Langschläfer aller Länder vereinigt Euch

Ernst Corinth 14.10.2005

Morgenstund hat Blech im Mund

Der Mensch ist doch kein Huhn. Und daher lautet das Motto des Vereins für zeitversetzt- und langschlafende Menschen DELTA t: Du bist nicht allein, wenn du träumst - früh am Morgen. Bereits seit 1993 kämpft diese ausgeschlafene Organisation angeblich schon gegen die Vorherrschaft der Frühaufstehergesellschaft. Und am morgigen Sonnabend wird sie nach einem Bericht der rzte Zeitung" eine Vertretung beim Bund in Berlin eröffnen, die sinnigerweisezwischen dem Finanz- und dem Gesundheitsministerium liegen soll.

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"Morgenstund hat Gold im Mund"

Nach diesem Motto orientieren sich Kindergärten, Schulen, Arbeitgeber und natürlich vorneweg die Ämter und öffentliche Einrichtungen am Idealtypus des frühen Huhns. Einem echten DELTA t'ler muss man nicht erzählen, was es bedeutet, sich deswegen in aller Herrgottsfrühe, gerade im Winter, und noch im Halbschlaf aus dem Bett zu quälen. Das ist das Morgengrauen und für viele eine allmorgendliche Tortur, die viel mit Blei, aber gar nichts mit Gold zu tun hat.

Doch dem soll widersprochen werden. Von nun an nimmt DELTA t dem Morgen sein Grauen und spielt dem Zapfen einen Streich.

Lobbyarbeit können Langschläfer wahrlich gut gebrauchen. Schließlich bilden sie zwar eine recht große Gruppe, die dennoch in dieser Gesellschaft stark unter Diskriminierung zu leiden hat. Kein Amt, kein Lieferant, kein Postbote und kein Handwerker nimmt auf ihre Schlafgewohnheiten Rücksicht. Schon während ihrer Kindheit werden sie frühmorgens aus dem Bett und dann in Kindergarten oder Schule getrieben. Später haben sie mit unmöglichen Arbeitszeiten zu kämpfen. Und den Rest erledigen Müllfahrzeuge die grundsätzlich in aller Herrgottsfrüh krachend den Unrat abholen.

Die Folgen dieser Diskriminierung sind Schlafentzug, Müdigkeit und eine damit zusammenhängende Gereiztheit, die sich oft in unnötigen, allerdings verständlichen Aggressionen entlädt. Zudem werden Langschläfer von Mitmenschen gern als Morgenmuffel oder Schlafmützen diskriminiert und gelten gar als faul und träge. Und damit, meint nicht nur der Verein, sondern auch der Autor dieses Textes, muss endlich Schluss sein. Oder wie es in einem Sprichwort vortrefflich heißt: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, sind wir, wo es schöner ist! Nämlich im Bett.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21145/1.html
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