Mätressen: Die geheime Macht der Frauen
Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau. Manchmal auch zwei. Oder drei.
Mätressen galten häufig als die geheimen Herrscherinnen, deren Verführungskraft Könige, Fürsten, Päpste oder Sultane unterlagen. Ihretwegen verstrickten sich Landesherren in dramatische Konflikte zwischen Liebe und Macht. Ein filmischer Themenabend will ein Bild der Geliebten an der Seite der Herrscher zeichnen, und zwar ein Bild jenseits üblicher Klischees.
Mätressen faszinieren noch heute, weil sie ihre Männer nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch Klugheit eroberten, weil sie Macht gewannen und diese zu nutzen verstanden. Mätressen verdanken ihren Erfolg weder Heirat noch Abstammung, sondern eigenem Handeln. Glanzvollen Epochen haben sie ihr Gepräge gegeben, dem Rom der Renaissance-Päpste ebenso wie dem Istanbul der Osmanen-Herrscher und dem Versailles des Sonnenkönigs.
Spätere Generationen unternahmen alles, um die skandalösen Spuren der Mätressen zu tilgen. Dass dies nicht gelungen ist und dass Geschichte nicht nur von Männern gemacht wird, zeigt in einem Arte-Themenabend im Anschluss an den Historienfilm "Diane – Kurtisane von Frankreich" das dreiteilige Doku-Drama "Mätressen", das ein Bild der Geliebten an der Seite der Herrscher jenseits üblicher Klischees zeichnen will.
Diane – Kurtisane von Frankreich
In diesem MGM-Spielfilm aus dem Jahr 1955 herrscht König Franz I. im 16. Jahrhundert in Frankreich. Er lernt die junge Gräfin Diane de Brézé kennen, als diese sich für ihren Mann einsetzt, der angeblich an einer Verschwörung gegen den König beteiligt war. Franz I. findet Gefallen an Diane und bittet sie, seinem ungeschliffenen Sohn Heinrich höfische Manieren beizubringen, ehe er ihn aus politischen Gründen mit der jungen Katharina von Medici verheiratet. Heinrich und Diane verlieben sich ineinander und beginnen eine leidenschaftliche Affäre.
![]() |
|
| König Franz I. von Frankreich (Pedro Armendáriz) lernt Diane (Lana Turner), Gräfin de Brézé, als ebenso schöne wie kluge Frau schätzen, als sie sich bei ihm für ihren Mann einsetzt, der sich in eine Verschwörung hineinziehen ließ. (Bild: Mitteldeutscher Rundfunk / ARD/Degeto) |
Als Katharina von Medici an den französischen Hof kommt, bleibt ihr nicht lange verborgen, wie Diane zu Prinz Heinrich steht. Sie beginnt ihre Rivalin zu hassen. Auch als der Prinz nach dem Tod seines Vaters und seines älteren Bruders als Heinrich II. den Thron besteigt, hält er zu Diane. Doch bei einem glanzvollen Turnier wird er Opfer einer heimtückischen Verschwörung und stirbt. Damit fällt alle Macht an Katharina. Diane muss mit dem Schlimmsten rechnen. Das Drehbuch entstand nach der Erzählung "Diane de Poitiers" von John Erskine. Kostümfilm. Diane wird von Lana Turner gespielt, Prinz Henri von Roger Moore.
Die Geliebte des Königs
Als der Sonnenkönig Ludwig XIV., mächtigster Herrscher seiner Zeit und folglich von jeder Menge "Groupies" umringt, sich im Jahr 1661 eine Geliebte leistet, wird die Funktion einer Mätresse am Hof keineswegs als selbstverständlich hingenommen. Mit seiner öffentlich gelebten Bigamie stellt sich der Sonnenkönig bewusst über christliche Moral und staatliches Gesetz. Doch Louise de la Valière ist eigentlich zu nett für die Rolle einer dominanten Gebieterin über Macht und Sex; eine schüchterne Amazone, von moralischen Skrupeln geplagt. Sie wird vom König, den sie wirklich verehrt, bald stiefmütterlich behandelt und geht schließlich nach sieben Jahren Frust ins Kloster.
![]() |
|
| Madame de Montespan (Suzan Anbeh, li.), Madame de Maintenon (Christina Große, 2.v.r.), Ludwig XIV. (Sylvester Groth) (Bild: Mitteldeutscher Rundfunk / L.E. Vision) |
Ihre Freundin Madame de Montespan (1641 – 1707) hat da weit weniger Hemmungen, die Freundschaft zu ihren Gunsten und dem Schaden von Louise auszunutzen. Sie ist der Ansicht, der König brauche eine ihm ebenbürtige Mätresse. "Er ist es seinem Volk schuldig, die schönste Frau des Hofes zur Mätresse zu nehmen", sagt sie. Und mit der schönsten Frau meint sie natürlich sich selbst. Dass nicht nur der König, sondern auch sie selbst verheiratet ist, stört sie dabei nicht weiter. Dass ihr Mann eifersüchtig wird, führt nur zu Amüsement und Skandalen am Hof. Dass die Geistlichen an Hof König und Mätresse die Absolution verweigern, ist schon eher ein Problem.
Madame de Montespan erobert tatsächlich das Herz des Königs. Schönheit allein aber reicht nicht aus, um als Mätresse zu bestehen. Witz, gute Manieren, eine starke Persönlichkeit und leider ein außergewöhnliches Talent zum Intrigieren gehören ebenso dazu. Das geht an die Kräfte – die Lebenserwartung der Höflinge ist geringer als die einfacher Bauern.
![]() |
|
| Madame de Montespan (Suzan Anbeh, li.) und Louise de la Vallière (Marie Christine Friedrich, re.) (Bild: Mitteldeutscher Rundfunk / L.E. Vision) |
Zimperlich geht die Montespan nicht zu Werke. Eine Nebenbuhlerin wirft sie mit der Unterstellung aus dem Rennen, die Dame leide an Lepra und Krätze. In den 14 Jahren als Mätresse des Sonnenkönigs bringt die Montespan sieben Kinder zur Welt. Zur Erzieherin erwählt sie die stille Madame de Maintenon. Aber ausgerechnet die Maintenon verbündet sich mit der Königin und dem Klerus, um den König von seinem ehebrecherischen Lebenswandel abzubringen. Und ausgerechnet die scheinbar so sittenstrenge Maintenon wird nach dem Fall der Montespan neue und letzte Mätresse Ludwig XIV. und bringt ihn sogar dazu, sie heimlich zu heiraten.
Erst die französische Revolution macht dem nun offiziell am Hof anerkannten Amt der Mätresse ein Ende. Die letzte maitresse en titre, Madame Dubarry, stirbt 1793 unter der Guillotine.
Die Geliebte des Sultans
In der Mitte des 16. Jahrhunderts ist der prächtige Sultanspalast von Istanbul – der Topkapi Serail – das Zentrum des mächtigsten Reichs der Erde. Im Innersten des Palastes befindet sich mit dem Harem der am strengsten bewachte Ort des Reiches, den – von 800 afrikanischen Eunuchen abgesehen – nur ein Mann betreten darf: "Gottes Schatten auf Erden" – der Sultan Süleyman der Prächtige. Hunderte Frauen sind jahrelang dafür ausgebildet worden, um von ihm als Konkubine erwählt zu werden.
|
|
Mit welcher seiner Frauen der mächtigste Herrscher seiner Zeit, der die Türken bis vor Wien geführt hat, die Nacht verbringt, bestimmen strikte Regeln, gegen die selbst der Sultan nichts ausrichten kann. Doch die ukrainische Sklavin Roxelana bringt dieses System durcheinander. Sie fasziniert den Sultan mit ihrer Klugheit, ihrer Raffinesse und ihrer Leidenschaft. Sie bringt Süleyman dazu, die Gesetze des Harems zu brechen und nur noch mit ihr zu verkehren. Schließlich führt der Sultan mit Roxelana sogar eine monogame Ehe. Er liebt sie, weil sie wie er etwas von Kunst versteht, Gedichte schreibt und ihn mit Ratschlägen versorgt.
![]() |
|
| Roxelana (Sólveig Arnarsdóttir) und Sultan Süleyman (Uwe Bohm) (Bild: Mitteldeutscher Rundfunk / L.E. Vision) |
Als Roxelana 1558 stirbt, hat sie für ihren eigenen Sohn den Weg an die Macht frei gemacht. Die europäische Sicht des Harems ist von Klischees bestimmt. Orientalische Frauen werden ausschließlich als auf ihre laszive Ausstrahlung reduzierte Nymphen dargestellt. In Wahrheit kommt es, eingeleitet von Roxelana, zu einem in der islamischen Welt einzigartigen Vorgang: Haremssklavinnen erlangen ein Jahrhundert lang die Herrschaft über das Osmanische Reich. Während des "Sultanats der Frauen" wird hinter den Mauern des Harems in Istanbul Weltgeschichte geschrieben.
Erst 1909 wird der Herrscherharem endgültig aufgelöst, dem noch ungefähr 500 Sklavinnen angehören. Sie beenden ihr Leben als tragische Jahrmarktsattraktionen in Westeuropa.
Die Geliebte des Papstes
Die Marmorstatue einer jungen Frau neben dem Hauptaltar im Petersdom zu Rom birgt ein Geheimnis. Einst war diese erotische Skulptur nackt. Dann wurde sie unter einem Bleigewand verborgen. Noch heute fühlt sich die katholische Kirche durch diese Statue kompromittiert und möchte die skandalösen Spuren der eigenen Geschichte tilgen. Denn Julia Farnese, deren Antlitz hier verewigt ist, hat ihr Bett mit einem Papst geteilt.
Ihr Schicksal führt in das Italien der Renaissance. Dass selbst der Papst eine Mätresse und zahlreiche Kinder mit ihr hat, wirft ein grelles Licht auf jene Epoche. Mit seiner Mätresse Vannozza lebt Papst Alexander VI. nicht Ausschweifung und Sittenlosigkeit aus, sondern etwas ihm ebenso verbotenes: ein Familienleben. Vannozza ist die Mutter seiner Kinder, darunter der heute noch berühmt-berüchtigten Cesare und Lucrezia.
![]() |
|
| Julia Farnese (Cordelia Wege) und Rodrigo Borgia (Hannes Hellmann) (Bild: Mitteldeutscher Rundfunk / L.E. Vision) |
Als die erotische Anziehungskraft Vannozzas für den Papst schwindet, legt er sich eine neue Mätresse zu. Seine Wahl fällt auf die beste Freundin seiner Tochter, eben jene Julia Farnese. In Rom wird sie nur "Giulia Bella", die schöne Julia, genannt. Durch ihre Intrigen im Bett des Papstes beginnt der Aufstieg der Farnese von einem zweitrangigen Landadelsgeschlecht zur mächtigsten und reichsten Familie Roms.
Um seiner schönen Geliebten zu gefallen, verhilft Alexander VI. ihrem Bruder Alessandro Farnese zu einem steilen Aufstieg, macht ihn zum Kardinal. 1534 wird dieser selbst Papst. Und ausgerechnet er macht den zügellosen Sitten der Zeit ein Ende. Er gründet die römische Inquisition und leitet die Gegenreformation ein.
Arte TV Themenabend "Mätressen"
Diane – Kurtisane von Frankreich, Spielfilm, USA 1955, 106 Minuten, Synchronfassung, Regie: David Miller
Arte TV, Sonntag, den 13. November 2005, 20.40 Uhr
Die Geliebte des Königs, Dokumentation, Deutschland 2005, 52 Minuten, Regie: Jan Peter, Yury Winterberg
Erstausstrahlung, Arte TV, Sonntag, den 13. November 2005, 22.30 Uhr
Die Geliebte des Sultans, Dokumentation, Deutschland 2005, 52 Minuten, Regie: Jan Peter, Yury Winterberg
Erstausstrahlung, Arte TV, Sonntag, den 13. November 2005, 23.15 Uhr
Die Geliebte des Papstes, Dokumentation, Deutschland 2005, 52 Minuten, Regie: Jan Peter, Yury Winterberg
Erstausstrahlung, Arte TV, Sonntag, den 13. November 2005, 0.15 Uhr
- Re: Haremsgedanken (14.11.2005 20:54)
- ehrgeiz als defekt (14.11.2005 15:14)
- Poste wie Flasche leer! (14.11.2005 13:37)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.





