Iss nicht Batman

Ebola reist in Fledermäusen

Seit Jahren bricht das Ebola-Fieber immer wieder plötzlich in Afrika aus und die Wissenschaftler rätseln, welches Wildtier als Reservoir für das Virus dient. Verdächtigt wurden kleine Nagetiere, Fledermäuse, Insekten und Vögel. Viele Tiere wurden eingesammelt und untersucht, denn wenn das Wirtstier bekannt wäre, könnten gezielte Gegenmaßnahmen zum Schutz der Menschen ergriffen werden. Jetzt veröffentlicht ein internationales Wissenschaftlerteam seine Untersuchungsergebnisse und beweist, dass Fledermäuse als Reservoirwirt den Ebola-Erreger verbreiten können. Sie infizieren sich, entwickeln aber keine Symptome.

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Ebola ist ein hämorrhagisches Fieber. Die schwere Infektionskrankheit hat ihren sehr üblen Ruf völlig zu Recht. Bei Erkrankten treten zuerst ähnliche Symptome wie bei einem grippalen Infekt auf, aber dann kommt es zu inneren Blutungen und in den meisten Fällen stirbt der Patient. Bislang infizierten sich in verschiedenen afrikanischen Ländern ungefähr 1900 Menschen, 1200 davon überlebten die Krankheit nicht. Das Fieber tauchte immer wieder plötzlich auf, erst kürzlich gelang es Wissenschaftlern zu beweisen, dass die Ebola-Infektionswelle, die seit den 70er Jahren den afrikanischen Kontinent heimsucht, sich schrittartig, stetig und mit gleich bleibender Geschwindigkeit ausbreitete (Neue Hoffnung für Menschen und Affen).

Hypsignathus monstrosus, auf Deutsch Hammerkopf genannt, ist der größte Flughund Afrikas (Bild: Uni-Ulm)

Wie beim eng verwandten Marburg-Fieber ist der Erreger von Ebola ein fadenförmiger, so genannter Filovirus. Wer sich mit Ebola ansteckt, leidet unter Fieber, Schüttelfrost, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Magenkrämpfen, Kopf-, Hals- und Brustschmerzen, dann kommt es zu äußeren und inneren Blutungen. Je nach Virustyp sterben 50-90 Prozent der Patienten einen grausamen Tod. Medikamente gegen Ebola gibt es nicht, die Ärzte können nur die Symptome lindern.

Von Mensch zu Mensch wird das extrem ansteckende und tödliche Fieber durch Körperflüssigkeiten übertragen. Menschen und Affen erkranken und sterben, aber der eigentliche natürliche Wirt, der immer wieder für Ausbrüche in verschiedenen Teilen Afrikas sorgt, blieb bisher unerkannt.

Es kann davon ausgegangen werden, dass der Verzehr von Affenfleisch bei einzelnen Ebola- Ausbrüchen eine Rolle spielte und dass sich Antilopen (Die Tiere sterben zuerst, dann stirbt der Mensch) und Hunde (Ebolavirus geht auf Hunde über) ebenfalls infizieren.

Infektiöse Fledertiere

Fledermäuse stehen schon länger unter Verdacht, die Erreger von Ebola- und Marburg-Fieber zu beherbergen (Der blutige Tod und die Angst vor den Ärzten). Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Seit ungefähr 60 Millionen Jahren flattern diese Tiere durch die Nacht. In der zoologischen Systematik handelt es sich um Fledertiere (Chiroptera), deren Unterordnungen die in den Tropen vorkommenden Flughunde (Megachiroptera) und die Fledermäuse (Microchiroptera) sind. Umgangssprachlich werden meist alle schlicht als Fledermäuse bezeichnet.

Schon länger ist bekannt, dass die Flattertiere die Tollwut übertragen (Fledermaustollwut in Europa), vor kurzem wurde entdeckt, dass sie zudem Träger des Koronavirus sind, das die Lungenkrankheit SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) verursacht (The Missing SARS Reservoir).

Jetzt veröffentlichen Eric M. Leroy vom Centre International de Recherches Médicales de Franceville in Gabun und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature ihren Bericht über eine breit angelegte Untersuchung von Kleintieren, die in Ebola-Ausbruchsgebieten in Gabun und im Kongo gefangen wurden (Wild Animal Mortality Monitoring and Human Ebola Outbreaks, Gabon and Republic of Congo, 2001–2003).

Der Franquet-Epauletten-Flughund (Epomops franqueti)

Bei drei Exkursionen sammelten die Forscher in der Nähe von an Ebola verendeten Schimpansen- und Gorillakadavern mehr als 1.000 Kleintiere ein, um sie genau zu untersuchen. Darunter waren Vögel und kleine Nagetiere sowie fast 700 Fledertiere. Bei drei Arten von Flughunden, die sich hauptsächlich von Früchten ernähren, fanden sich Immunoglobine, spezifische Eiweißstoffe, die vom Körper als Immunreaktion auf das Ebola-Virus gebildet werden sowie Spuren des Erbgutes des Erregers.

Offensichtlich waren die Hammerkopfflughunde (Hypsignathus monstrosus), Franquet-Epauletten-Flughunde (Epomops franqueti) und Kragenflughunde (Myonycteris torquata) mit dem Virus in Berührung gekommen, ohne Krankheitssymptome zu entwickeln. Jede der drei Arten ist über ein großes Gebiet Afrikas verbreitet – und in allen Regionen zu Hause, in denen es Ebola-Ausbrüche unter Menschen gab.

Das bestärkt die These, dass Fledertiere tatsächlich Reservoirwirte des Ebola-Virus sind. Das schließt nicht aus, dass auch andere Tierarten diese Funktion haben, bedeutet aber, dass es sinnvoll ist, die Flughunde künftig verstärkt im Auge zu behalten. Vor allem sollte die Bevölkerung in den potenziell gefährdeten Gebieten über das Risiko jeden Kontakts mit den Fledermäusen informiert werden. Traditionell werden die Flughunde in Afrika gejagt und verspeist.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21473/1.html
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