Wird der Viktoriasee zum Auslaufmodell?

Wolf-Dieter Roth 12.02.2006

Hunger nach Strom in Uganda vernichtet zweitgrößten Süßwassersee

Uganda bricht inzwischen 50 Jahre alte internationale Vereinbarungen, die den Viktoriasee in Ostafrika schützen sollten. Die Folge: Der Viktoriasee könnte das Schicksal des russischen Aralsees teilen und austrocknen.

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Der fast 70.000 km2 große Viktoriasee grenzt an Uganda, Kenia und Tansania. Etwa 30 Millionen Menschen brauchen ihn zum Leben. Wie der New Scientist berichtet, hat der See seit 2003 jedoch 75 km3 Wasser verloren, 75 000.000.000.000, also 75 Billionen Liter, etwa 3% seines Fassungsvermögens. Die Folgen: Internationale Fähren sind fern von ihren Anlegestellen gestrandet, Fischerboote liegen im Schlamm und den Städten am See geht das Wasser aus.

Das Problem des Sees liegt an seinem Abschluss, der von Bergen umgeben ist: In Jinja in Uganda entspringt ihm der Victoria-Nil, in den er sich bis 1954 über ein natürliches Felsenwehr entleerte. In diesem Jahr sprengten die Briten das Wehr heraus und ersetzten es durch den Owen-Falls-Damm, mittlerweile zu Nalubaale Damm umbenannt, der aus dem Viktoriasee ein riesiges Wasserspeicherkraftwerk machte.

Das Corpus Delicti, der Owen-Falls-Damm (Bild: Wikipedia)

Die Ingenieure jener Zeit einigten sich, dass der Wasserabfluss durch die Turbinen denen des alten natürlichen Ausschlusses entsprechen sollte – je nach Wasserstand zwischen 300 und 1700 m3 in der Sekunde, entsprechend 300.000 bis 1.700.000 Litern pro Sekunde. Diese Abmachung gilt auch heute noch in einem Vertrag mit Ägypten, das das meiste Wasser des Nils nutzt.

2002 baute Uganda einen zweiten Kraftwerkskomplex nahe des ersten. Kaum war das neue Kraftwerk fertig, merkten die Menschen, dass das Wasser im See fiel und heute einen achtzigjährigen Tiefstand erreicht hat. In den letzten Wochen hat die Uganda Electricity Generating Company mehrere Stromausfälle auf den niedrigen Wasserstand geschoben und diesen wiederum auf einen Rückgang der Niederschläge von 10 bis 15% im Einzugsgebiet des Sees innerhalb der letzten zwei Jahre.

Doch Berechnungen haben ergeben, dass der erhöhte Wasserverbrauch einen ebenso großen Anteil am Problem hat wie die zurückgegangenen Niederschläge. Andernfalls stünde der Wasserspiegel heute noch 45 cm höher. Insgesamt wurden 55% mehr Wasser entnommen als zulässig und in März und November 2005 sogar doppelt so viel wie erlaubt. Damit ist der See schwer belastet, zusätzlich zu dem Aussetzen des Nilbarsches, das Hunderte von Buntbarscharten vernichtet hat ("Darwins Alptraum"), und "gewöhnlicher" Umweltverschmutzung durch Überbevölkerung der Ufer. Vor knapp 15.000 Jahren lag der See das letzte Mal trocken.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22012/1.html
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