"Es kommt darauf an, dass die Leute umdenken"
Am Rande der amerikanischen Westküstenmetropole Portland versucht Loren Fennell, das Interesse für Biodiesel und Pflanzenöl als Treibstoff zu wecken
Es sieht aus wie ein Wassertank. Loren nimmt die Zapfpistole und versorgt den Kombi einer Freundin, die auf seinen Hof am Rand der Portlander "Waterfront" in einem Industriegebiet gefahren ist, mit neuem Treibstoff. Dann wird noch ein roter Reservekanister gefüllt, 20 Dollar wechseln den Besitzer und die Frau fährt wieder davon.
Was Loren, ein freundlicher, graumelierter Mittvierziger, da in den Tank gefüllt hat, war kein gewöhnlicher Treibstoff: Biodiesel sorgt für die Fortbewegung. "Ich habe die letzten vier Jahre kein einziges Mal regulär getankt", berichtet Loren, der in der Lage ist, mit ein wenig Aufwand etwa aus gebrauchtem Speiseöl Biodiesel zu fabrizieren, mit dem sein Auto anstandslos unterwegs ist. Noch mehr: Der Portlander zeigt uns einen alten Jetta, in den er gerade einen Tank für "vegetable oil" eingebaut hat - also Pflanzenöl.
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| Im Motorraum eines Autos, das auf den Mischbetrieb von Diesel und Pflanzenöl umgeruestet wird, verlaufen ein paar zusätzliche Schläuche. Ungewöhnlich: Was nicht verbrannt ist, wird nochmal in den Kreislauf zurückgeführt. Bild: Frank Berno Timm |
Diesel, sagt Loren, brauche man im Grunde nur zum Anlassen und Ausschalten des Motors, ansonsten könne man auch Pflanzenöl zum Autofahren nutzen. In den Kofferraum wird ein zusätzlicher Tank eingebaut. Im Motorraum ist die Anlage so konzipiert, das nicht vollständig verbrauchter Treibstoff zurückgeführt und nochmal durch die Zylinder gedrückt wird. Neue Autos, so Loren beiläufig, seien fast Verschwendung, es reiche völlig, von Zeit zu Zeit den Motor auf den technischen Stand zu bringen.
Eine Revolution? Eine Provokation? Wenn es nach Loren geht, hat die schon vor ganz langer Zeit stattgefunden, allerdings in die falsche Richtung, Loren spricht von der Lüge der Mineralölindustrie. Rudolf Diesel ist - folgt man Lorens Worten - auf eine etwas unerklärliche Weise ums Leben gekommen. Sein Leichnam - genauer: die Reste davon - wurde im Kanal zwischen England und Frankreich gefunden, weil die Ölfirmen fürchteten, Diesel könnte sein Wissen um die Möglichkeit, Biodiesel zu produzieren, auch einsetzen - offensichtlich war eine Biodiesel-Variante seines Motors in Arbeit, die nach seinem Tod nicht weiter verfolgt wurde.
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Provozierend dürfte Lorens Wissen auch heute noch für viele Ölfirmen sein. Auf einer Fläche von knapp 390 Quadratkilometern liesse sich der gesamte Bedarf an Ersatzkraftstoff für bisher Diesel-getriebene Fahrzeuge in Amerika - sogar die riesigen Loks der amerikanischen Eisenbahnen - produzieren, rechnet Loren Fennell vor.
Und der Prozess, mit dem aus Pflanzenöl der begehrte Treibstoff entsteht, ist nur auf den ersten Blick etwas kompliziert. Ausgangsstoffe - Loren unterscheidet durchaus zwischen guten und schlechten Ölen, die er aus verschiedenen Gaststätten bezieht - werden in einem erhitzt, gefiltert und mit verschiedenen Substanzen versetzt (Transesterification). Ein Verfahren, das je nach Qualität des Ausgangsmaterials rund 14 Stunden dauert. Lorens Produktion ist kaum mechanisiert, geschweige denn automatisiert - um es entsprechend weiter zu entwickeln, wären gerade 20.000 bis 30.000 Dollar nötig, wie er sagt.
"Es kann nicht sein, dass alles größer und stärker wird
Loren kommt es auf etwas anderes an. Er will das Umdenken im Kopf der Leute in Gang setzen. "Es kann nicht sein", sagt er, "dass immer nur alles größer und stärker wird." Was er meint, wird schnell deutlich, wenn man ein paar Tage in Amerika unterwegs ist: Viele, sehr viele SUVs, (sport utility vehicles) grosse und üppig motorisierte Kombis, sind auf den Straßen zu sehen und meistens ist das Geräusch eines großen Motors zu hören, wenn ein Auto vorbeifährt. Auch die Lkws, die offensichtlich große Teile der nötigen Transportarbeiten abwickeln, jagen mit derselben Geschwindigkeit wie die Pkws dahin und sind weit größer als in Deutschland. So ist in Amerika, wo alles viel mehr auf Mobilität mit dem Auto getrimmt ist als in Deutschland, jemand wie Loren, der Biodiesel propagiert, durchaus eine Ausnahmeerscheinung.
Wie kommt so einer dazu? Loren berichtet, mit seinem Partner vor ein paar Jahren das erste Recycling-Projekt der Stadt aufgezogen zu haben, weil ihm einfach nicht in den Kopf wollte, was alles auf den Müll flog. Ursprünglich hat er in amerikanischen Atomkraftwerken gearbeitet - man kann sich ausmalen, welches Umdenken im Kopf dieses Mannes schon vor Jahren eingesetzt haben muss.
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Nun veranstaltet er einen Workshop im Monat, außerdem demonstriert er an einem Auto, wie man die "Engine" auf die neue Antriebsart umrüstet "Neulich hat mich ein Freund angerufen, der mit seinem umgebauten Auto bis in den Süden von Mexiko gekommen war", berichtet er und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Und wenn Loren mit seinem Sohn unterwegs ist, hat er eine mobile Filteranlage dabei, mit der er Pflanzenöl so aufbereitet, dass er es in seinen Tank füllen kann.
Hinzu kommt: Je nach Motor verursachen Biodiesel-Fahrzeuge bis zu 82 Prozent weniger Emissionen als herkömmliche Autos. Auch für Länder, die selbst keine Ölquellen haben, könnte Biodiesel eine vernünftige Alternative sein, findet Loren - Japan und China seien solche Beispiele. Und Chinas Bedarf an Öl schließlich ist eines der Argumente, das immer wieder für die hohen Benzinpreise angeführt wird.
Auf den großen Verdienst kommt es dem freundlichen Amerikaner sichtlich nicht an. Auch der große Maßstab wie hier beschrieben (vgl. Finally - a breakthrough for oil?) oder nur wenige Meilen entfernt, in einer gerade eröffneten Fabrik ist nicht sein Stil. Es gehe darum, gemeinsam zu arbeiten, sagt er. "Cooperative" und "Community" sind Worte, die er immer wieder verwendet. Biodiesel jedenfalls verkauft er nur an seine Freunde. Wenn nur einer mit dem Gedanken spielt, sein Auto umzurüsten, scheint Loren schon zufrieden zu sein.
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