Blick zurück
Die Highlights von 2006
4. Januar 2006 Der 15 Jahre alte Lawrence "Ugha Ugha" Livermore verklagt die RIAA wegen Verletzung seines geistigen Eigentums auf eine Million Dollar Schadenersatz. Der amerikanische Hauptschüler hatte für seine Freunde eine kurze Komposition nicht-gegenständlicher Musik aufgenommen, die vorwiegend aus Furzgeräuschen, Hundegebell und dem Gesang zweier Zahnarztbohrer zusammengesetzt war. Aus ungeklärten Gründen landeten Teile dieses Werks unter dem Pseudonym "Britney Spears" als "Oops, I did it again" auf dem Dateifreigabenetzwerk BitTorrent. Wie sich herausstellte, stand hinter dieser Veröffentlichung die Recording Industry Association of America, die in einer Pressekonferenz erklärte, Musiktauschbörsen "in großem Maßstab mit Müll zu verseuchen, um Copyright-Verbrechern die Freude an ihren kriminellen Machenschaften zu nehmen." Peinlich ist nur, dass sich die Interessensvertretung in ihrem Anliegen selbst am Copyright anderer vergreift, statt selbst kreativ zu werden. Livermores Anwälte bezeichnen die Tat des IP-Marders als "geschmacklos", "kriminell", "unprofessionell" und "in höchstem Grade verwerflich".
27. März 2006 Die "Iranian Oil Bourse", der neue Ölumschlagplatz der iranischen Regierung, geht in Betrieb und stellt Rechnungen in Petro-Euro statt Petro-Dollar aus. In laufend gezeigten Werbeeinschaltungen bezeugen begeisterte Kunden wie China und Venezuela ihre Zufriedenheit mit dem neuen Service: "Echt super! Endlich ohne Dollarstress einkaufen!" bzw. "Amerika und Dollars sind mega-out!" In Folge werden die Dollarreserven zahlreicher Erdöl importierender Länder überflüssig und daher abgestoßen. Am 2. April melden die USA Staatsbankrott an und reißen den Globus in eine Weltwirtschaftskrise. Bush bezeichnet die neue Ölbörse wörtlich als "Massenvernichtungsmittel" und "Angriff auf Amerika" und schlägt mit Atomraketen zurück. Der dritte Weltkrieg bricht aus, der nukleare Winter versaut der Tourismusindustrie die Saison.
8. Mai 2006 Das Eidgenössische Patentamt in Zürich reklamiert den Nobelpreis für Physik von 1921, genauer gesagt, Einsteins Arbeit über den photoelektrischen Effekt. Die Argumentation lautet, Einstein habe als Angestellter des Patentamts während der bezahlten Arbeitszeit über diese Erscheinung und mögliche Erklärungen nachgedacht, wie neu gefundene Tagebücher belegten. Die Affäre zog ihre Kreise bis in das schwedische Königshaus. In einer offiziellen Note ließ Karl Gustav XVI, Herrscher aller Schweden, Sebastienne Pfingstl, Personalchef des Eidgenössischen Patentamts, wissen: "Übergschnappt? Was liegt, das pickt!"
1. September 2006 Die deutsche Bundesregierung kombiniert den sozialen Wohnbau mit der "Stütze" und konzentriert Sozialhilfeempfänger in speziell umzäunten "bundessozial geschützten Werkstätten", wo bisher Arbeitslose bis zu sechzehn Stunden am Tag Call-Center bemannen, Kartoffeln schälen oder Fußmatten flechten dürfen. Die neue Errungenschaft wird nicht überall gleichermaßen positiv aufgenommen. Die UUCSW, die Union minderjähriger chinesischer Zwangsarbeiter, sieht dadurch die Erwerbsmöglichkeiten für Entwicklungsländer gefährdet und bezeichnet das deutsche Modell als "krankhaft effektiv" und "unfair".
11. September 2006 Der slovenische Superhacker Phat Pimpin Seven-O veröffentlicht einen sogenannten "Mod" für die XBox 360, die die Spielkonsole ohne weitere Software in einen vollwertigen Windows-PC verwandelt. Das Betriebssystem Windows wird direkt von der Tauschbörse eMule gebootet. Steve Ballmer, CEO des XBox-Herstellers Microsoft (NASDAQ:MSFT), reagiert auf die Nachricht durch Verlieren seines Verstandes und minutenlanges Herumgehopse auf der Bühne und Absingen des Volkslieds "Ich bin die junge Witwe des alten Ballaballa", bevor er unter ärztliche Aufsicht gestellt werden kann. Wie nach öffentlichen Tanzeinlagen von Steve Ballmer üblich, sinkt der Aktienkurs von Microsoft fast augenblicklich um 10 1/2 Punkte. Bill Gates, technischer Direktor desselben XBox-Herstellers Microsoft, nimmt die Sache gelassener und setzt auf Phat Pimpin Seven-O ein Kopfgeld von einer Million Dollar aus. "Tot oder lebendig" heißt es auf www.microsoft.com.
2. November 2006 In einem Referendum erklärt das amerikanische Volk mit 98.9-prozentiger Mehrheit Präsident George W. Bush zum Diktator auf Lebenszeit und die USA zum ersten protestantischen Gottesstaat. Gleichzeitig wird die Heilige Schrift zur unanfechtbaren Grundlage der amerikanischen Verfassung und die Existenz der Zahnfee und des Baby-bringenden Klapperstorchs ("Intelligent Reception") zum religiösen Dogma. Die exklusiven Übertragungsrechte der zwangsläufigen öffentlichen Hinrichtungen ("operation infinite cleansing") erhält der Fernsehsender Fox, den Vertrag für den Wiederaufbau der revoltierenden Bundesstaaten Kalifornien und Minnesota die Firma Halliburton. Zahllose amerikanische Dissidenten, darunter Linguistik-Celeb Noam Chomsky, flüchten auf selbstgebauten Floßen nach Kuba, um dort um politisches Asyl anzusuchen. "Ihr wollt mich wohl verarschen?", fragt Fidel Castro, 78, angesichts der Lawine von neuen Einwanderern, bevor ihm vor Schreck die Zigarre ausgeht.
3. November 2006 Das deutsche Kabelfernsehen schwingt sich zu neuen Nadiren hinunter, und auf VOX bringt man die Weltpremiere der ersten Container-Show mit geistig Behinderten aus einer geschlossenen Anstalt. Zunächst bemerken die meisten Zuseher keinen Unterschied zu herkömmlichen derartigen Sendungen. Erst als sich der Sender die Idee als "Business Process" in den USA patentieren lässt, schaltet sich der Mitbewerber RTL++ ein und klagt im "Namen der Würde der Kreatur" auf Unterlassung, um VOXs Monopol zu entwerten. Nach nur zwei Monaten Prozess gibt es ein Happy End: Man einigt sich auf die gemeinsame Produktion des neuen Formats "Lauf um Deine Niere", sowie Beteiligung am amerikanischen Quotenhit "Gitmo sucht den Superstar".
http://www.heise.de/tp/artikel/21/21687/1.html- Superschnarch.... (4.1.2006 9:57)
- Volxliedgut (2.1.2006 18:47)
- Anti-amerikanischer Blödsinn (2.1.2006 17:10)
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