Morddrohung per Video

Ernst Corinth 05.02.2006

Mohammed-Zeichnungen provozieren Gewaltaufrufe

Auch dieses Video ist wieder grausig schlecht gemacht. Dennoch ist seine Botschaft brisant. In arabischer Sprache wird zum Boykott dänischer Produkte aufgerufen, die dann auch im Bild kurz präsentiert werden. Außerdem fährt die Kamera an leere Regale vorbei, wo offenbar noch vor kurzem Dänisches zu kaufen war. Und am Ende werden die unscharfen Porträts zweier Männer gezeigt, über die dann das Fadenkreuz eines Gewehres schwebt, bis es den tödlichen Punkt im Gesicht der potentiellen Opfer gefunden hat.

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Angeblich handelt es sich dabei um die für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen verantwortlichen Redakteure der Tageszeitung "Jyllands-Posten". Dies behauptet jedenfalls der Betreiber der umstrittenen Seite Ogrish.com, der das Video in einem Islamisten-Forum gefunden haben will und der es nun auf seiner Seite veröffentlicht hat.

Ob es wirklich die Redakteure sind, muss allerdings bezweifelt werden, wenn man die Bilder mit aktuellen Fotos der beiden vergleicht. Dennoch handelt es sich wohl mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um eine Morddrohung gegen die Karikaturisten und ihre Redakteure. Denn schon im vergangenen Dezember wurde bekannt, dass islamistische Gruppen in Pakistan ein Kopfgeld von rund 6.000 Euro auf die Ermordung der Zeichner ausgesetzt haben. Eine Meldung, die damals vom dänischen Botschafter in Pakistan, Bent Wigotski, bestätigt wurde. Und inzwischen fordern auch britische Islamisten – wie schon auf Plakaten während einer Demonstration - auf der Seite alghurabaa ganz offen die Ermordung, der Leute, die aus ihrer Sicht ihren Propheten beleidigt haben.

Unter der Überschrift Kill those who insult the Prophet Muhammad heißt es gegen Ende des Textes: "The insulting of the Messenger Muhammad (saw) is something that the Muslims cannot and will not tolerate and the punishment in Islam for the one who does so is death."

Wer Mohammed beleidigt, der muss sterben. Da gibt es also kein Vertun! Obwohl auf die potentiellen Henker, die ihre Arbeitsweise übrigens gern im Netz bildlich beschreiben, jede Menge Arbeit wartet. Nicht nur weil die zugegeben recht schlechten dänischen Zeichnungen immer öfter abgedruckt werden, sondern weil jetzt ständig neue Porträts und Karikaturen auftauchen. Da wird Mohammed beispielsweise mal als großer Zeh gezeigt, dann mit einem Hakenkreuz-Turban oder sogar als liebevoller Ehemann, der seine Frau mit Blumen überrascht.

Ja, der gute alte Mohammed ist derzeit wirklich in aller Munde und eben auch auf vielen Zeichenblöcken. Ohne Zweifel ein Erfolg der Islamisten! Aber eigentlich war er ja immer schon ein beliebtes Bildmotiv, wie ein Blick in das Mohammed Image Archive beweist.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21965/1.html
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