"Schluss mit Bild"

25.11.2005

Wie Bild noch einmal über seine Gegner siegt

Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch die Innenstädte geht, könnte im ersten Augenblick denken, die Anti-Springer-Kampagne wäre plötzlich wieder zu neuem Leben erwacht. Lest keine Bildzeitung, heißt es da in großen Buchstaben auf Webetafeln oder "Bild muss weg".

Schnell erkennt man, dass hier keine neue Anti-Bild-Kampagne begonnen hat. Selbst die Ausrede, hier habe ein alter Alt-68er die Seiten gewechselt und diene jetzt die alten Sprüche dem Hause Springer an, zieht nicht. Nein, hier handelt es sich nur um die neuesten Ideen der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, die schon seit Jahren für Bild arbeitet und für so geistreiche Wortspiele wie "Bum-Bum-Boris" über ein ehemaliges deutsches Tennisidol verantwortlich zeichnet. Zuletzt fiel die Werbeagentur mit der Kampagne "Du bist Deutschland" auf (Auch er war leider schon mal Deutschland...).

Es sei darum gegangen, eine Werbekampagne zu entwickeln, die nicht in 30 Sekunden vergessen wird, begründete Oliver Voss von der Werbeagentur Jung von Matt die Anleihe aus der Mottenkiste der Bild-Gegner und spricht von einem "doppelten Aufmerksamkeits-Effekt", weil man – wohl im Gegensatz zu den normalen Bild-Inhalten, zweimal hinschauen müsse, um zu verstehen. Vor allem die Bild-Gegner werden die Plakate so schnell nicht vergessen. Schließlich nimmt Bild mit der Plakat-Serie noch einmal Rache an seinen schon lange besiegten Gegnern. Schließlich gilt es als hoffnungslos altmodisch, heute noch gegen Bild zu wettern.

Wer, außer vielleicht dem notorischen Günther Wallraff outet sich denn heute in der Öffentlichkeit noch als bekennender Bild-Gegner? In den vergangenen Jahren haben sich dagegen nicht wenige gestandene Linke als bekennender Bildleser bekannt. Die Zahl der Politiker, die der Bildzeitung ein Interview verweigern, dürften an einer Hand abzuzählen sein. Bild-Kolumnen wie die Post von Wagner genießen mancherorts Kultstatus und bieten auch immer wieder Stoff auch für das liberale Feuilleton, wo die Bildzeitung noch vor einem Jahrzehnt nicht mal als Toilettenpapier durchgegangen wäre.

Aber hat sich Bild wirklich so stark verändert, wie häufig behauptet wird? Die aktuelle Werbekampagne zumindest lässt daran gehörig zweifeln. Schließlich bezeichnete man im Hause Springer auch schon vor mehr als 30 Jahren Kritiker als Gammler, Radikalinskis oder Drogenabhängige. Zum Dopingsportler oder Sozialschmarotzer ist es also nur ein kleiner Schritt. Nur wird das, was damals Anlass für Proteste und Empörung geboten hatte, heute als besonders frecher und schräger Werbegag gefeiert.

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Spaß ja - aber bitte nicht auf Kosten von „Bild“

Horst Müller 01.11.2005

Der Springer Verlag geht gerichtlich gegen einen Werbspot der „taz“ vor und lacht herzhaft über eigene „Folter-Witze“

Wenn die „Bild-Zeitung“ dumme oder gar schreckliche Witze auf Kosten anderer macht, ist das in Ordnung - zumindest für die Springer-Anwälte. Wenn andere es wagen, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung zu veralbern, wird dagegen die juristische Keule mit aller Macht geschwungen. Nach Informationen des Fachblatts „werben und verkaufen“ hat jetzt die Axel Springer AG beim Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung (EV) gegen die Ausstrahlung eines ziemlich witzigen Kinospots der „taz“ erlangt.

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