Open Source Center

Florian Rötzer 09.11.2005

Die CIA auf neuen Wegen

Wer bei Open Source an freie Software denken sollte, liegt falsch. Allerdings auch nicht ganz. Die CIA will sich den neuen Möglichklichkeiten anpassen und vermehrt die legal zugänglichen Datenquellen nach brauchbaren Informationen durchstöbern. Die dahinter stehende Erkenntnis hat General Michael Hayden, der Vize-Direktor der Geheimdienste, so auf den Punkt gebracht: "Gestohlene Information ist nicht nur schon deswegen besser, weil sie gestohlen wurde."

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Das neue Open Source Center (OSC) untersteht dem Nationalen Geheimdienstdirektor und direkt dem CIA-Chef, soll aber mit allen Geheimdiensten und auch anderen Behörden wie dem Gesundheitsministerium zusammen arbeiten. So ganz klar ist man sich offenbar auch nicht, welche Informationen man hier erwarten soll. Vor allem will man sich nach vielen Pleiten wohl nichts entgehen lassen, obgleich die Geheimdienste auch mit den Informationsmengen, die man auf "konventionelle" Weise beschafft, bereits überfordert sind (Geheimdienste in der Datenflut)

Eingerichtet wird das Zentrum im Zuge der Umstrukturierung der Geheimdienste durch den Nationalen Geheimdienstchef (DNI) John Negroponte). Die allen Geheimdiensten übergeordnete Behörde wurde aufgrund der Empfehlungen der 9/11-Commission geschaffen. Mary Graham, zuständig für die Sammlung von Daten bei der nationalen Geheimdienstorganisation, fiel auf Anfrage bei einer Pressekonferenz keine Frage ein, die sich nur mit frei zugänglicher Information im Sinne der Geheimdienste beantworten lassen könnte, aber die Regierung sei immer mehr darauf angewiesen und die Geheimdienste könnten vielleicht daraus erkennen, wo sie tiefer mit ihren herkömmlichen Mitteln nachgraben müssten.

So hätte man beim Aufkommen einer möglicherweise gefährlichen Vogelgrippe noch vor einigen Jahren auf Informanten oder andere Quellen zurückgegriffen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Heute hingegen könnten praktisch alle Fragen von Politiker durch den Zugriff auf frei zgängliche Quellen beantwortet werden. Die einzige Ausnahme sei, wenn es sich um Personen handelt, die mit bösen Absichten agieren. Douglas Naquin, ehemals Leiter des Foreign Broadcast Information Service erklärt, dass man beispielsweise Medienberichte, Postings im Internet oder auch T-Shirts in Südostasien sammeln und analysieren werde. Aus den auf T-Shirts abgedruckten Texten könnten ja wichtige Informationen enthalten sein. Viele der Informationen seien "gray data". Sie sind zwar verfügbar, aber nicht wirklich bekannt.

Angesiedelt wird es im Foreign Broadcast Information Service, der übersetzt, was an möglicherweise Interessantem in Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen oder im Internet veröffentlicht wurde. Teilweise werden die Übersetzungen über die World News Connection zugänglich gemacht. Für das Open Center gibt es neue Posten, so darf sich der Vertreter des DNI der Leiter darf sich "Assistant Deputy Director of National Intelligence for Open Source" nennen.

Im Augenblick ist allerdings die CIA selbst von zuviel "open source" geplagt. Vor kurzem plauderte Margaret Graham das bislang sorgsam gehütete Geheimnis des jährlichen Budgets der Geheimdienste aus (Geheimdienste in der Datenflut). Man wusste zwar, dass die Geheindienste einen jährlichen Geldsegen von um die 40 Milliarden US-Dollar bekommen. Jetzt ist es sozusagen amtlic, dass es 44 Milliarden sind.

Nicht erfreut ist man bei der CIA auch darüber, dass die Washington Post in einem Artikel von angeblichen Geheimgefängnissen des Geheimdienstes in osteuropäischen Ländern berichtet hatte (Geheimgefängnis der CIA in Polen oder Rumänien?). Die CIA hat sich mittlerweile an das Justizministerium gewandt, um die Quelle für diese Information herauszufinden. Republikanische Abgeordnete hatten sich schon zuvor an den Geheimdienstausschuss gewandt und diesen aufgefordert, den Vorfall zu untersuchen. Ztur Begründung wurde gesagt, dass die Bekanntgabe einer solchen Information, sollte sie zutreffen, "langfristige und weitreichende schädliche und gefährlichen Folgen haben könnte und unsere Versuche gefährden könnte, das amerikanische Volk und unsere Heimat vor Terrorangriffen zu schützen."

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21312/1.html
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