"Einmal hüpfen bitte!"

Herbert Hasenbein 09.09.2005

Ein spezielles Gestell zwischen Rucksack und Träger soll Energie in Strom umwandeln

Wir Menschen sind in den letzten Jahren geradezu energiehungrig geworden. Und das vor allem, wenn wir unterwegs sind. Das gilt fürs Handy, den Walkman oder den Laptop. Dann aber passiert ein Desaster wie beim Orkan Katrina, das uns bewusst macht, wie abhängig wir von Strom geworden sind.

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Inzwischen kalkulieren die Experten für die Aufräumarbeiten am Mississippi schlichtweg Wochen und Monate. Doch schon den Hilfskräften, die gegenwärtig in New Orleans oder entlang der Küste die Häuser auf Überlebende und Tote prüfen, gehen die Batterien aus. Für sie wäre ein neuer Rucksack mit Generator hilfreich, der ähnlich funktioniert, wie die sich durch Bewegung selbstaufziehenden Automatikuhren.

Der Rucksack gleitet auf dem Gestell, das die Energie abgreift (Bild: Science)

Die 7,4 Watt, die das in Science vorgestellte Gerät liefern kann, reichen beispielsweise aus, um das Handy, den GPS-Empfänger, Lampen am Helm und den Laptop mit Strom zu versorgen. Das ist 300mal mehr, als bisher mit speziellen, ähnlich aus Bewegung Strom erzeugenden Schuhen als Energiequelle erreicht werden, die nur 10 bis 20 Milliwatt liefern. Von den Handgeräten mit Kurbel oder Quetschmechanismus ganz abgesehen, die nur solange Strom liefern, wie man den Dynamo betätigt.

Die Konstruktion des Rucksacks beruht darauf, dass sein Gestell am Rücken fixiert ist, während der Rucksack selbst über Federn schwingen kann. Beim Gehen wirken die Beine wie Pendel, die abwechselnd den Körper vorwärts tragen. Durch diese wiederholte Bewegung "rutscht" der Rucksack auf dem festen Rahmen immer hin und her. Die Federungshöhe von ca. 5 bis 7 cm reicht aus, um den Strom zu erzeugen.

Das normale Gewicht des Rucksacks eines US-Soldaten beträgt 38 kg. Beim Marsch mit 6,5 Kilometern pro Stunde werden um die 7 bis 8 Watt generiert. Denselben Effekt zeigen 29 bzw. 20 kg schwere Rucksäcke, die bei entsprechend flottem Gehen (6,5 km/h) immerhin noch 4 bis 5 bzw. 2 bis 3 Watt erzeugen. "Es scheint, dass jeder irgendwelche Dinge im Rucksack mit sich trägt, und niemand daran gedacht hat, die damit verbundene Energie auszunutzen. Unser Rucksack ist ebenso selbstverständlich wie das Skifahren," sagt Lawrence Rome.

Die Bewegung des Körpers lässt den Rucksack im Mittel 5 cm schwingen (Bild: Science)

Der Auftrag kam vom "Office of Naval Research". In den US-Streitkräften ist inzwischen der "Future Force Warrior" das allumfassende Thema. Frei übersetzt heißt es: "Er schaut als erster, versteht als erster, agiert als erster und führt den vernichtenden Schlag mit Erfolg aus" Ein Idee ist die für 3 Tage und Nächte selbstständig operierende Einheit, die meist aus wenigen Soldaten besteht. Sie ist nicht nur gerätemäßig auf ihre Mission vorbereitet, sondern muss auch den notwendigen Strom mit sich führen. Dabei hilft der neu konstruierte Rucksack.

In Philadelphia wurde inzwischen die Gesellschaft "Lightning Packs LLC" gegründet, die den Auftrag hat, das Patent anzumelden und den weiteren kommerziellen Erfolg sicherzustellen.

Als Alternativen kommen vor allem Solarzellen in Frage, die beispielsweise auf dem Rucksack angebracht werden und zur Stromversorgung dienen. Rund 200 Euro kostet ein Solar-Rucksack, der gegenwärtig von den Outfittern angeboten wird.

Weitere Produkte sind in der Erprobung. Zum Beispiel H-Alpha Solar (H-AS), eine Folie, die offensichtlich rasch herzustellen ist und die Solarkapazität erhöht, sagt Gerrit Kroesen von der Technischen Universität in Eindhoven. Oder Generatoren, die an den Schuhen fixiert werden.

Das Gestell, das die Bewegung ausführt (Bild: Science)

Jedes dieser Produkte hat allerdings auch spezifische Nachteile: Die Sonnenenergie ist nur tagsüber wirksam, die Schuhe geben nur eine geringe Energie ab, wenn sie getragen und benutzt werden und der Rucksack muss bewegt werden, damit er seine Funktion erfüllt.

Vielleicht werden wir im nächsten Jahr in Paris auf der Eurosartory 2006 die ideale Kombination finden, mit der der Soldat der Zukunft über ausreichend Energie verfügt. Aber auch der Normalbürger greift dann vielleicht gerne auf die Mode der Zukunft zurück, die das Suchen nach der Steckdose erübrigt. Einen speziellen I-Rucksack für seinen I-Pod ist der Musikfan ja auch jetzt schon bereit zu tragen (Der elektrische USB-Nasenbohrer).

http://www.heise.de/tp/artikel/20/20891/1.html
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