Randale an den Stränden
Australien: Wie rassistisch sind Surfer?
Am Cronulla-Strand in Sydney gingen die Auseinandersetzungen am Sonntag los: Australiens "schlimmster Ausbruch" an ethnisch motivierter Gewalt, so die New York Times gestern: Tausende von betrunkenen weißen Jugendlichen sollen Menschen, "von denen sie annahmen, dass sie arabischer Herkunft sind", mit Baseball- und Golfschlägern, Äxten und Fäusten attackiert haben. Racheakte folgten, die Krawalle dehnten sich auf andere Orte aus. Mittlerweile hat die Polizei alles wieder im Griff, heißt es, jetzt sind es die Debatten, die heiß laufen.
Man sieht, was man zu kennen glaubt. Es dauerte nicht lange, bis Parallelen zu den Unruhen in französischen Vorstädten hergestellt wurden. Auch Juan Cole, der "informierte Kommentator" zur amerikanischen Politik im Irak, rückte die "Riots" in einen bekannten größeren Zusammenhang: Das Ziel der Schläger waren Muslime, das Muslim-Bashing demnach eine mittelbare Folge des von den USA lancierten "War on Terror", den die australische Regierung kräftig unterstützt. Der AP-Bericht der New York Times legt eine ähnliche Lesart nahe: Die Spannungen zwischen weißen Australiern und solchen, die arabischer Herkunft sind, sollen seit dem 11.September 2001 merklich gestiegen sein, Grund: "Anti-Muslim sentiment", dem seither neuer Treibstoff zugeführt wurde.
Australien ist von dem Gewaltausbruch geschockt, Leserbriefe an australische Zeitungen zeugen von der Angst dunkelhäutiger Bewohner, das Haus zu verlassen. Die gewalttätigen Jugendlichen scheinen nach Zeitungsberichten willkürlich jeden anzugreifen, der in ihr Feind-Raster passt, und schrecken nicht davor zurück Molotov-Cocktails in "guerilla-type tactics" einzusetzen, die Organisation des nächsten Rachefeldzugs wird via SMS an Mitstreiter geschickt.
Der Rassismus erhebt sein brutales Haupt in einem Land, das bislang für seine Toleranz gegenüber Einwanderern (nicht aber gegenüber seinen Ureinwohnern) und seine Multikulturalität gerühmt wurde: "Die Muslime sind integriert...Sydney ist nicht Paris. Es gibt keine Heerscharen frustrierter 'arabischer' Jugendlicher, die aus Langeweile, Arbeits- und Aussichtslosigkeit gewalttätig werden.", wusste die taz noch vor einem Monat, als Verdächtige fest genommen wurden, die einen Anschlag auf das einzige Atomkraftwerk des Landes geplant haben sollen.
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Australiens Premier Howard wiegelt ab: Rassismus sei nicht das Thema; von solchen "Zwischenfällen, die ein paar Tage lang andauern und in jedem Land passieren können", will er sich den international guten Ruf seines Landes nicht verderben lassen. Obschon ihm manche darin recht geben, dass die Ausschreitungen vor allem mit Verstärkung der Polizeikräfte und Gerichtsverfahren zu regeln seien, widersprechen andere vehement:
Von Alkohol befeuerte Gewalt von Mobs ist nichts vollkommen Neues in unserem Land, aber die Raserei von Hass in Sydney ist in seinem Ausmaß selten...Der "Out and Proud"-Rassismus, der das Ereignis offensichtlich hoch gekocht hat, macht es nur noch verstörender...Ich kann mir nicht helfen, aber diese Sachen können nur dann passieren, wenn Leute denken, dass es OK ist, sich offen als Rassist zu erkennen zu geben.
Die Diskussion über falsche Toleranz und Multi-Kulti-Kultur nimmt nun auch in Australien seinen Lauf, mit Argumenten, die irgendwie bekannt klingen:
Diejenigen, die behaupten, dass sie Außenseiter in der australischen Gesellschaft sind, müssen sich fragen, ob ihre Isolation nicht selbst auferlegt ist, ob sie in selbst gemachten Ghettos leben und überhaupt Versuche unternommen haben, die Kultur eines Landes zu akzeptieren, das sie sich ausgesucht haben, um dort zu leben.
Tatsächlich findet sich hier eine Ähnlichkeit zu den französischen Unruhen: In der weltweiten Berichterstattung wurden die Ereignisse in den Banlieues - unter Auslassung wichtiger Details - immer wieder als Konfrontation zwischen Muslimen und der angestammten Bevölkerung rubriziert. Die Ausschreitungen an Sydneys "classy Surferbeach" Cronulla hatten mehrere Ursachen, eine davon sind ortsübliche Gang-Rivalitäten, viele der beteiligten Libanesen, "Arabs", sind Christen. Dem Verlauf mancher Diskussion dürften solche Einzelheiten aber nichts anhaben.
http://www.heise.de/tp/artikel/21/21570/1.html- Namen im 18. Jhd. (17.12.2005 10:40)
- RE (17.12.2005 2:04)
- Antwort (16.12.2005 23:28)
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