Die Lust und der Tod

Wolf-Dieter Roth 04.11.2005

Ein Genre mit Tradition: Sex and Crime in der asiatischen Kultur

Die Verbindung von Sexualität, Leidenschaft, Liebe und Tod hat in der japanischen Kultur tiefe Wurzeln. Das schlägt sich auch in den erotischen Filmen des Landes nieder, die nicht in plumpe Pornografie oder Gemetzel abrutschen, doch gerade deshalb erschreckend sein können. Der Kulturfernsehsender Arte TV hat sich einiger Klassiker dieses Genres angenommen.

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Der 1976 herausgekommene Spielfilm "Im Reich der Sinne" von Nagisa Oshima wurde damals gefeiert und ausgezeichnet, doch war er auch umstritten. Ebenso, wie in Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom" kommt nicht unbedingt erotische Erregung auf, sondern die Kinobesucher verkriechen sich plötzlich unauffällig hinter dem Sitz des Vordermanns oder verlassen entsetzt das Kino. Nicht ohne den Kinoinhaber zu schelten "Sag mal, was zeigst Du denn für Filme?!?", der dann jedoch nur mit den Schultern zuckt und sagt "Wieso ich? Ich bin da doch nicht reingegangen, sondern ihr!".

Dreharbeiten zu einem japanischen Sexfilm, einem sog. "Pink Eiga" (Bild: ZDF / Georg Bense)

Japan blickt im Vergleich mit der westlichen Welt auf eine ebenso bedeutende wie freizügige kulturelle Tradition erotischer Darstellungen zurück: Ob es die als "Frühlingsbilder" bezeichneten erotischen Holzschnitte des 17. und 18. Jahrhunderts ("Shunga") sind, die als klassische Literatur anerkannten Werke von Ihara Saikaku ("Fünf Geschichten von liebenden Frauen", "Der Liebespfad des Samurai") oder die praxisorientierten Sexhandbücher ("Saiken"): Erotik hatte im vormodernen Japan einen wichtigen und selbstverständlichen Platz. Jenseits christlicher Moralvorstellungen wurden etwa Homosexualität, Voyeurismus, SM oder andere Spielarten der menschlichen Sexualität im alten Japan freizügig toleriert. Seit dem 17. Jahrhundert gab es auch von der Regierung festgelegte "Freudenviertel", in denen nicht nur die Prostitution, sondern dank Künstlern, Schauspielern und Handwerkern auch eine lebendige Kulturszene gedieh.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden unter westlichem Einfluss diese Formen der Sexualität nach und nach unterdrückt und strafrechtlich verfolgt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden unter der amerikanischen Besatzung die Zensurbedingungen verschärft – sie gelten offiziell bis heute. Schamhaare dürfen in Japan in keinem Medium gezeigt werden.

Sterben im Reich der Lust

Die kulturellen Besonderheiten Japans im Umgang mit Sexualität haben sich auch im Genre des erotischen Films niedergeschlagen. Die Dokumentation "Sterben im Reich der Lust", mit der Arte TV das Schwerpunktthema "Erotisches Kino aus Asien" eröffnet, beleuchtet mit Hilfe von Spielfilmausschnitten, Interviews und Beobachtungen vor Ort die lange und einzigartige Tradition des erotischen Films in Japan. Ein besonderes Augenmerk richtet sich auf die Verknüpfung von Sexualität und Tod, die oft auch intimen Kennern des fernöstlichen Landes und seiner Kultur manches Rätsel aufgibt. In der Malerei, Literatur, Fotografie und im Film treffen wir ungewöhnlich häufig auf diese Verbindung.

Der durch seine Bondage-Fotos weltberühmte japanische Fotograf Nobuyoshi Araki beschreibt die Fesselung als ein Anhalten des Lebens und stellt damit eine direkte Beziehung zum Tod her (Bild: ZDF / Georg Bense)

Das Genre des erotischen Films hatte schon immer mehr zu bieten als das bloße und ausschließliche Versprechen nackten Fleisches. Stets stellten die anspruchsvolleren Filme höchst komplexe emotionale, psychologische, philosophische und existentielle Fragen. Der Themenabend "Die Lust und der Tod" auf Arte zeigt als erstes Beispiel den Spielfilm "Die Geschichte der Abe Sada", der eine frühere und beinahe in Vergessenheit geratene Verfilmung derselben wahren Geschichte ist, die Nagisa Oshima zu "Im Reich der Sinne" aus dem Jahr 1976 anregte, der im Westen bekanntesten, möglicherweise auch kontroversesten filmischen Darstellung der Zusammenhänge von absoluter Liebe, körperlicher Leidenschaft, sexuellem Verlangen und Tod.

Dieser Film, in dem Botho Strauß ein "elementarisches Lehrstück über ein Grunddilemma der menschlichen Gattung" sieht, beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1936, als eine junge Frau durch Tokios Straßen irrte, die von ihr abgetrennte Männlichkeit ihres Liebhabers bei sich tragend. Er war in einer Ekstase sexueller Freuden gestorben. Oshima drehte zwei Jahre später mit "Im Reich der Leidenschaft" eine ebenso kraftvolle Fortsetzung. Dass Tod und Eros traditionell in der populären Kultur Japans nahe beieinander liegen, zeigen auch die vielen Geistergeschichten, die Literatur und Film durchziehen. Der böse Geist ist oft eine Frau – die von Eifersucht oder anderen Leidenschaften getrieben – als wunderschönes Geschöpf in Erscheinung tritt, ihren männlichen Partner verführt und ins Verderben stürzt. Mit der 1999 von Japans Regie-Shootingstar Takashi Miike inszenierten Verfilmung von Murakamis Roman "Audition" kehrt die Figur der tödlichen Verführerin zurück, wie man sie traditionell seit Jahrhunderten in der Literatur und Kunst Japans kennt.

Die Verknüpfung der Sexualität mit ihrem Zwillingsmotiv, dem Tod, ist auch der abendländischen Kultur alles andere als fremd. Wir finden sie in der griechischen Mythologie ebenso wie in den Schriften des Marquis de Sade oder Oscar Wildes, in der Malerei der Pariser Dekadenten ebenso wie in der Freudschen Psychoanalyse. Doch während sie bei uns immer wieder nur eher als abgründige Randerscheinung auftaucht, ist sie in der japanischen Kultur tief verwurzelt. Es handelt sich um eine Dualität, die dem japanischen Denken nur allzu vertraut und natürlich, ja geradezu zwingend erscheint.

Die Geschichte der Abe Sada

Am 18. Mai 1936 wird eine Geisha namens Abe Sada in den Straßen von Tokio aufgegriffen. Sie irrt umher, in der einen Hand ein Messer, in der anderen ein Seil. An ihrem Körper verborgen, trägt sie ein kleines Päckchen, das den abgetrennten Penis ihres Liebhabers Ishida Kichizo enthält. Er war der reiche Besitzer des Hotels, in dem sie zuletzt arbeitete. Die beiden hatten einen Monat gemeinsam in einem Hotelzimmer verbracht, das sie kaum verließen: als Gefangene einer ebenso leidenschaftlichen wie tragischen amour fou.

Abe Sada (Junko Miyashita) und Ishida Kichizo (Hideaki Ezumi) sind in eine obsessive Liebesbeziehung verstrickt (Bild: ZDF / Nikkatsu)

Als Abe Sadas Liebe zu Ishida Kichizo immer obsessiver wird, beginnt sie ihren Liebhaber mit Tüchern, Seilen und Gürteln zu strangulieren, um seine Lust länger aufrecht zu erhalten und ihn schließlich ganz zu besitzen. Ihre Obsession endet tödlich. Eine Bedienstete entdeckt schließlich den leblosen Körper des strangulierten und entmannten Familienvaters. Wenige Tage später berichten die Zeitungen über die Verhaftung seiner Geliebten Abe Sada. Sie selbst erzählt, wie zwischen dem 23. April und dem 18. Mai 1936 ihre Liebesbeziehung zu Ishida Kichizo in einer Art erotischer Vergiftung über alle Grenzen hinaus getrieben worden war.

"Die Geschichte der Abe Sada" ist eine frühere, beinahe in Vergessenheit geratene filmische Umsetzung derselben wahren Geschichte, die Nagira Oshima als Vorlage für seinen gefeierten und kontroversen Film "Im Reich der Sinne" diente. Während Oshimas Film sich auf die kurze Zeitspanne der sexuellen Liaison zwischen den beiden Liebenden konzentriert und Ishida Kichizos Tod der Höhe- und Endpunkt ist, geschieht er in Tanakas Film zu Beginn des letzten Drittels. Danach fokussiert sich der Film vollständig auf Abe Sadas Trauer, Schmerz und Verlangen nach ihrem toten Geliebten.

Abe Sadas (Junko Miyashita) obsessive Liebe führt in die Katastrophe (Bild: ZDF / Nikkatsu)

Die Figur der Abe Sada wird in einer Reihe von alten Fotografien eingeführt, in einer Rückblende gegen Ende des Films erfährt der Zuschauer in einer detaillierten Darstellung ihre unglückliche Kindheit. Tanakas Film ist zweifelsfrei der zugänglichere der beiden. Abgesehen von seiner weniger expliziten Darstellung der Sexualität, ist er intimer und kinematografisch stilisierter. Die exzellente Inszenierung, die hochkarätigen schauspielerischen Leistungen und eine atemberaubende Kameraführung schaffen eine verstörend klaustrophobische Atmosphäre und geben dieser schockierenden Geschichte den Glanz von künstlerischer Qualität.

Eine formal durchaus interessante Low-Budget-Variante des authentischen, ein Jahr später von Nagisa Oshima nochmals verfilmten Falles, welche die Etappen der pathologischen Beziehung nicht minder radikal und zeichenhaft verkürzt darstellt, wobei die spekulativen Genre-Szenen um Sex und Gewalt weniger "anstößig" sind als die These, dass Liebe und Tod identische Formen der Sinnerfüllung darstellen.

Lexikon des Internationalen Films

Im Reich der Leidenschaft

Japan im Jahre 1895: Jeden Abend verwöhnt die junge, schöne Seki ihren Mann, den alternden Rikschafahrer Gisaburo. Sie badet und massiert ihn, reicht ihm den Trost spendenden Sake, bis er in allabendlicher Routine hinwegdämmert – und sie ebenso wach wie unbefriedigt neben ihm liegt.

Dies ändert sich, als eines Tages der junge Soldat Toyoji im Dorf auftaucht, der eben aus der Armee entlassen wurde. Zwischen Seki und Toyoji entflammt eine heimliche, leidenschaftliche Affäre, die jedoch enthüllt zu werden droht, als Toyoji im Rausch des Liebesspiels Sekis Scham rasiert. Das würde ihr Mann dann trotz allabendlichen Sakerauschs doch merken. Gemeinsam beschließen sie deshalb, Sekis Mann zu töten und seine Leiche in einen Brunnen zu werfen.

Als Geist kehrt der ermordete Rikschafahrer Gisaburo (Takahira Tamura) ins Dorf zurück (Bild: ZDF / Oshima Productions / Argos Films)

Drei Jahre später: Das Verbrechen ist nicht in Vergessenheit geraten. Es verfolgt das Liebespaar weiter, denn Gisaburos Geist wandelt in dem kleinen Dorf und verfolgt die Bewohner in ihren Träumen. Verdacht kommt auf, Gerüchte verbreiten sich, ein Inspektor beginnt Nachforschungen anzustellen. Immer häufiger zieht es den Liebhaber und Mörder Toyoji zu dem Brunnen hinaus, in dem er und seine Geliebte die Leiche einst versenkten. In ihrem Verbrechen gefangen, können die Liebenden weder ihren seelischen Qualen noch der menschlichen Gerechtigkeit entgehen. Einzig ihre glühende Leidenschaft bleibt bestehen: bis zum Schluss, unwiderstehlich.

Mit seinem Film nach der literarischen Vorlage von Itoko Namura wendet sich Regisseur Nagisa Oshima dem "Kaidan", der traditionellen japanischen Geistergeschichte zu. Ein Motiv aus diesem Film – der Blick des toten Gisaburo aus dem Brunnen, in dem er versenkt wurde – wurde übrigens zum Leitmotiv des japanischen Horrorfilms "Ringu", der bei uns als das Remake "Ring" bekannt wurde. Dabei greift "Im Reich der Leidenschaft" zwei Jahre nach dem Skandal um "Im Reich der Sinne" auch die Thematik von Liebe, Lust und Tod wieder auf, setzt jedoch stilistisch und inhaltlich andere Akzente. Oshima kommentiert selbst:

Wenn die beiden Liebenden in Angst leben, so liegt das daran, dass sie sich ständig von der Natur bedroht fühlen. In diesem Sinne gräbt sich mein neuer Film viel tiefer als "Im Reich der Sinne" in die Wurzeln des Lebens ein. Sie glauben, dass die Liebenden wegen ihrer sexuellen Triebe in die Hölle verstoßen werden; ich aber glaube, dass es die bebende Erde ist, der murmelnde Wind, die flüsternden Bäume, die singenden Vögel, die Insekten – kurzum, die gesamte Natur, die das Paar auf ihrem Abstieg begleitet. [...] Weder Sex noch Liebe haben irgendeinen Sinn. Das Leben selbst hat keinen Sinn. Und wenn es keinen Sinn hat, ist es nicht die Hölle? Deshalb stelle ich dieses Leben so dar – von jeglichem Sinn beraubt, diese Hölle, die für mich immer noch schön ist.

Nagisa Oshima zählt heute zu den wichtigsten Filmemachern Japans. Er setzt sich in seinen Werken sowohl mit der modernen japanischen Gesellschaft der Nachkriegszeit, als auch mit den traditionellen Konventionen und Tabus – insbesondere Sexualität und Gewalt – auseinander. Für "Im Reich der Leidenschaft" wurde er 1978 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.

Seom – Die Insel

Mitten in den Wäldern Südkoreas hütet die schweigsame und geheimnisvolle Hee-Jin ein Kleinod der Schönheit: Auf einem See, umgeben von Nebel und Wasser, dümpeln kleine, bunt gestrichene Hausboote, die Hee-Jin an den Wochenenden vermietet. Sie versorgt die Bewohner mit allem, was sie begehren – auch mit ihrem eigenen Körper.

Das Wasser ist Hee-Jins (Suh Jung) Element (Bild: ZDF / Rapid Eye Movies HE GmbH)

Eines Tages taucht ein junger Mann namens Hyun-Shik auf, der nach dem Mord an seiner Frau und deren Liebhaber auf der Flucht vor der Polizei und nicht minder vor sich selbst ist. Versteinert sitzt er auf seinem Hausboot und wird immer wieder von den Bildern seiner Tat heimgesucht. Hee-Jin, die in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben glaubt, verliebt sich in ihn. Als sie ihm das Leben rettet, beginnt eine von äußerst gewalttätiger Sexualität geprägte, obsessive Beziehung, aus der es für beide kein Entkommen gibt.

Mit seinem skandalösen Meisterwerk "Seom - Die Insel" feierte der Regisseur Kim Ki-Duk 2000 in Venedig seinen internationalen Durchbruch. In einer verstörend-brutalen Bildsprache erzählt das Enfant terrible des koreanischen Films die Geschichte einer obsessiven Liebe und verzichtet dabei fast gänzlich auf Dialoge. Auf radikale Weise verbindet er makellose, poetische Schönheit mit kruder Grausamkeit und Gewalt.

Hee-Jin (Suh Jung) blickt in die Untiefen des Sees (Bild: ZDF / Rapid Eye Movies HE GmbH)

Der 1960 geborene Kim Ki-Duk gilt heute als eines der kreativsten und produktivsten Talente des jungen asiatischen Films. Sein metaphernreiches, aufgrund seiner Tabubrüche oft schockierendes Kino kreist um die Themen Einsamkeit, Schizophrenie und unerfüllte Sehnsüchte. Im Zentrum steht als antreibende Urgewalt der Kampf der Geschlechter, der in seinen Filmen mit einer für westliche Betrachter ungewohnten Rigorosität ausgetragen wird.

Nach Kim Ki-Duks Durchbruch mit "Seom - Die Insel" folgten zahlreiche weitere Erfolge: Für "Samaria" (2004), einer erschütternden Geschichte über Prostitution und Freundschaft, wurde Kim Ki-Duk 2004 in Berlin mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Für "Bin Jeep - Leere Häuser" (2004) erhielt er im gleichen Jahr in Venedig den Silbernen Löwen. Seinen bisher größten internationalen Publikumserfolg konnte Kim Ki-Duk 2003 mit "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling" feiern.

Audition

Sieben Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau wird Shigeharu Aoyama von seinem Sohn Ryoko bedrängt, sich auf die Suche nach einer neuen Lebensgefährtin zu machen. Mit Hilfe seines besten Freundes, einem Fernsehproduzenten, inszeniert er ein Vorsprechen für die Hauptrolle einer angeblichen TV-Serie. Unter den Bewerberinnen hofft der Witwer, eine mögliche neue Lebensgefährtin zu finden.

Die inszenierte "Audition" scheint ein voller Erfolg zu sein: Aoyama verliebt sich unsterblich in die grazile und märchenhaft schöne Kindfrau Asami. Die beiden beginnen, sich regelmäßig zu treffen. Doch Aoyama stößt immer wieder auf Ungereimtheiten in Asamis Lebenslauf. Man warnt ihn vor dieser Frau, doch davon will er nichts wissen.

Aoyama (Ryo Ishibashi) hat sich unsterblich in die feenhafte Asami (Eihi Shiina) verliebt (Bild: ZDF / REM)

Als Asami nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht plötzlich verschwunden ist, macht Aoyama sich auf die Suche nach ihr. Immer mehr beschleicht ihn der Verdacht, dass Asami nicht diejenige ist, die sie vorgibt zu sein. Düstere Visionen suchen Aoyama heim. Zu Recht: Was so zärtlich begann, endet in einem blutigen, allzu realen Alptraum.

"Audition" beginnt als zarte, leise Liebesgeschichte, die am Ende in einem alptraumhaften Szenario emotionale Grenzgebiete auslotet. Die langsame und dramaturgisch brillante Erzählweise des Films führt den Zuschauer einer verstörenden Bilderwelt entgegen, in der Realität und Fantasie nicht mehr zu unterscheiden sind. Ästhetik und Barbarei vermischen sich in einer surreal anmutenden Atmosphäre, die immer wieder von Szenen schonungslos realistischer Grausamkeit durchbrochen wird. Takashi Miike verleiht dem Sadismus das Antlitz einer schönen Kindfrau, die mit zarter Stimme die schlimmste Folter verkündet und deren Worte programmatisch sind: "Erst durch Schmerzen wird uns bewusst, was wir für Menschen sind."

Der 1960 geborene Takashi Miike gehört zu den erfolgreichsten Filmemachern des zeitgenössischen asiatischen Kinos. Er studierte am Yokohama College for Television and Film bei Hideo Onchi und dem Gründer der Akademie, Altmeister Shohei Imamura. Heute ist er einer der meistbeschäftigten Regisseure Japans, der bis zu vier Filme im Jahr realisiert.

Die schöne Asami (Eihi Shiina) entpuppt sich als teuflisches Monster (Bild: ZDF / REM)

Miike legte sich nie auf ein Genre fest: Vom Soft-Porno über Teenie-Filme bis zu Horrorthrillern reicht die Palette seines filmischen Schaffens, wobei der größte Teil seines Werks – wie etwa "Fudoh: The New Generation" (1996) und "Dead or Alive" (1999) – im Yakuza-Milieu spielt. Einer seiner leiseren Filme war "The Bird People of China" (1998), eine Hommage an die unentdeckten einfachen Schönheiten des Lebens, für die er 1998 auf dem Takasaki Film Festival als Bester Regisseur ausgezeichnet wurde.

"Audition", der 2000 in Rotterdam mit dem Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde, ist Takashi Miikes inhaltlich und ästhetisch bedeutendstes und zugleich sein extremstes Werk: Es definiert die Grenzen des Darstellbaren auf eine Art und Weise neu, die in Europas Kunst- und Unterhaltungskino kaum denkbar wäre.

Arte TV Sendereihe "Erotisches Kino aus Asien"

Sterben im Reich der Lust, Dokumentation, Regie: Georg Bense, ZDF, Deutschland 2005, 60 Minuten.
Erstausstrahlung Arte TV, Freitag, den 4. November 2005, 22.10 Uhr

Die Geschichte der Abe Sada, Spielfilm, Regie: Noboru Tanaka, Japan 1975, 77 Minuten.
Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung, Arte TV, Freitag, den 4. November 2005, 23.10 Uhr

Im Reich der Leidenschaft, Spielfilm, Regie: Nagisa Oshima, Japan/Frankreich 1978, Synchronfassung: ZDF, 101 Minuten.
Arte TV, Freitag, den 4. November 2005, Nacht auf Samstag, 0.45 Uhr

Seom – Die Insel, Spielfilm, Regie: Kim Ki-Duk, Korea 2000, Synchronfassung: ZDF, 86 Minuten.
Erstausstrahlung Arte TV, Mittwoch, den 9. November 2005, 22.35 Uhr

Audition, Spielfilm, Regie: Regie: Takashi Miike, Japan / Korea 1999, Synchronfassung: ZDF, 109 Minuten.
Erstausstrahlung Arte TV, Mittwoch, den 16. November 2005, 23.25 Uhr

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21276/1.html
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