Kein Mitnahmeartikel

Matthias Gräbner 12.03.2006

Diebstahlschutz für teure Technik

Notebooks, Beamer, Monitore und ähnliche teure Anschaffungen lassen sich preiswert gegen Gelegenheitsdiebe schützen – vor ernsthaften Langfingern bewahrt nur Aufmerksamkeit

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Vielleicht haben Sie sich auch schon mal gefragt, wozu der senkrechte Schlitz an der Rückseite Ihres Notebooks dient. "Kensington Lock" hatte im Prospekt gestanden – eine Bezeichnung, die etwas in die Irre führt, denn um ein Schloss handelt es sich hierbei nicht. In der Einkerbung lässt sich vielmehr ein verschließbares T-Stück arretieren, an dem zum Beispiel ein Sicherungs-Stahlseil hängen kann. "Kensington Lock" heißt die Öffnung allerdings nur bei einem – der Firma Kensington, die sich den Mechanismus hat patentieren lassen. So ist es kein Zufall, dass die von Kensington hergestellten passenden Schlösser etwas teurer sind als die baugleiche Konkurrenz. Dass deren Drahtschlingen in Ihr Notebook passen, ohne dabei durch falsch gewählte Worte Marken und Patente zu verletzen ist an hübschen Umschreibungen erkennbar – etwa "der patentierte T-Kupplungs-Mechanismus passt in 95 % aller Notebooks in einen eingebauten Sicherungsschlitz".

Damit das Stahlkabel einen Sicherheitsgewinn bringt, braucht man (wie beim Fahrrad) eine stabile Immobilie, an der sich das Notebook festhalten kann. Ein Tischbein ist also eher unpassend – in den meisten Büroumgebungen kommen wohl nur Heizungsrohre oder extra angebrachte Sicherungsösen in Frage. Man braucht aber weiterhin ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit – gegen einen Angreifer mit entsprechend großem Seitenschneider hilft diese Art Schloss kaum. Zumal die im Handel befindlichen Notebook-Sicherungen mit derart dünnen Stahlseilen arbeiten, wie sie kein ernsthafter Fahrradbesitzer akzeptieren würde. Dass es kiloschwere Sicherungsbügel wie für das 2000-Euro-Rennrad im Notebook-Bereich nicht gibt, liegt wohl daran, dass sich niemand gern das Schultergelenk auskugelt.

Schwachstelle: Loch

Hinzu kommt, dass zum Teil das Kensington Lock selbst die Schwachstelle ist: das T-Stück kann man, wenn der Hersteller nicht mit Verstärkungsstreifen vorgesorgt hat, notfalls auch aus dem Plastik herausbrechen. Das mindert zwar den Wiederverkaufswert eines derart entwendeten Laptops erheblich, doch wenn der Dieb zum Eigenbedarf zugreift… Entsprechende Aufmerksamkeit ist folglich bei Ebay-Notebook-Schnäppchen mit zerstörtem Kensington-Lock-Loch geboten.

Eine Alternative bietet Targus mit dem "Defcon VPKL" (mit Schlüssel) oder "Defcon VPCL" (mit Codeschloss): diese Schlingen befestigt man am VGA-Port. Da der Anschluss durchgeschleift ist, kann man auch am derart gesicherten Gerät einen Monitor betreiben. Dass der Dieb das Schloss samt VGA-Buchse herausreißt, ist eher unwahrscheinlich – der Wiederverkaufswert ginge dann wohl gegen Null.

"SecuPlus" setzt auf Sicherheit per Docking-Station: Im "SecuDock Pro" sichern Stahlbügel das Gerät. Bequemem Tippen dürften die nun allerdings abträglich sein. Diese Diebstahlschutz-Mechanismen gibt es auch kombiniert mit einem Bewegungsmelder, der Alarm gibt, wenn das Gerät bewegt wird (Targus) oder sich von seinem Besitzer entfernt Lindy. Inwieweit das sinnvoll ist, hängt sicher von der Umgebung ab, in der sich der Notebook-Eigner aufhält: in der Businessclass-Lounge dürfte ein durchdringender 105-dB-Ton stärker auffallen als im typischen Messebetrieb.

Falls die Software auf Ihrem Mobilrechner mehr wert ist als die eigentliche Hardware, sind auch noch andere Mittel recht: Von Lindy gibt es zum Beispiel USB-Port-Dummystecker, die man nur mit einem Spezialwerkzeug entfernen kann. So sichert man sich zumindest vor dem Gelegenheits-Datendieb, der mit USB-Speicherstift ausgerüstet auf Beutezug geht. Einzelne Verzeichnisse oder gar die ganze Festplatte zu verschlüsseln, erlauben mittlerweile alle Betriebssysteme (teilweise mit Zusatzsoftware).

Nach Hause telefonieren

Einen Vorsorgedienst besonderer Art bietet Ztrace an: mit einer speziellen Software kann man seinem Notebook den Befehl geben, aus der Ferne nach Hause zu funken und (auf der IP- oder Telefon-Nummer basierend) seine Position anzugeben. Das funktioniert auch, wenn der dreiste Dieb sich nicht von selbst ins Netz einloggt – Hauptsache, er steckt ein Modemkabel ein, den Rest übernimmt (heimlich) die Software. Ist das der Grund, warum der Monitoring-Service in Deutschland zurzeit nicht angeboten wird?

Ohne Chance ist die Software natürlich, wenn den Räuber nur die Hardware interessiert und er zum Beispiel einfach die Festplatte löscht. Für den Fall, dass sich der Bestohlene darauf nicht verlassen will, soll das ebenfalls von Ztrace angebotene Programm Zcontrol helfen: es ist in der Lage, sensible Daten auf dem entwendeten Laptop selbsttätig zu entsorgen. Ähnlich funktioniert das von Data Becker verkaufte Programm Notebook Bodyguard – es fragt einen auf einem USB-Stick gespeicherten Schlüssel ab, sperrt bei Misserfolg den PC und meldet via Internet den Diebstahl. Pech allerdings, wenn man sich auch den USB-Stick hat stehlen lassen. Auf manchen USB-Sticks sind ähnliche Authentifizierungslösungen vorinstalliert.

Ein wirklich nützlicher Tipp gegen die Angst vor dem Notebook-Diebstahl kommt übrigens vom in Sicherheitsdingen besonders anerkannten Unternehmen Microsoft: "Dabei ist die Lösung ganz einfach: Lassen Sie sich Ihr Notebook einfach nicht stehlen".

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22027/1.html
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