Dem schönen Scheich verfallen

19.08.2005

Die Wiederentdeckung des Terror-Arabers als Lover und Held

Prinz Tarik Schasad Ibn Zachir ist ein Löwe von Mann, heroisch wie Salaadin, unbeirrbar stolz wie Saddam und verführerisch wie Gaddafi. "Im Sonnenlicht war er ein goldenes Fest vibrierender Männlichkeit." Die schöne, bleiche Faye Lawson stammt aus dem Westen, ist ein wenig wie George Bush, gutwillig, aber leicht irrezuführen, gierig nach roher, männlicher Kraft. Ihr schwaches, verletzliches Fleisch wird sich seiner Folter hingeben.

"The Arabian Mistress" von Lynne Graham ist eine "Sexy Romance", wie dem Cover ihres Liebesromans zu entnehmen ist. Manche mögen die Nase rümpfen über derartige Literatur, doch die Autoren scheinen mit großem Spaß an der Sache dabei zu sein – Graham's Ausstoß an neuen Büchern ist erstaunlich -, die Leser kaufen und für Arabisten sind die Werke zwar "schockierend", aber nichtsdestotrotz eine Schatzkammer für vergnügliche Fundstücke.

Um sich von den ermüdenden Abhandlungen und hoch gelehrten Schriften ihrer Kollegen und anderer Experten zu erholen, haben bloggende Mitarbeiter der renommierten Middle East News Agency (MENA) im Buchständer an den Supermarktkassen zugegriffen und Ein-Dollar-Romane gekauft: so genannte "Romance Novels", in denen sehr blonde Frauen sehr männlichen Männern aus dem Nahen und Mittleren Osten verfallen.

Dass sie dabei feststellten, dass Edward Saids (vgl. "Erlaubnis zum Berichten" für Palästinenser) berühmte Orientalismus-These, wonach der Westen den Osten vor allem durch eine kolonialistische Brille wahrnimmt und die männlichen "Orientalen" dabei auf eine eigenartige Weise "aufgesext" werden, in der Wüste dieser Bücher noch freudig leibt und lebt, lässt sie schmunzeln. Richtig in Laune geraten sind sie aber, als sich einer von ihnen die Mühe machte und einer spontan aufgestellten These nachging:

Da die Verfasser der Liebesgeschichten und deren Leser konstant auf der Suche nach neuen diabolischen männlichen Stereotypen sind, ist meine Hypothese, dass die jüngste Berichterstattung über arabische Männlichkeit und deren Darstellung in den Medien einen neuen Boom von arabischen Männern als tragende Helden der "Romance Novels" beschert hat. Ich bin mir sicher, man könnte eine tolle statistische Korrelation finden, wann man wüsste, wo die zu suchen ist.

Es gibt sie, stellte eine Kollegin wenig später fest, fündig wurde sie auf der Webseite Sheiks and Desert Love. Die Bücher lassen sich dort nach Titel, Autor, Schauplatz der Fiktion, Thema und Jahr des Erscheinens ordnen und daraus ließ sich dann leicht eine aussagekräftige Grafik machen:

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