Von explodierenden Hosen, flüchtenden Weckern und dem Innendruck von Pinguinen

Bernd Schröder 08.10.2005

Gleich nach der Verleihung der "echten" Nobelpreise wurden am Donnerstag zum 15. Male die Ig-Nobelpreise verliehen. Getreu dem Motto der Veranstaltung wurde wieder zuerst gelacht und dann erst nachgedacht

James Watson von der neuseeländischen Massey-Universität ist der Preisträger in Landwirtschaftsgeschichte; seine wissenschaftliche Studie mit dem Titel "The Significance of Mr. Richard Buckleys Exploding Trousers: Reflections on an Aspect of Technological Change in New Zealand Dairy-Farming between the World Wars" konnte die Jury überzeugen. Und alles nur, weil in den frühen 1930er Jahren viele neuseeländische Bauern äußerst enthusiastisch Natriumchlorat als Unkrautbekämpfungsmittel gegen Jakobskraut einsetzten.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Clocky. Bild: Columbia University

Geht der Weckalarm los und wird die Schlummertaste gedrückt, springt Clocky vom Nachttisch auf den Boden und versteckt sich an einer geeigneten Stelle. Wenn der Wecker wieder klingelt, wird der Besitzer aus dem Bett steigen und Clocky suchen und so seine produktiven Stunden des Arbeitstages mehren. Das ist der verdiente Ökonomie- Ig-Nobelpreis 2005 für Gauri Nanda vom M. I. T. Der Ig-Nobelpreis für Physik ging in diesem Jahr an eines der längsten Experimente aller Zeiten und Völker - das Pechtropfenexperiment (Das längste Experiment). Thomas Parnell begann 1927, Pech aus einem Trichter tropfen zu lassen. Die Obhut über den Versuch wurde später von John Mainstone übernommen, der nun den Preis für dieses geduldig durchgeführte Experiment (Tropfrate: durchschnittlich alle neun Jahre ein Tropfen) entgegennehmen konnte.

Fluide waren in diesem Jahr auch das beherrschende Thema in der Chemie: Edward Cussler (Universität von Minnesota) und Brian Gettelfinger (Universität von Minnesota und Universität vonWisconsin) führten ein Experiment durch, um ein für alle mal zu klären,: in welcher Umgebung ein Mensch schneller schwimmt: in Sirup oder in Wasser?

Autor des Buches Going Going NUTS! und Erfinder Gregg A. Miller mit Buck, dem Bluthund, ohne den es Neuticles wahrscheinlich nie gegeben hätte. Quelle: Neuticles

Gregg A. Miller aus Oak Grove im US-Bundesstaat Missouri erfand die mittlerweile patentierten Neuticles künstliche Ersatzhoden für kastrierte Hunde, die in drei Größen und drei Festigkeitsgraden erhältlich sind. Neuticles bewahren das natürliche Aussehen und die Selbstachtung der Tiere. Diese Leistung ist einen Ig-Nobelpreis für Medizin wert.

Für die Schaffung und massenhafte Verbreitung einer unverschämten Serie von Kurzgeschichten ging der Literatur-Ig-Nobelpreis an Internetunternehmer aus Nigeria. Schließlich haben sie per Email Millionen von Lesern mit köstlichen Charakteren wie General Sani Abacha, Mrs. Mariam Sanni Abacha, Barrister Jon A Mbeki Esq. und anderen bekannt gemacht.

Claire Rind und Peter Simmons von der Universität Newcastle/Großbritannien wurden zu den Preisträgern in der Rubrik Frieden auserkoren: Sie hatten die Aktivität einer Hirnzelle einer Heuschrecke elektrisch aufgezeichnet, während das Tier z.B. ausgewählte Höhepunkte aus Star Wars ansah. Bild: Newcastle University

Für die sorgfältige Riechung und Katalogisierung von Gerüchen, die durch 131 verschiedene Froscharten in Stress-Situationen abgesondert wurden, gab es den Ig-Nobelpreis für Biologie. Er geht zu gleichen Teilen an Benjamin Smith, Universität Adelaide, Australien, und Universität Toronto, Kanada, Firmenich perfume company, Genf, Schweiz, und ChemComm Enterprises, Archamps, Frankreich, sowie an Craig Williams, James-Cook-Universität und Universität von Südaustralien; Michael Tyler, Universität Adelaide; Brian Williams, Universität Adelaide; und Yoji Hayasaka, Australian Wine Research Institute.

Den Ig-Nobelpreis für Ernährung schließlich erhielt Dr. Yoshiro Nakamats aus Tokio für das Fotografieren und rückblickende Analysieren eines jeden Mahls, das er in den vergangenen 34 Jahren zu sich nahm.

Modellpinguin während des Stuhlgangs und physikalische Parameter zur Berechnung des notwendigen Rektaldrucks, um das Fäkalmaterial über eine Distanz von 40 cm auszustoßen. Bild: Meyer-Rochow

Den Vogel jedoch abgeschossen haben Victor Benno Meyer-Rochow von der Universität Bremen und der Universität Oulu in Finnland sowie Jozsef Gal von der Loránd Eötvös Universität in Ungarn.

Sie nutzten physikalische Näherungen, um den Druck abzuschätzen, der sich im Innern eines Pinguins aufbaut. Nachzulesen in Pressures Produced When Penguins Pooh - Calculations on Avian Defaecation. Bild: Meyer-Rochow

Aufgrund von Visaproblemen konnten die Laureaten die Ehrung für ihre Erkenntnisse in Fluiddynamik nicht persönlich entgegennehmen, wie sie auf ihrer Homepage bemerken:

Ladies and Gentlemen, We are very happy to see that the jury has found our research worth the award! Unfortunately both of us have encountered some problems getting a visa to be here in person. We don't know why, but let's hope it had nothing to do with the explosive nature of our work!

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21099/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS