Dürre am Amazonas

Das größte Regenwaldgebiet der Welt leidet unter heftiger Trockenheit

Das Amazonsbecken ist eine von Urwald bedeckte Tiefebene im Norden von Südamerika. Der Regenwald wird von einem Äderwerk aus Flüssen und Seen durchzogen, in dem sich ein Fünftel des Süßwassers der Erde befindet. Das Gebiet ist die Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, von denen wahrscheinlich immer noch nicht alle beschrieben sind. Für Umweltschützer ist das Gebiet der verschlungenen Flussläufe am Amazonas geradezu der Inbegriff des gefährdeten Regenwalds. In diesem Jahr leidet die Region unter einer katastrophalen Dürre.

Ausgetrocknete Flussbette prägen das aktuelle Bild der Region am Amazonas, Die Schiffe liegen auf dem Trockenen, Foto: Ana Claudia Jatahy/Greenpeace

Eigentlich ist der üppige Regenwald ein Paradies. Im Amazonasbecken lebt nach Informationen von Greenpeace die Hälfte aller bekannten Arten auf der Erde: 353 Säugetierarten, 3.000 Fisch-, 1.000 Vogel-, und 60.000 Pflanzen- und schätzungsweise 10 Millionen Insektenarten. In den verschlungenen Flussläufen sind neben 2.000 Fischarten auch seltene Tiere wie der scheue Amazonas-Delfin und der bis zu zwei Meter große Riesenotter daheim. Und unter den von Lianen überwucherten und bis zu tausend Jahre alten Baumriesen liegt das letzte Rückzugsgebiet des Jaguars.

Um diese Schatzkammer der Artenvielfalt und den Lebensraum von Ureinwohnern wie den Yanomami vor der Zerstörung durch die Holzkonzerne , die Agrarindustrie, die Minengesellschaften oder Öl- und Gasförderungsprojekte (vgl. Stars gegen Pipeline zu schützen, engagieren sich viele verschiedene Organisationen und Gruppen weltweit.

Trotz aller Bemühungen geht die Vernichtung der Regenwälder im Amazonas-Gebiet weiter (vgl. Naturraubbau am Amazonas), nach neuesten offiziellen Zahlen allerdings etwas gebremst. An den von der brasilianischen Regierung vorgestellten Zahlen, haben Forscher allerdings einige Zweifel.

In diesem Jahr kam die große Dürre dazu – eine so katastrophale Trockenheit, wie sie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie da war. Dort, wo sonst breite Ströme träge durch den Regenwald fließen, stehen nur noch schlammige Rinnsale zwischen aufgesprungener, vertrockneter Erde. Boote liegen weit entfernt vom Wasser in der Landschaft, Fischkadaver säumen die letzten Wasserlöcher und an fast völlig ausgetrockneten Seen suchen Tiere verzweifelt eine Tränke.

Ein Pferd auf der Suche nach Wasser im ausgedörrten Curuai-See westlich von Santarem im Bundesstaat Pará. Foto: Daniel Beltra/Greenpeace

Das Katastrophengebiet ist riesig, es reicht von Teilen Perus über den gesamten Bundesstaat Amazonas und schließt die Städte am Solimoes und an den südlichen Nebenflüssen des Amazonas mit ein. Viele Ortschaften, die nur über die Wasserwege zu erreichen sind, wurden komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die brasilianische Regierung startete eine gigantische Hilfsaktion – die größte, die sie nach eigenen Angaben jemals durchgeführt hat. In den letzten drei Monaten wurden allein im Bundessaat Amazonas 2.000 Tonnen Lebensmittel, 30 Tonnen Medikamente und jede Menge sauberes Wasser mit Flugzeugen und Helikoptern zu den Not Leidenden gebracht.

Nie zuvor war der Wasserstand in weiten Teilen des Amazonasbeckens so tief gefallen. Ein Hauptteil des Fischbestands hat die Dürre nicht überlebt, es wird Jahre dauern, bevor sich der Bestand speziell in den Seen wieder erholt haben wird. Mehr Waldbrände denn je wüteten und wann sich das Leben der Menschen in den Siedlungen an den Flüssen wieder normalisiert werden hat, kann noch keiner vorhersagen. Die Ernten sind weitgehend vertrocknet, der Handel und der Fischfang kamen zum Erliegen. Zudem sind die Leute täglich zum Trinken, Kochen und Waschen auf das Wasser angewiesen, das normalerweise in üppigen Mengen direkt an ihnen vorbei fließt. Die Malarieerkrankungen stiegen in den betroffenen Gebieten stark an.

Viel wird über die Ursachen diskutiert. Es war nicht die erste Trockenperiode in den letzten Jahren, aber mit Abstand die heftigste. Die Experten sind sich sicher, dass die globale Klimaerwärmung, die überall zu heftigen Wetterereignissen führt, eine der Ursachen darstellt (vgl. Mehr Trockenheit und Überschwemmungen in Europa und Sturmfluten, Hurrikane und Monsterwellen). Die USA haben gerade eine extrem heftige Wirbelsturmsaison hinter sich gebracht (vgl. Immer heftigere Wirbelstürme türmen Riesenwellen auf) und die Mechanismen der Verdunstung von Meerwasser, die zur Entstehung eines Hurrikans wie Kartrina führen (vgl. Wolf!), beeinflussen auch das Wetter am Amazonas.

Gegenüber der New York Times erklärte die Klimaspezialistin Luiz Gylvan Meira Filho von der Universität Sao Paulo das Phänomen:

Ein erwärmter Atlantik versorgt nicht nur die Hurrikans mit mehr Energie, er verstärkt insgesamt die Verdunstung von Wasser. Und die Luft, die dabei über dem Ozean in einer Region aufsteigt, kommt im Zweifelsfall tausende von Meilen entfernt irgendwo anders wieder runter. In diesem Fall fand das im westlichen Amazonasgebiet statt, dort wurde die Bildung von Wolken blockiert, die es im Oberlauf der Flüsse, die dem Amazonas das Wasser zuführen, hätten regnen lassen.

Andere Experten wie Marcelo Croce vom Amazonas-Umweltinstitut IPAM sehen direkte lokale Ursachen in der Abholzung des Regenwaldes. Gegenüber der ARD wies er darauf hin, dass sich der Wasserstand des Amazonas dramatisch verringert habe, obwohl die Menge des tatsächlich gefallenen Regens kaum variiert hätte:

Die Prognosen gehen davon aus, dass die Austrocknung immer schneller verlaufen wird, wegen der Abholzung und der Bewirtschaftung des Uferbeckens. Ich glaube, dass die Leute endlich die Augen öffnen müssen. Wir werden diese Situation immer häufiger erleben. Früher gab es solche Trockenzeiten alle sechs oder sieben Jahre. Jetzt stellen wir fest, dass es in den letzten zehn Jahren schon drei große Trockenzeiten gab.

Die Umweltschützer von Greenpeace sind ebenfalls überzeugt, dass ein Teufelskreis aus Kahlschlag und Klimawandel die Dürrekatastrophe im Amazonasbecken verursacht hat. Denn wo kein Wald mehr steht, verdunstet automatisch wesentlich weniger Wasser, das später als Regen fallen könnte.

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