Schluss mit dem Beziehungsfrust!

Wolf-Dieter Roth 09.01.2006

Ins neue Jahr endlich wieder entspannt als Single starten? Schlussmachen.com macht's möglich

Blumen, Pralinen und Liebeserklärungen online zu bestellen und dem Objekt der Sehnsucht per Mausklick zustellen zu lassen, ist heutzutage gar kein Problem mehr. Doch was, wenn man einige Monate später keine Lust mehr hat auf regelmäßig drei Tage im Bett zwischen Ikea-Regalen in einer knoblauchgeschwängerten Wohnküche, aber zu feige ist, dem kuschligen Grauen selbst ein Ende zu bereiten? Auch dafür ist nun der geeignete Dienst im Netz zu finden.

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Es gibt Leute, die zu feige für eine Beziehung sind. Es gibt auch welche, die zu feige sind, auf anständige Art Schluss zu machen, wenn sie ihren Partner nicht mehr sehen wollen. Der eine zieht dann um, ohne seiner Liebsten Bescheid zu sagen, der andere legte sich einfach eine neue E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer zu. In einigen Ländern soll es sogar reichen, der Frau drei SMS des Inhalts zu schicken, dass man sie nicht mehr sehen will, um eine rechtskräftige Scheidung durchzuführen.

Selbst weniger rabiate Zeitgenossen sind oft nicht sehr stilvoll im Abservieren abgelegter Liebhaber oder wissen gut genug um dessen Temperament und haben keine Lust, durch einen Messerstich fachgerecht und vorzeitig ins Jenseits befördert zu werden. Den besten Freund vorschieben möchte man auch nicht unbedingt, da diesem das Messer im Rücken nur unbedeutend besser bekommen dürfte. Was nun?

Der fünfundzwanzigjährige Florian Aichhorn hatte offensichtlich keine Angst, als Überbringer der schlechten Nachricht geköpft zu werden. Er startete am 1. September 2005 die Seite schlussmachen.com, um bindungsunwilligen Mitmenschen unter die Arme zu greifen – wenn auch nicht selbstlos, sondern gegen Bezahlung. Modern, praktisch, serviceorientiert.

Ganz gelassen schlussmachen lassen.

Für kaputte Autos gibt's die Werkstatt. Für den kaputten Herd den Elektriker und für kaputte Bandscheiben das Krankenhaus. Doch was gibt's für kaputte Beziehungen? Na uns, natürlich!

Wir sind die Spezialisten für Trennungen. Schnell, kompetent, gründlich und für wenig Geld kündigen wir Beziehungen und Freundschaften für Sie. Nur eines müssen Sie in Zukunft noch selber trennen: Ihren Müll.

Und gut durchdacht: insgesamt fünf Dienstleistungspakete hat Aichhorn geschnürt: "Einfach Schluss machen" für Anfänger für knapp 15 Euro, "Lieb Schluss machen" mit Abschiedgeschenk oder auch "Böse Schluss machen" mit weniger nettem Abschiedgeschenk für knapp 25 Euro, und schließlich die "Luxustrennung" mit einem Account bei einer Partnerbörse oder gar den Dauerauftrag für chronische Discogänger oder Hot-Chatter, die in drei Monaten bis zu 10 Trennungen enthält, für knapp 35 Euro.

Unter Journalisten, die ja vor lauter Arbeit sowieso meist keine Zeit für eine richtige Beziehung haben, fand das neue Angebot sofort großes Interesse: Bild am Sonntag berichtete Ende Oktober darüber in der Rubrik "Digital-Leben". Bierernst versteht sich – schließlich war die Idee zu der neuen Website ja auch beim Biertrinken entstanden. Sogar Psychologen befragte Bild. Auch das c’t-Magazin im hessischen Fernsehen ließ sich das Thema als Kurztipp nicht entgehen.

Schlussmach-Abo (Dauerauftrag für 34,95 EUR)

Dieses Paket lohnt sich ab zwei gescheiterten Beziehungen pro Monat. Ihr Partner wird per Telefon vom Beziehungsende Informiert, nur erhält der Partner keinerlei Aufmerksamkeiten in Form von Wein oder Bier. Hier wird nur pur Schluss gemacht, allerdings maximal 10 Mal in 3 Monaten. Dieses Abo ist monatlich buchbar.

Schlussmachen.com behält sich vor, von Schlussmachen-Aufträgen zurück zu treten. Ausserdem beenden wir keine Beziehungen von Verheirateten, Verlobten oder Paaren deren Beziehung länger als 5 Jahre gedauert hat. Desweiteren können wir es nicht verantworten, Beziehungen zu trennen, in denen sich psychisch labile oder gewalttätige Partner befinden. Wie bitten Sie diese Regeln zu berücksichtigen. Bitte füllen Sie das folgende Formular vollständig und wahrheitsgemäß aus, da wir sonst Ihren Auftrag nicht ausführen können!

Zum praktischen Test reicht es bei den Kollegen mangels (abzuservierendem) Partner jedoch nicht, weshalb es ihnen auch verborgen blieb, dass das ganze Angebot glücklicherweise nur ein etwas derberer, aber gut ausgeführter Scherz ist. Schlussmach-Aufträge werden nicht wirklich angenommen, wohl aber Scherz-Gutscheine für die vermeintliche Drecksarbeits-Dienstleistung verkauft. Außerdem gibt es ein Forum und ein mittlerweile mit 90 Seiten Empörung gefülltes Gästebuch.

Da hilft auch der Hinweis "Achtung – Satire" nicht mehr weiter, ebenso wenig wie die immer wieder den Scherzcharakter des Angebots betonenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Florian Aichhorn, der eigentlich in einer Werbeagentur arbeitet, hat deshalb mittlerweile selbst Schluss gemacht und die Seite für über 7.000 Euro auf Ebay vertickt. Ob der Käufer darauf erpicht ist, zukünftig die beworbenen gemeinen Dienstleistungen tatsächlich anzubieten oder nur an alle, die sich im Gästebuch verewigt haben, Werbe-E-Mails zu verschicken, muss sich noch zeigen.

Schlussmachen.com - die wahrscheinlich erste deutsche Trennungsagentur

Artikelbeschreibung:

Schlussmachen.com ist ein Dienstleitungs- und Kommunitaktionsservice. Das Angebot umfasst verschiedene Dienstleistungen und Produkte rund um das Thema "Schluss machen" und "Liebe".

[…]

Die Site läuft im Moment als Satire-Site. Der Service wird daher im Moment nicht ausgeführt. Er kann aber jeder Zeit in Betrieb genommen werden. Trennungsanfragen erreichen uns täglich.

Schlussmachen.com spricht vor allem 18- bis 35-jährige User an. 62% der User sind männlich, 38% weiblich. Allen Usern gemeinsam ist das Interesse am Thema Trennung, Liebe und Beziehung.

Aus dem Ebay-Angebot

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21738/1.html
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