Drahtlos reisewecken
Funkwecker für Nordamerika, England, Deutschland und Japan
Im Urlaub den Wecker stellen? Das klingt grausam, doch manchmal ist es notwendig, um Ausflüge oder gar den Zug oder Flug heim nicht zu verschlafen. Das dann noch in Kombination mit Zeitverschiebungen richtig zu machen klingt kompliziert. Wie wäre es mit einem Funkwecker?
Natürlich reicht auch ein Weltempfänger mit Uhr ein Radio mit zusätzlichem Kurzwellenempfang als Wecker auf Reisen, ob nun im Urlaub oder beruflich. Das ist angenehm, weil selbst Luxushotels heute nur noch Fernseher im Zimmer haben, aber keine Radios und in diesem Fernseher, wenn er eine Weck- und Radiofunktion haben sollte, garantiert nur die drei lokal unerträglichsten Radiosender fest einprogrammiert sind. Von Fernsehen, ob nun RTL oder Fritz Pleitgen, wird sich dagegen niemand wecken lassen wollen, wenn der Tag nicht schon am Morgen versaut sein soll. Doch hat der Kurzwellenempfänger auf Reisen auch so seine Tücken:
Das Einchecken am Flughafen mit einem Kurzwellenradio ist mitunter ziemlich kompliziert. Man muss in München beispielsweise das Gerät auspacken und einschalten wobei sich zunächst herausstellt, dass die Batterien leer sind und das Netzteil im anderen Koffer steckt. Anschließend wird man feststellen, dass tief im Herzen des Flughafengebäudes kein Radioempfang möglich ist. Der freundliche Hinweis des Beamten Na dann legen Sie doch eine Kassette ein! scheitert daran, dass das Gerät ein Radio ist und kein Kassettenrekorder.
Das Wecken mit Musik setzt voraus, dass am Zielort stabiler Empfang herrscht. Auf Dienstreisen wird dies kein Problem sein, doch im Urlaub auf tropischen Inseln ist zuerst einmal Sendersuche angesagt, da sich der ohnehin schwache Kurzwellenempfang von einer Minute zur anderen ändert.
Steckdosen sind überall auf der Toilette, hinter dem Fernseher, im Vorraum, unter dem nicht verrückbaren Bett. Nur nicht am Nachttisch. Und damit kein Gast Lampen oder Fernseher unauffällig im Koffer mitgehen lässt, sind die Steckdosen verplompt oder anderweitig unzugänglich montiert.
Andere Systeme wie auf dem Telefon zu tippende Zahlencodes oder ein Weckdienst haben den Nachteil, kompliziert oder unzuverlässig zu sein. Und selbst wenn man nicht geweckt werden will, ist nach dem Jetlag eine Uhr praktisch, die sagt, was Sache ist.
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Billige Elektronikwecker gibt es überall. Leider weiß man unterwegs meist nicht mehr, wie bei ihnen die Zeit einzustellen ist falls man es denn zuhause überhaupt wusste. Und sie sind meist nicht auf den Transport im eng gepackten Koffer eingestellt: Es fängt in selbigem auf dem Gepäckband nach dem dritten Zusammenstoß mit anderen Koffern plötzlich an, laut zu piepen, was im Gegensatz zu entsprechenden Szenen in einschlägigen Filmen nun überhaupt nicht zu Heiterkeit beim Flughafenpersonal führt.
Spezielle Reisewecker sind besser, bei denen sich die Tasten verdecken oder abschalten lassen. Bei ihnen lässt sich auch die Zeitzone meist einfach verstellen und man muss nicht gleich die ganze Zeit neu einstellen, was oft dazu führt, dass diese anschließend eher ungenau justiert ist.
Heute sind Funkwecker verbreitet. Diese empfangen nachts zwischen 1 und 3 Uhr auf 77,5 kHz das Signal des Senders DCF 77 in Mainflingen bei Frankfurt. Auf Langwelle ist dieser Sender in ganz Deutschland gut zu empfangen sofern man nicht in einem Betonbau sitzt oder Computer, Fernseher oder andere Elektrogeräte den Empfang stören. Deshalb werden die Funkwecker auch nachts aktiv, in der Hoffnung, dass der Besitzer und seine Nachbarn dann schlafen und ihre Geräte abgeschaltet haben.
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| Funkreisewecker Junghans Mega Travel leider defekt (Bild: W.D.Roth) |
Ist kein Empfang vorhanden, so laufen Funkwecker wie normale Quarzuhren weiter; die Zeitabweichung bewegt sich auch nach mehreren empfangslosen Tagen im Sekundenbereich. Gefährlich ist dagegen gestörter Empfang. Den sollten die Funkuhren zwar eigentlich durch Prüfsummen oder Plausibilitätskontrollen erkennen: Die Zeit springt ja nicht urplötzlich um mehrere Stunden, die empfangene Zeit kann zur gespeicherten Zeit also nur minimale Abweichungen haben. Außerhalb Deutschlands, wo große Zeitabweichungen denkbar wären, gibt es dagegen keinen Empfang. Doch gerade billige 5-Euro-Funkwecker sparen sich diesen Aufwand und schalten nach unsauberem Empfang auf unsinnige Zeiten: Um 2 Uhr nachts wird 10 Uhr früh erkannt und der auf 8 Uhr früh eingestellte Wecker bleibt prompt stumm.
Markenuhren, beispielsweise von Junghans oder Braun, kennen diese Probleme nicht. Solch ein Funk-Reisewecker von Junghans tat denn auch über zehn Jahre seinen Dienst bis er natürlich gerade an dem Tag wild piepend und nicht mehr bedienbar seinen Geist aufgeben musste, an dem British Airways eine Bombendrohung erhalten hatte und den Koffer deshalb 10 Minuten vor Abflug wieder aus dem Flugzeug entfernen lie
Auf der Suche nach qualitativ gleichweitigem Ersatz zeigte sich, dass die Lufthansa inzwischen auch Funkreisewecker anbietet für 13.500 Flugmeilen oder 55 Euro plus Versand. Da bestand doch eine gewisse Hoffnung, dass diese zuverlässig funktionieren, schließlich wäre es peinlich, wenn man einen Lufthansa-Flug wegen einem Lufthansa-Wecker verpasst. Außerdem sollte das Gerät auch im Ausland empfangen. Das klang interessant.
Der Wecker klingelte drei Tage nach Bestellung an der Tür nein, der Postbote mit dem Paket natürlich. Zum Einschalten war ein Streifen aus dem Gerät zu ziehen, woraufhin alles piepte und blinkte und sich nicht mehr stoppen ließ, obwohl dazu laut Anleitung nur eine Taste zu berühren sei. Nun, die Transportsicherung (Tastensperre) war eingeschaltet, dank der der Wecker auch ohne Abdeckung im Koffer nicht verstellt wird.
Nach Beseitigung dieses kleinen Hindernisses hatte der Wecker bereits nach 3 Minuten die richtige Zeit schneller als die meisten Funkuhren. Neben Uhrzeit, Datum und Wochentag wird auch noch die Temperatur angezeigt praktisch, wenn man auf Reisen plötzlich friert und wissen will, ob es wirklich kalt ist oder sich vielmehr eine Erkältung ankündigt. Zwei tägliche Weckzeiten und eine einmalige Terminerinnerung beispielsweise für den Rückflugtag lassen sich einprogrammieren. Daneben gibt es auch noch Stoppuhrfunktionen und natürlich lässt sich die Zeitzone verstellen. Allerdings nur stundenweise Goa-Urlauber haben Pech. Die Anleitung sollte man allerdings sicherheitshalber mitnehmen sie passt zusammen mit dem Wecker in seine Schutztasche , denn so einfach wie bei Junghans ist die Bedienung nicht.
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| Lufthansa Funkreisewecker RC 304 EL (Bild: W.D.Roth) |
Die Stromversorgung läuft leider über eine Knopfzelle, die nur ein Jahr hält und im Urlaub garantiert nicht aufzutreiben ist. Um sie auszubauen oder zu wechseln, ist zudem ein Schraubenzieher notwendig. Man kann allerdings den stromfressenden Funkempfang über das Menü abschalten, wenn der Wecker nicht benutzt wird. Der Härtetest, den Wecker neben den eingeschalteten Computer zu legen, ergab zwar keinen Empfang, aber auch keine Fehlanzeigen am nächsten Morgen.
Weniger einfach und typisch für Geräte aus Fernost ist die triviale Aufgabe, den Wecker zu programmieren und den gwünschten Alarm dann ein- und vor allem auch wieder auszuschalten. Dazu muß man sich durch ein Menü mit etwa 10 Funktionen ringförmig vorantasten, doch statt Alarmzeit 1 abzuschalten, wird man eher noch Alarmzeit 2 ebenfalls aktivieren. Bevor man wirklich hellwach ist, bekommt man den Wecker also nicht zum Schweigen. Das stellt zwar sicher, dass man nicht verschläft, doch neben der "Snooze"-Taste wäre eine "bitte Klappe halten und in 24 Stunden wieder randalieren"-Funktion wie an deutschen Weckern hilfreich gewesen, selbst wenn man auf Reisen vermutlich nicht immer wieder zur selben Zeit geweckt werden will so wie beim morgendlichen Bürogang.
Neben DCF 77 empfängt die Uhr noch mit jeweils etwa 1500 km um den Sender MSF in Rugby, England, WWVB in Colorado, USA und JJY 40 und JJY 60 in Japan-Ost und Japan-West. Auch in Hongkong soll der Empfang noch gelingen. Auf der berühmten tropischen Insel dagegen nicht aber dort wird man die Zeit auch nicht auf die Sekunde genau benötigen
http://www.heise.de/tp/artikel/20/20671/1.html- Lesen statt labern ! (10.9.2005 19:08)
- Das Einchecken am Flughafen ... (7.9.2005 15:03)
- oohhh (7.9.2005 3:44)
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