Auch er war leider schon mal Deutschland...

Da ist das "geistige Eigentum" doch so schützenswert – und dann ist selbst der Slogan der Positivkampagne nur geklaut

Ach, was sind wir nicht alles? Parasiten (so wir denn zu den Alo-II-Empfängern gehören), Netzparasiten, Lamentierer ohne politisches Mandat so wie Peter Schaar (so wir denn auch keine Fans der neuen Pässe mit biometrischen Pässen sind) und nicht zuletzt: Deutschland). Egal ob wir eigentlich ganz woanders wohnen und unsere Steuern sparen und eigentlich nur im Kreis rumfahren, wir sind dennoch Deutschland. Voll und ganz und so, mit Leib und Seele eben.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Schade nur, dass die rührigen Positivismusprofis hier auf wenig geschickt agierende Leute zurückgriffen, die dann sagten, dass man ein Baum sei. Dabei sang doch schon Alexandra davon, dass ihr Freund, der Baum, tot sei.

Oder hat die Kampagne eigentlich einen vernachlässigten ironischen Unterton? Ist "Du bist Deutschland" vielleicht das süffisante Lächeln derjenigen, die auf die trockenen Zweige des Freundes aus Kindertagen schauen? Sollen uns vielleicht "Du bist Beate Uhse"-Slogans sagen, dass wir demnächst für 1 Euro ja mal ins Sexgewerbe einsteigen können und es vielleicht bis in den Versandhandel schaffen? Dass wir vielleicht kein Geld mehr haben, um unsere Hörprobleme behandeln zu lassen, aber Beethoven ja immerhin auch taub war? Dass wir zänkisch sind und eigentlich recht männerfeindlich, aber vielleicht deshalb irgendwann auch mal Verona Pooth im Fernsehen angreifen können? Will ich wirklich Tim Mälzer sein oder Franz Beckenbauer?

Man sollte schon wiussen, wo man klaut: NSDAP-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen um 1935

Aber mal abgesehen davon – es geht ja um wichtigere Dinge. Um ein lautes fröhliches "Ja, ich bin Deutschland, ich schaue positiv in die Welt", um die grundsätzliche Bereitschaft, aktiv und vor allen Dingen glücklich zu sein. Aber stattdessen erntet die Kampagne nur Hohn und Spott. Und manche schrecken nicht einmal davor zurück, das geistige Eigentum der Kampagne zu klauen. Und das zeigt mal wieder, dass der Aufruf, mit anzupacken, wohl ungehört verhallt. Dabei hat man sich ja soviel Mühe gegeben, einen passenden Slogan zu finden. Und in diesem Fall sogar mal auf altbewährtes geistiges Eigentum zurückgegriffen. Schließlich wurde schon früher mit dem Slogan geworben – und viele packten mit an.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21419/1.html
Kommentare lesen (257 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Des Führers Arzt trifft des Satans nackte Sklavin

Subversive Arztfilme der 1950er - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS