Gänzlicher Verzicht auf Öl

Thomas Pany 08.02.2006

Schweden will seine Energiewirtschaft vollkommen umstellen

Um vierzig Prozent sind die Ölpreise im letzten Jahr gestiegen. Während dieser Tage Rekordgewinne bei den großen Ölkonzernen gemeldet werden und die westliche Welt voller Beklemmung einmal mehr die leicht entzündlichen Empfindlichkeiten derjenigen erkennen muss, die am Ölhahn sitzen, erstaunt uns ein Königreich im Norden mit einem mutigen und ehrgeizigen Vorhaben: Schweden will sich innerhalb der nächsten 14 Jahre vollkommen vom Öl "entwöhnen" - ohne diesen Verzicht mit einer neuen Generation von Kernkraftwerken zu kompensieren.

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Wie die englische Zeitung "Guardian" heute berichtet, will Schweden bis 2020 von jeder Anhängigkeit vom schwarzen Gold befreit sein.

Es wird immer bessere Alternativen zum Öl geben. Das bedeutet, dass kein Haushalt Öl zum Heizen brauchen und kein Autofahrer nur von Benzin abhängig sein sollte.

Mona Sahlin, Energieministerin

In den nächsten Monaten soll ein Komitee, das unter anderem aus Industriellen, Wissenschaftlern, Autoherstellern und Bauern zusammengesetzt ist, dem schwedischen Parlament ein detaillierteres Konzept für diesen unter führenden Industrienationen beispiellosen Plan vorstellen.

Die Weichen für eine derartig grundlegende Änderung sind in Schweden schon seit längerem gestellt worden. Das Land wurde durch die hohen Ölpreise in den siebziger Jahren, als der Ölpreis in damals unglaubliche Höhen schnellte, besonders schwer getroffen. Seither hat man versucht, sich weniger vom Öl abhängig zu machen: durch den Bau von Kernkraftanlagen und durch Nutzung anderer Energiequellen wie z.B. Wasserkraft, Bio- und Restwärme.

Ein Referendum im Jahr 1980 hat zwar entschieden, dass das Land bis zum Jahr 2010 aus der Kernenergie aussteigen soll, aber letztendlich umgesetzt wurde dieser Beschluss jedoch noch nicht. Mittlerweile ist das südschwedische Kraftwerk Barsebäck vom Netz gegangen, doch Kritiker monieren, dass dafür die Kapazitäten in anderen Meilern erhöht wurden. Darüberhinaus soll ein Unterseekabel Strom aus polnischen Kohlekraftwerk importieren. Und im Jahr 2003 speisten sich immerhin 33,5% der verbrauchten Energie aus der Atomenergie. Man darf also gespannt sein, wie Schweden diesen Anteil langfristig ersetzen will.

Doch ist schon einiges erreicht worden auf dem Weg zur gänzlichen Ölentwöhnung, den die Energieministerin Sahlin bereits im Oktober letzten Jahres in einem Zeitungsbeitrag angekündigt hatte:

Wir werden weltweit die Ersten sein, die unabhängig von fossilen Brennstoffen sind.

Fossile Brennstoffe ("fossil fuel") werden nach dem Bericht des Guardian im Grunde hauptsächlich nur mehr in Verkehr und Transport verwendet. Das Heizungssystem wurde demzufolge im letzten Jahrzehnt großflächig auf Dampf oder heißes Wasser aus geotherthermalen Quellen bzw. auf Verwendung von Bio- und Restwärme umgestellt. 2003 stammten 26 % der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen (der europäische Durchschnitt liegt bei 6%), Wasserkraft ist hier der Hauptlieferant. Kohle und Erdgas erzielten sehr niedrige Werte - 4,7 und 1,5 Prozent. 34,2% der verbrauchten Energie ging auf Erdöl zurück (1977 sollen es noch 77% gewesen sein).

Auch die schwedische Autoindustrie stellt sich um. Volvo und Saab sollen bei der Entwicklung von Kraftfahrzeugen, die mit Ethanol und anderen Biotreibstoffen fahren, eng mit der schwedischen Regierung zusammen arbeiten.

http://www.heise.de/tp/artikel/21/21997/1.html
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