Wir sehen alles

Florian Rötzer 04.02.2006

Der Super Bowl in Detroit ist auch wieder Anlass zur Demonstration von Sicherheitstechnologien, beispielsweise werden aus Bildern von Überwachungskameras Hologramme erzeugt

Am Sonntag findet in der ehemaligen Autometropole Detroit mit dem Super Bowl das größte Sportereignis der USA statt. Dafür hat sich die verarmte Stadt mächtig ins Zeug gelegt und neben dem Bau einer neuen Football-Arena manche Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen vorgenommen. Erwartet werden für das Wochenende über 100.000 Besucher, aber es werden auch Tausende von Polizisten und Sicherheitskräfte von vielen Behörden da sein, die alles kontrollieren. Und natürlich werden auch wieder einmal neue Überwachungstechniken ausprobiert.

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Das Heimatschutzministerium hat die Veranstaltung allerdings nicht als "National Special Security Event" eingestuft. Aber auch für das "Level 1 Security Event" sind die Sicherheitsvorkehrungen beeindruckend – konkrete Gefahren gibt es freilich nicht. Der Luftraum über Detroit wurde – mittlerweile schon Standard – weiträumig gesperrt, F-16 Kampfjets sind einsatzbereit, AWACS kreisen um die Stadt.

Da Detroit in der Nähe der Grenze zu Kanada liegt, ist auch das kanadische Militär zu Luft, am Land und zu Wasser tätig. So werden beispielsweise die Nummernschilder der Autofahrer, die von Kanada einreisen, gescannt und überprüft. Die Küstenwache überprüft mit Echolot die Gewässer, die auch von Tauchern abgesucht wurden und werden. Detektoren suchen nach Hinweisen auf nukleare oder "schmutzige" Bomben. Lastwagen und parkende Autos werden mit tragbaren Röntgensystemen durchleuchtet und von sechs Robotern des Army's Tank Automotive Research, Development and Engineering Center (TARDEC) daraufhin untersucht, ob Sprengstoff mitgeführt wird. Im Zentrum, indem nicht geparkt werden darf, wurden alle Briefkästen entfernt. Die Besucher des Stadions werden genau überprüft. 3.000 private, vom Veranstalter NFL bezahlte Sicherheitskräfte überwachen das Zentrum.

Aber als das ist bei solchen Ereignissen mittlerweile schon Alltag, einschließlich der Installation von Hunderten von Überwachungskameras. Die hoch auflösenden Kameras verdichten sich in der Nähe des Stadions. Ella Bully-Cummings, die Polizeichefin von Detroit, verspricht ganz im Sinn von Big Brother: "Wir werden unsere Augen überall haben. Wir werden alles sehen können, das passiert und wenn es passiert."

Passieren wird vermutlich nichts, aber der Unsicherheitsort wird auch von Satelliten überwacht. Die Bilder gehen in die Sicherheitszentrale in Detroit. Beim Super Bowl 2001, also noch vor den Anschlägen vom 11.9., hatte man erstmals einen – missglückten – Massentest mit Gesichtserkennung gemacht. Man verglich die Aufnahmen der 70.000 Besucher der Veranstaltung mit Aufnahmen von gesuchten Kriminellen. Besonders hervorgetreten ist der Super Bowl dann wieder 2004, als die Nation über das Fernsehen Einblick in angeblich schockierende Tatsachen erhielt und Nipplegate das Licht der Fernsehkameras erblickte (Oh shit! Oh fuck!). Die Nation zeigte sich erschüttert.

Erstmals werden im Dienst des Wayne County Department of Homeland Security dieses Jahr aus den Bildern der Überwachungskameras dreidimensionale Hologramme erzeugt. Intrepid Defense & Security Systems hat mit LifeVision3D eine Technik geschaffen, um in Echtzeit aus den Bildern von zwei Kameras 3D-Bilder zu erzeugen, die für den Betrachter vor dem Bildschirm zu schweben scheinen und eine Tiefe suggerieren. Ohne Brille oder andere Instrumente soll er damit einen Eindruck von den räumlichen Dimensionen des Abgefilmten erhalten. Das Unternehmen preist dies als immersive Erfahrung an:

Die Bewegungen scheinen von der Oberfläche des Bildschirms auszugehen und hüllen den Zuschauer ein. Man wird ein Teilnehmer, ist nicht mehr nur ein Beobachter. Bei einer Autobahn beispielsweise kommen die Autos von hinten heran und erscheinen plötzlich im peripheren Blick, bevor sie Sie überholen. Ein Gegenstand, der auf sie zukommt wie beispielsweise ein vom Quarterback der Steelers geworfener Football veranlasst Sie instinktiv dazu, den Ball zu fangen oder sich zum Schutz zu ducken. Das ist so realistisch.

Mit den Hologrammen sollen die Überwacher Einzelheiten wie Schatten, Tiefen oder Winkel sehen können, die bei den herkömmlichen Bildern nicht vorhanden waren. Wo die Kameras sind, deren Bilder mit der Hologramm-Technik ausgewertet werden, ist ein Geheimnis. Angeblich soll man damit, wie Robert Ficano vom Wayne County sagt, besser verdächtige Aktivitäten und Gegenstände entdecken können, die auf der Straße oder unter einem Fahrzeug versteckt wurden.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21938/1.html
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