Schule als Hochsicherheitszone
US-Justizministerium sucht nach technischen Mitteln, um eine Massenüberwachung in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen
Unlängst haben wir schon einmal über die Wünsche der Überwacher beim National Institute of Justice (NIJ), der Abteilung des US-Justizministerium für Forschung, Entwicklung und Bewertung technischer Mittel, geschrieben. Damals ging es darum, den Strafverfolgern möglichst viele Mittel zur Erkennung und Verfolgung von Verdächtigen in die Hand zu geben. Kernstück der Wünsche war die Möglichkeit, möglichst detailliert und aus der Ferne durch Mauern sehen oder versteckte Waffen entdecken zu können (Die Wünsche der Überwacher).
Die andere Seite der Verfolgung von Verdächtigen und Straftätern ist der Schutz von Menschen und Institutionen, der diese selbst in eine Art panoptisches Gefängnis verwandelt. Nachdem tschetschenische Terroristen die Schule von Besla überfallen hatten und die "Befreiung" den Tod von Hunderten von Geiseln, meist Kinder, zur Folge hatte, besteht auch Angst, dass ähnliches in den USA geschehen könnte, auch wenn die Möglichkeit höchst gering sein dürfte (Terrorwarnung an US-Schulen).
Allerdings wurden Schulen immer wieder Schauplatz von Schießereien und Amokläufen, öffentliche Schulen leiden unter der Gewalt, die Schüler nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber Lehrern ausüben. Zwar haben die Schulen Sicherheitspersonal und oft auch Metalldetektoren zum Aufspüren von Waffen, aber das gewährleistet keinen wirklichen Schutz. In manchen Schulen wurden bereits wie in den 11 öffentlichen Schulen der Stadt Biloxi, Mississippi, 800 WebCams als Überwachungskameras angebracht, um nicht nur Gänge und Hallen, sondern auch die Klassenzimmer unter Dauerbeobachtung zu stellen. Neben der steigenden Sicherheit oder der Identifizierung von Missetätern habe die Rundum-Überwachung, so der Direktor der Schulen, den erfreulichen Nebeneffekt, dass die Schüler diszplinierter geworden seien. Die Lehrer würden sich sicherer fühlen, die Leistungen seien besser geworden.
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Einen anderen Schritt hat man etwa bei der private Enterprise Charter School in Buffalo gemacht. Hier werden RFID-Chips verwendet, um Lehrer, Schüler und bestimmte Gegenstände zu überwachen. Mit den Chips wurden mithin nicht nur Gegenstände wie Bibliotheksbücher oder Laptops ausgestattet, sondern auch alle Schulangestellten und Schüler. Die müssen sowieso schon eine Plastikkarte um ihren Hals mit Foto, Name und Klasse umgehängt haben, auf der sich nun auch noch der RFID-Chip befindet. Es ist dasselbe Modell, den auch das Pima County Gefängnis in Arizona für die 1.600 Gefangenen benutzt. Auch US-Soldaten haben diese Chips von Texas Instruments, ebenso wie Besucher des Themenparks Magic Waters in Illinois. So nähern sich Schüler, Lehrer, Soldaten, Touristen und Strafgefangene im technischen Panoptikum an
Wenn Schüler und Lehrer zur Schule kommen, müssen sie sich schon am Eingang über den RFID-Chip identifizieren. Damit die Chips abgelesen werden können, müssen die Betroffenen jetzt noch einen Touchscreen-Computer am Eingang bedienen. Wenn der Chip abgelesen wird, erscheint auf dem Bildschirm ein Foto des Schülers, der dann den Eintritt in die Schule noch bestätigen muss. Die Chips der Mitarbeiter gewähren zudem den Zutritt zu verschlossenen Räumen.
In Houston, Texas, trägt bereits ein Teil der 28.000 Grundschüler RFID-Chips. Ihr jeweiliger Aufenthalt lässt sich auf dem Bildschirm mit einer Karte der Schule verfolgen. Zusätzlich wurden hier bereits 750 Kameras in den Schulen installiert, es sollen noch 300 weitere dazu kommen, um die Schulen des Distrikts zu Hochsicherheitsorten zu machen. Die Erfassung beginnt bereits mit dem Besteigen des mit einem GPS-System ausgestatteten Busses. Hier werden die Chips ausgelesen und die Daten an die Polizeistation gesendet, von der aus sich in Echtzeit die 210 Busse und 16.000 Schüler und Kinder der Kindergärten verfolgen lassen.
Allerdings sind das nur die Anfänge der Massenüberwachungstechniken, die dafür sorgen sollen, dass jeder einzelne Schritt von vielen Menschen beobachtet werden kann, was allerdings mit der Ausbreitung von Handys prinzipiell schon möglich ist. Zum Schutz von Schulen will man nun aber Justizministerium noch bessere Überwachungstechniken zur Verfügung haben und hatte deswegen bis Ende November 2005 eine Ausschreibung für Konzepte von "Schulsicherheitstechnologien" gemacht.
Lückenlose Überwachung
Gewünscht werden beispielsweise Konzepte für nicht-invasive, möglichst automatische, leicht zu bediendende und kostengünstige "integrierte Sicherheitssysteme" für Schulen, Colleges oder Universitäten, um Menschen und Gegenstände zu schützen, d.h. lückenlos auf dem Gelände zu überwachen. Bestehen soll das System aus zahlreichen Sensoren, die unter anderem auch Waffen und Drogen erkennen können. Neben einem Alarmsystem für Lehrer in Nöten sollen vor allem alle Personen, die sich auf Gelände befinden, identifiziert, lokalisiert und verfolgt werden. Erwünscht wäre, wenn vor allem Personen, die sich "nicht-kooperativ" zeigen, trotzdem identifiziert und verfolgt werden können. Das würde heißen, dass persönliche oder biometrische Daten heimlich erfasst werden sollten
Solche Systeme ließen sich natürlich ebenso leicht für andere Zwecke verwenden wie die ebenfalls gewünschten Sicherheitssysteme für Schulbusse. Hier sollen alle Busse auf ihren Wegen verfolgt werden können. Neben einer Fernüberwachung des Fahrzeuginneren soll jeder Schüler, der einen Bus benutzt, identifiziert, lokalisiert und erfasst werden, wann und wo er zugestiegen bzw. ausgestiegen ist.
Gefragt war auch nach Konzepten und Ideen für harmlose Waffen (Low-Level Force Technologies). Offenbar sind die vorhandenen "nichttödlichen Waffen" wie Schlagstöcke, Pfefferspray oder Taser-Elektroschockwaffen gesellschaftlich nicht ohne weiteres für den Alltag an Schulen einsetzbar. Man will zwar "effizientere", aber "gesellschaftlich eher akzeptierte" Waffen als die bislang vorhandenen. Sie sollen natürlich ihre Wirkung ausüben und gleichzeitig sicher sein sowie keine bleibenden Schäden bei "Kindern, Senioren oder Kranken" verursachen. Ganz wichtig ist, dass ihre Einsatz nicht die Kritik der "Öffentlichkeit, der Medien oder der Regierung" hervorruft.
http://www.heise.de/tp/artikel/21/21546/1.html- na da ist es doch... (4.1.2006 12:01)
- Was meckert Ihr hier so rum... (3.1.2006 11:39)
- US-Polizisten u.ä, verarschen ... (1.1.2006 19:50)
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