Die Stromkosten steigen, Energiesparen wird attraktiver

01.09.2005

Es gibt viele einfache Möglichkeiten, den Energieverbrauch im Haushalt zu senken, allein der Standby-Betrieb frisst 16% des Gesamtstromverbrauchs

Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Strom immer billiger. Das ist aber nun endgültig vorbei. Treibstoffpreise, Heizölpreise, Strompreise, Gaspreise - alles steigt und wir sind noch längst nicht am Ende der Preisentwicklung angelangt. Die Euphorie der Verbraucher über immer billigeren Strom im Zuge der Liberalisierung der Strommärkte hat sich gelegt und Umweltschützer können wieder mit mehr Unterstützung für ihre Aufrufe zum Energiesparen rechnen. Kampagnenbüros entdecken in Zeiten steigender Energiepreise und sinkender Einkommen Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte als das Energieeinsparpotential der Stunde.

Im Kioto Protokoll verpflichtet sich Deutschland zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes um 21% gegenüber 1990, aber noch immer sind wir nach den USA, den Staaten der ehemaligen UDSSR, China und Japan die fünftgrößten Energieverbraucher der Welt. Deutschland verursacht 4% des gesamten energiebedingten Kohlendioxid-Ausstoßes der Welt - das ist mehr als der gesamte Kontinent Afrika freisetzt. Gut ein Viertel unseres (End-)Energieverbrauchs geht auf die Privathaushalte zurück und ein erheblicher Teil davon ließe sich ohne Verzicht auf Komfort einsparen.

Stromeinsparungen sind ein besonders effizientes Mittel, den Verbrauch von fossilen Energieträgern zu verringern, denn die hochwertige Energie wird nur mit einem mageren Wirkungsgrad von 34% erzeugt - die übrigen Zweidrittel verpuffen ungenutzt in der Atmosphäre. Das Bundesumweltamt und die Deutsche Energie Agentur haben zwei Kampagnen aufgelegt um auf die Verluste durch Standby-Betrieb und auf die großen Einsparpotentiale durch intelligentere Nutzung von Haushaltsgeräten aufmerksam zu machen.

Stromfresser Standby

Rot, grün oder gelb leuchten die Lämpchen an Fernseher, Videorekorder oder Computer, sie signalisieren: allzeit bereit - aber auch allzeit am Netz! Eine Studie des Fraunhofer ISI Instituts ermittelte einen Stromverbrauch in den Haushalten durch so genannte Leerlauf - und Standby-Verluste in Höhe von etwa 240 kWh je Jahr und Person, das sind zirka 16 % des Gesamtstromverbrauchs im Haushalt. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes summieren sich die Leerlaufverluste in Deutschland so jährlich auf mindestens 3,5 Milliarden Euro.

Ein Watt Leistungsaufnahme im Dauerbetrieb kostet, auf Grundlage der Berliner Strompreise für Privathaushalte im Jahr 2004, ca. 2,27 Euro im Jahr. Im Test schwankte der Energiehunger von Geräten der Unterhaltungselektronik im Leerlauf zwischen 10 Watt bei DVD-Playern und 92 Watt beim Farblaserdrucker - hier lohnt es sich bestimmt beim Kauf nicht nur auf den Preis, sondern auch das Energielabel zu schauen.

Vor allem Computer und Geräte der Unterhaltungselektronik gehen nach dem Normalbetrieb in den Bereitschaftsdienst über zum Beispiel um Signale der Fernbedienung zu empfangen oder bei Bedarf wieder schneller in Betrieb gehen zu können. Sie verbrauchen auch dann Strom wenn der Hauptschalter scheinbar ausgeschaltet ist. Viele Geräte besitzen gar keinen Ausschalter mehr. Die meisten Steckernetzteile ziehen Strom, so lange sie sich in der Steckdose befinden. Eine circa drei Jahre alte PC-Ausstattung (PC, Monitor und Tintenstrahldrucker) verbraucht so bei durchschnittlich 20 Stunden im Bereitschaftsmodus etwa 170 Kilowattstunden - ca. 44,2 Euro im Jahr.

Die Kampagne "No Energy" fordert deshalb: Jedes Elektro- und Elektronikgerät muss einen Netzschalter haben, der leicht zugänglich, gut sichtbar und eindeutig gekennzeichnet ist. Ein damit ausgeschaltetes Gerät darf keinen Strom mehr verbrauchen. In Bereitschaft darf ein Gerät nicht mehr als ein Watt verbrauchen. Um dem Energieverbrauch der eigenen Geräte auf die Schliche zu kommen, wollen die Verbraucherzentralen kostenlos Energiemessgeräte verleihen und empfehlen als probates Mittel gegen Stand-by-Energiefresser eine Steckdosenleiste mit Netzschalter oder Vorschaltgeräte.

Licht und Weiße Ware

44,7% Rendite - diesen Wert hat die Energieagentur NRW für den Einsatz einer 11 Watt Energiesparlampe im Vergleich zu einer herkömmlichen 60 Watt Glühbirne errechnet. Glühlampen erzeugen Licht mit hohen Verlusten: mehr als 90% des aufgenommenen Stroms werden nutzlos in Wärme umgewandelt (Halogenlampen sind mit 15% Wirkungsgrad nur wenig besser), Kompakt-Leuchtstofflampen verbrauchen bei gleicher Lichtleistung rund 80% weniger Strom und haben eine rund 8 mal höhere Lebensdauer.

Im Laufe der Lebensdauer einer Energiesparlampe kommt so eine Ersparnis von mindestens 60 Euro zusammen. Die Zukunft wird aber den Licht emittierenden Dioden (LED) gehören. Sie sind sehr klein und ausgesprochen langlebig. Die Effizienz der derzeit besten LED entspricht der von Halogenlampen. Allerdings werden LED ständig verbessert und in absehbarer Zeit die Effizienz von Leuchtstofflampen erreichen.

Etwa ein Drittel des privaten Stromverbrauchs geht auf Kosten von Kühlschrank und Co. Die so genannte Weiße Ware birgt daher ein erhebliches Einsparpotential. Beim Kauf verrät ein Blick auf das Energielabel welche Kosten im Betrieb zu erwarten sind. Eine Kennzeichnungspflicht besteht nach dem Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz (EnVKG) für Haushaltsgroßgeräte (Kühlgeräte, Waschmaschinen), Elektroherde, Lampen und Klimageräte. Die Kennzeichnung umfasst im Wesentlichen eine Nennung des Energieverbrauchs, Zuordnung des Geräts in eine Energieverbrauchsklasse A - G (sehr gut bis sehr schlecht).

Die Einteilung in Klassen beruht auf dem Stand von vor etwa 10 Jahren, so daß die Kennzeichnung den Verbrauchern heute nur noch eine grobe Orientierung geben kann. Nur für Kühl- und Gefriergeräte wird derzeit angepasst. Hier gelten seit März 2004 bundesweit zwei neue Energieeffizienzklassen. Mit den Kategorien A+ und A++ werden Produkte gekennzeichnet, die besonders wenig Strom verbrauchen (http://www.eu-label.de).

Bei bereits angeschafften Geräten senkt bewusstes Nutzerverhalten den Verbrauch erheblich. Beispielsweise muss es im Kühlschrank nicht kälter als 7 Grad C sein, ein 60 Grad Waschprogramm bringt gegenüber dem 95° GradProgramm 30% Energieeinsparung und das Kochen mit Deckel spart rund 20% Energie. Beim Heizen bringt Energiesparen am meisten, denn etwa 70 % Energie der im Haushalt verbrauchten Energie fließt ins Heizen und jedes Grad Raumtemperatur weniger spart ca. 6% Heizkosten.

Nicht Jammern

Für manchen klingt das nach lustfeindlicher Gängelei zur Sparsamkeit - was für den Einzelnen vielleicht nur zu Einsparungen von einigen hundert Kilowattstunden führt, bringt in der Summe eine ganze Menge: Angenommen die Privathaushalte in Deutschland senkten durch bewusstes Nutzerverhalten ihren Energiehunger nur um bescheidene zehn Prozent, führte dies zu Einsparungen von 113.000 kWh pro Jahr und machte damit umgerechnet 16 Kernkraftwerke überflüssig - ohne Komfortverlust, möglich sogar ohne Investitionen.

Update: Die Einsparungen würden tatsächlich erheblich mehr betragen: 13.000.000.000 kWh pro Jahr, so der Autor in einem Mail an die Redaktion, das den obigen Berechnungsfehler korrigiert. Folgende Daten hat Matthias Brake als Grundlage für die Neuberechnung herangezogen:

1. 10% des Stromverbrauchs der Privaten Haushalte sind 13TWh (siehe www.energieverbraucher.de).

2. Als durchschnittliche Kraftwerksleistung wurden 840MW angenommen (es gibt natürlich größere wie in Biblis) und eine Arbeitsverfügbarkeit von durchschnittlich bei 74 % und Zeitverfügbarkeit von 76 % angenommen. Siehe auch hier.

Der Autor bedankt sich für die Hinweise aus der aufmerksamen Leserschaft.

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