur Wahrscheinlichkeiten für ihr Auftreten

Wie der Physiker Alvaro Corral von der Autonomen Universität Barcelona anhand von weltweiter Ereignisse der Jahre von 1973 bis 2002 herausgefunden hat, ist die Wahrscheinlichkeit sogar um so höher, je größer die Stärke des vorangegangenen Bebens war. Details berichtet er in der Ausgabe vom 08. Juli 2005 der Zeitschrift Physical Review Letters in Band 95 auf Seite 28501. Hingegen glaubten viele Geowissenschaftler bislang, nach einem schweren Beben sei für eine längere Zeitspanne erst einmal Ruhe. "Erdbeben wissen zwar, wann sie an der Reihe sind, kennen jedoch ihre Stärke nicht im voraus", scherzt Corral.

Die Häufung von Erdbeben (Punkte) in Südkalifornien (weiße Küsten- und Grenzlinie) entlang der Plattengrenzen (farbige Bänder): Auch kleinere Erdbeben tragen zu Folgebeben in der Nähe bei, nämlich an benachbarten Plattengrenzen, an denen sich mechanische Verspannungen aufgebaut haben. Erdbeben lösen also künftige Erdbeben aus. Bild: J. Shaw und A. Plesch, Harvard Universität, 2003

Der Geophysiker Norman Sleep von der Stanford Universität hält die Ergebnisse des spanischen Kollegen für bedeutend: "Die bereits bekannte Häufung der Beben lässt sich mit der Annahme erklären, dass ein schweres Beben ein anderes an einer benachbarten Plattengrenze auslöst, nachdem dort die mechanischen Verspannungen zugenommen haben."

http://www.heise.de/tp/artikel/20/20606/1.html
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