Ungerechtigkeit als Ausgangsbedingung
Nach dem UNESCO-Bericht über der Lage der Kinder lebt eine Milliarde - die Hälfte aller Kinder – in Armut
2,2 Milliarden Kinder gibt es auf der Welt. 1,9 Milliarden in Entwicklungsländern. Eine Milliarde Kinder leben in Armut. Statistiken über die Lage der Menschen auf der Welt sind mehr oder weniger verlässliche Schätzungen. Wie sie zustande kommen und bewertet werden können, entzieht sich oft demjenigen, der sie rezipiert. Wie im Fall des neuen UNESCO-Berichts über die Lage der Kinder mag man zwar Zweifel haben, ob nun wirklich alle Zahlen korrekt sind und nicht doch auch aus nachvollziehbaren Motiven heraus übertrieben wurde, aber man weiß doch auch, dass die Lebenswirklichkeit für viele Menschen schlecht ist. Wir wissen mehr oder weniger gleichgültig, engagiert oder zynisch um die Ungerechtigkeit, die herrscht und die vor allem die Kinder betrifft, die sich nicht aussuchen können, wo und von wem sie geboren werden. Sie werden, ohne dafür verantwortlich gemacht werden zu können, in diese Welt an diesen Ort unter diesen Umständen geworfen – und gehören damit vielleicht von Anfang an schon zur Generation der Überflüssigen und Chancenlosen.
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Gestern war der internationale Kindertag. Das muss nicht wissen und bemerken, schließlich gibt es viele symbolische Tage, die eben symbolisch sind und an etwas erinnern wollen. 1989 hatte die UNO das Abkommen über die Rechte der Kinder angenommen. Hier wurde beschlossen, einen internationalen Tag des Kindes einzurichten.
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Gestern hat Unicef zu diesem Tag den aktuellen Bericht über die Lage der Kinder 2005 veröffentlicht und mit trockenen Zahlen daran erinnert, dass trotz großem Reichtum in einigen Ländern, Regionen und Bevölkerungsschichten für viele Menschen die Ausgangsbedingungen hart, grausam und düster sind und dass die Weltgemeinschaft noch immer viel zu wenig macht, um das zu ändern und zumindest eine gewisse Chancengleichheit zu garantieren. Eher werden denn schon die Festungsmauern um die Wohlstandsinseln hoch gezogen und ziehen sich diejenigen, die Glück hatten, darauf zurück, dass sie das auch verdient oder gar selbst geleistet haben. Allerdings wird festgehalten, dass auch in den reichen Ländern meist die Zahl der Kinder gestiegen ist, die in Armut leben. In Deutschland beispielsweise von den 80er auf den 90er Jahren von 4,1 auf 9 Prozent. In Ländern wie Großbritannien, USA oder Kanada ist die Kinderarmut im selben Zeitraum zwar leicht gesunken, liegt aber dafür in den 90er Jahren sehr viel höher: 15,4, 21,9 bzw. 14,9 Prozent.
Poverty is the root cause of high rates of child morbidity and mortality. The rights of over 1 billion children – more than half the children in developing countries – are violated because they are severely underserved of at least one of the basic goods or services that would allow them to survive, develop and thrive.
Kinder stellen heute trotz der vergreisenden Welt noch einen Großteil der Weltbevölkerung. 36 Prozent aller Menschen sind Kinder. 400 Millionen Kinder oder Minderjährige unter 18 Jahren – ein Fünftel - haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 640 Millionen leben ohne angemessene Unterkunft – ein Drittel. 270 Millionen werden nicht ausreichend medizinisch versorgt: ein Siebtel aller Kinder. 1,4 Millionen Kinder sterben jährlich, weil sie kein sauberes Trinkwasser haben oder unter hygienisch unzureichenden Bedingungen leben. 10, 6 Millionen Kinder sterben, bevor sie fünf Jahre alt werden, so viele wie es Kinder unter fünf Jahren in Deutschland, Frankreich, Griechenland und Italien insgesamt gibt. Sie sterben in aller Regel an Krankheiten, die behandelbar wären. Allein durch Impfungen ließe sich jährlich das Leben von über 2 Millionen Kindern retten.
Die höchste Wahrscheinlichkeit, vor dem fünften Geburtstag zu sterben, haben Kinder aus Sierra Leone, Niger, Angola, Afghanistan, Liberia, Somalia, Mali, Burkina Faso, Guinea-Bissau und Kongo. Die Lebenserwartung eines japanischen Kindes liegt gegenwärtig bei 84 Jahren. Hier sterben jährlich 5.000 Kinder unter 5 Jahren. In Sambia beträgt die Lebenswartung gerade einmal 33 Jahre, jährlich sterben über 80.000 Kinder unter 5 Jahren. 240 Millionen Kinder müssen bereits ab dem Alter von fünf Jahren arbeiten, 140 Millionen oder 13 Prozent können nie eine Schule besuchen, 300 Millionen oder 16 Prozent aller Kinder haben keinen Zugang zu Informationsmedien, gleich ob Radio, Fernsehen, Zeitung oder Telefon.
In den armen Ländern gibt es zudem die meisten Konflikte, unter denen Kinder leiden müssen. Sie werden zu Opfern der Gewalt, vertrieben oder zu Waisen, erleben Grausamkeiten, werden dazu gezwungen, selbst zur Waffe zu greifen, rutschen in Prostitution oder Kriminalität. Aids ist besonders in Afrika ein gewaltiges Problem, das viele Kinder zu Waisen macht.
http://www.heise.de/tp/artikel/21/21400/1.html- Scheinheiliger Troll (29.11.2005 10:42)
- re: *wuerg* (23.11.2005 22:09)
- re: vll. liegts am system? (23.11.2005 22:05)
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