Die Humorlüge

Thomas Pany 29.01.2006

Lustige Frauen sind nicht sexy

Humor ja, aber nur wenn sie über meine Witze lacht, eigene sollte sie nicht machen. Mehr als die Hälfte der befragten Männer gaben in einer Untersuchung an, dass sie nicht mit einer Frau zusammen sein wollten, die sich auf geistreiche Witze versteht. Diese Männer fürchten sich vor solchen Frauen.

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Zu diesem Ergebnis kommen Studien, die vergangene Woche in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift "Evolution and Human Behaviour" veröffentlicht wurden.

Wie man weiß, rangiert Humor immer unter den obersten Charaktereigenschaften, die man sich – angeblich - vom Partner wünscht. Die Wissenschaftler Eric R. Bressler, Rod A. Martin und Sigal Balshine sind dieser Allerweltsweisheit jetzt genauer nachgegangen und haben bei der Befragung von mehreren Hundert Probanten in den Zwanzigern herausgefunden, dass es für Männer, wenn es um Sex geht, vor allem darauf ankommt, dass die Frauen für ihre Witze empfänglich sind ("Humor-Reziptivität"). Für die Frauen kam es dagegen in gleicher Weise darauf an, dass ihre Partner Witze machen können ("Humor-Produktivität") und über Witze von anderen lachen.

Mehr als die Hälfte der befragten Männer gaben an, dass eine Frau mit Witz nicht das sei, wonach sie suchten. Dr. Martin schließt daraus, dass sich Männer als diejenigen begreifen, die fürs Witzemachen in einer Beziehung zuständig sind – "delivering the lines" -, und sich von Frauen, die selbst welche machen, bedroht fühlen. Schon erstaunlich und nicht besonders lustig wie klassisch diese "lines" immer noch verteilt sind.

Witzemacher sind subversiv, haben Macht, Potenz und das Zepter in der Hand. Frauen, die Witze machen sind zudem Feinde der Ernsthaftigkeit und für Männer gibt es offensichtlich nichts Wichtigeres, als ernst genommen zu werden. Außerdem schwebt die lustige Frau in Gefahr, zum Kumpel gemacht zu werden. Sie erntet brüllendes Gelächter, beifälliges Schenkel- und Schulterklopfen, aber die schweigende Zuhörerin am Nebentisch bekommt die begehrlichen Blicke.

Das mag einmal erklären, weshalb so viele deutsche Comediennes immer wieder alleine sind, ihr unstetes Privatleben müsste vor diesem Hintergrund völlig neu gesehen werden. Für nicht-professionelle Witzemacherinnen, die nicht alleine sterben wollen, gilt demnach, dass sie sich am besten in Gesellschaft oder beim Rendezvous jede witzige Bemerkung ersparen. Wer nicht einsam bleiben will, soll möglichst wenig Witze oder gar keinen machen.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21888/1.html
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