Wird Deutschland zum Schlaraffenland für Pay-TV-Anbieter?

Die GEZ könnte bald nicht mehr die einzige von jedem Bürger Fernsehgebühren kassierende Organisation sein

Bislang war Bezahlfernsehen in Deutschland nur wenig beliebt: Nach Rundfunkgebühr und Kabelgebühr ist beim Zuschauer das Portemonnaie leer und das frei empfangbare öffentlich-rechtliche und private Programm lastet Menschen mit normaler Freizeitgestaltung zudem bereits mehr als ausreichend aus. Dies könnte sich jedoch bald ändern: Auf Satellit soll die Grundverschlüsselung kommen! Und auch über den Missbrauch von Internet für Broadcasting wird wieder nachgedacht – diesmal nicht bei ARD und ZDF, sondern bei T-Online.

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In den meisten europäischen Märkten zeigt sich eine Konzentration auf ein bis zwei Pay-TV-Anbieter – mehr können nicht kostendeckend bestehen. In Deutschland sind neben dem Marktführer Premiere auch andere Anbieter von Bezahlfernsehen im Markt aktiv. In Kürze wird die Astra Platform Services (APS), die frühere Digital Playout Center GmbH (DPC) der Kirch-Gruppe, eine digitale Pay-TV-Plattform für den deutschsprachigen Markt starten. Dabei soll die APS, die der Satellitenbetreiber SES Astra Anfang des Jahres von Premiere erwarb, keine Programmbouquets anbieten, sondern rein als neutraler Dienstleister die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen.

"Beim Cross Access können dann die existierenden Premiere-Haushalte die neuen verschlüsselten Angebote anderer Veranstalter empfangen und auf der existierenden Smartcard freischalten lassen. Umgekehrt gilt Entsprechendes. Bei dieser Lösung sind keine neuen Empfangsgeräte oder Smartcards notwendig", erläuterte SES Astra-Chef Ferdinand Kayser die Vorteile der Plattform. Dass Pay-TV und alle daran beteiligten Player in Deutschland am Beginn einer neuen "Innovationsstufe" stehen, darin waren sich alle Diskussionsmitglieder einig.

Um die Wettbewerbsthematik im Pay-TV gleich mit einem entsprechenden Statement zu beantworten, teilte Peter Kerckhoff, Portal-Bereichsleiter bei T-Online mit, dass T-Online Pay-TV zum Teil des "Triple Play über DSL" machen werde und somit in Zukunft zusätzlicher Konkurrent im Wettbewerb um den Kunden und natürlich auch zu den bestehenden Kabelnetzbetreibern wird. "DSL wächst stärker als das klassische Kabel", sagte Kerckhoff, "wir müssen mit innovativen Produkten aufwarten und die Vorteile des DSL-Netzes nutzen."

Die einstigen Konzernpartner Premiere und Pro7Sat1 wachsen wieder zusammen

Für den Marktführer Premiere mit derzeit etwa 3,4 Millionen Abonnenten kündigte Dr. Kofler, Vorstandsvorsitzender bei Premiere an, in Zukunft nicht auf zusätzliche Kanäle, sondern noch stärker als bisher auf Qualität und vor allem Exklusivität setzen zu wollen. Im Bereich des Premium-Inhalts werde es künftig nur eine, nämlich die Premiere-Plattform geben, prophezeite Georg Kofler, daneben aber viele weitere Plattformen mit ergänzenden Angeboten. Solche Inhalte könnte beispielsweise die Pro Sieben-Sat.1-Gruppe liefern, teilte Vorstandsmitglied Hubertus Meyer-Burckhardt mit. Er bestätigte damit, dass sich Pay-TV "als eine logische Erweiterung der Wertschöpfungskette" für sein Unternehmen darstelle.

Soweit alles Pläne, die den normalen Fernsehzuschauer nicht weiter stören dürften und den, der bereits bei einem Pay-TV-Anbieter Kunde ist, eher freuen, weil er ein Gerät für alles verwenden kann. Doch zwischen den Zeilen wird gesagt, dass die Zeiten des bisher frei und kostenlos zu empfangenden Fernsehens in Deutschland bald vorbei sein könnten, was auch HDTV und die Ansprüche der Film- und Sportrechteinhaber kräftig voran treiben und so auch ARD und ZDF belangen. Eine Grundverschlüsselung aller Angebote schloss Meyer-Burckhardt nicht aus und betonte: "Wir glauben an Pay-TV – in welcher Darreichungsform auch immer."

Große Hoffnungen in den Pay-TV-Markt setzt auch Dr. Manuel Cubero, Vice President Digital TV beim Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland. Sein Unternehmen habe in kurzer Zeit ein erfolgreiches Pay-TV-Paket auf dem Markt eingeführt. Für die kommenden Monate und Jahre sagte er ein wesentliches Wachstumspotenzial voraus.

Ohne Smartcard und Abo bleibt der Bildschirm zukünftig dunkel

Nach einer mehr als zehnjährigen, aber lange wenig erfolgreichen Pay-TV-Geschichte in Deutschland herrscht inzwischen demnach so etwas wie Aufbruchstimmung. Somit steht dem TV-Konsumenten in Deutschland neben der technischen auch eine grundsätzliche Revolution im Fernsehmarkt bevor, denn die Anzahl an frei empfangbaren Programmen könnte sich in Zukunft drastisch ändern – und zwar nach unten.

Petra Vitolini Naldini ist Chefredakteurin des Sat-Reports

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21363/1.html
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