Patriot Act: Erstmals Bankkonto religiöser Fundamentalisten gesperrt

10.02.2006

Ursache: Achtzigjährige in der Öffentlichkeit mitunter verhüllte Frau konnte sich nicht ausweisen

Die amerikanischen Anti-Terrorismus-Gesetze haben erstmals eine religiöse Splittergruppe der finanziellen Unterstützung beraubt, weil ihre Bank das Konto sperrte. Protest von Muslimen blieb jedoch aus.

Die heiligen Schwestern der Holy Name Monastery standen im November plötzlich mit leeren Taschen da: das Bankkonto des Benediktiner-Klosters war ohne Vorwarnung eingefroren worden. Ab dem 10. November platzten infolgedessen insgesamt 22 ausgeschriebene Schecks – und eingehende Gehaltszahlungen für einige der Schwestern wurden ebenfalls abgewiesen.

Terrorzelle in Florida? Gebete in der Holy Name Monastery

Eine Woche lang saß das Kloster finanziell komplett auf dem Trockenen, drei Monate dauerte es, den dadurch angerichteten finanziellen und imagemäßigen Schaden wieder zu beseitigen. Schuld daran ist der Patriot Act, so die Bank, da eine der für das Konto verantwortlichen Schwestern weder ihre Sozialversicherungsnummer noch ein Foto bei der Bank hinterlegt hatte. Tatsächlich hatte keine der Nonnen so etwas je hinterlegt, Schwester Jean Abbott schimpft lautstark: "Wir sind seit 116 Jahren im Business und nach so etwas hat uns noch nie jemand gefragt!". Doch um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern, sind diese Unterlagen mittlerweile erforderlich.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Konto gleich gesperrt werden muss, so Chris Hansen von der American Civil Liberties Union. Der Patriot Act verursache zwar viele Probleme, aber oft diene er auch nur als Ausrede und dieses gehöre nun wirklich nicht dazu. Die Überprüfung der Identität wird nur für neue Bankkonten verlangt, aber nicht für bereits eingerichtete, so Chris Hoofnagle vom Electronic Privacy Information Center. Seit dem 1. Oktober 2003 sind diese Daten für die Einrichtung neuer Konten erforderlich. Es soll so verhindert werden, dass Konten unter falschem Namen eingerichtet werden.

Immerhin: Vorurteile oder Bevorzugung einzelner Religionen gegenüber anderen kann der Bank nun niemand vorwerfen…

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