"You little fuckers. Die."

Gerhard Piper 14.02.2006

Britische Schlägertruppe kam aus Deutschland

Die weltweite Empörung über die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen ist noch nicht abgeklungen, da schüren erneut Bilder die Spannungen zwischen Okzident und Orient. Diesmal geht es nicht um ein paar Kritzeleien, die neuen Filmaufnahmen stammen aus dem wirklichen Leben unter der britischen Besatzungstruppe im Südirak. Sie zeigen, wie britische Soldaten irakische Jugendliche nach einer Demonstration mit Schlagstöcken und Fußtritten misshandeln.

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Bild auf der Website der Einheit über den Einsatz im Irak

Die Aufnahmen sind keineswegs neu, gelangten aber erst jetzt – dank verspäteter "Pressefreiheit" - an das Licht der Öffentlichkeit. Dabei lässt sich das Datum der Misshandlungen im Nachhinein noch genau feststellen: Am 22. März 2004 kam es in Basra zu einer Demonstration. Das Kriegstagebuch der britischen Streitkräfte vermeldet für diesen Tag "public order incidents" in der irakischen Stadt, bei denen vierzehn britische Soldaten verletzt wurden. Die britischen Soldaten erschossen sechs Iraker, elf weitere wurden verletzt. "Oh yes! Oh yes! You're gonna get it. Yes, naughty little boys. You little fuckers, you little fuckers. Die. Ha Ha", lautete der Live-Kommentar des unbekannten Kameramanns zu seinen mitgeschnittenen Beobachtungen.

Zwei der Verprügelten sind mittlerweile identifiziert und könnten als Zeugen aussagen: Bassem Shaker und Tariq Abdul-Razzak. Die Zusammenstöße in Al Amara waren kein Einzelfall, weitere Auseinandersetzungen folgten am 22. März 2004 in Basra.

Die britischen Streitkräfte haben die Aufklärung der Misshandlungen versprochen. Quasi zum Beweis ihrer Bemühungen gab es am 12. Februar 206 bereits eine erste Festnahme durch die Royal Military Police. Zwei Tage später hat man zwei weitere Verdächtige festgenommen, die an dem Vorfall beteiligt gewesen sein sollen. Einzelheiten wurden zwar offiziell nicht mitgeteilt, aber der Kreis der Tatverdächtigen lässt sich eingrenzen. Die Spur führt nach Deutschland: Es waren, so der britische Guardian, höchstwahrscheinlich Angehörige des "First Battalion Light Infantry". Diese Einheit aus rund 550 Mann ist normalerweise in den Alanbrooke Barracks in der Elsenerstraße Nr. 5 im westfälischen Paderborn stationiert. Die Truppe war von Oktober 2003 bis April 2004 im Raum Basra stationiert. Operation "TELIC 3 lautete der Codename ihres Einsatzes. Der britische Oberbefehlshaber Tony Blair persönlich hat die Prügeltruppe am 4. Januar 2004 an ihrem Einsatzort besucht.

In einer Selbstdarstellung preist das Bataillon seine Rechtschaffenheit:

The Light Infantry is a Regiment based on an ethos and a discipline system (one of relaxed efficiency) that is unique to the British Army.

Das darf nun bezweifelt werden. Bezweifelt werden darf auch, dass bei den Untersuchungen der britischen Militärjustiz gegen ihre eigenen Soldaten viel herauskommt. Von den 189 Untersuchungen gegen potentielle britische Kriegsverbrecher im Irak wurden immerhin 169 Verfahren eingestellt. Nur in Ausnahmefällen kam es bisher zu einer Verurteilung. Vier britische Soldaten der "Royal Fusiliers" aus Osnabrück wurden wegen ihrer Beteiligung an den Folterungen im Abu Ghraib-Gefängnis zu Haftstrafen verurteilt und unehrenhaft entlassen. Auch beim Folterskandal in Abu Ghraib führten die Spuren nach Deutschland: Die Folterbrigade.

Die Stadtbehörde von Basra hat wegen des Vorfalls inzwischen die Beziehungen zu den britischen Soldaten abgebrochen. Auch mit dem britischen Konsulat werde man nicht mehr kooperieren. Der Polizeichef kündigte an, dass die irakischen Sicherheitskräfte nicht mehr gemeinsam mit britischen Soldaten auf Patrouille gehen werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22035/1.html
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Britische Medien wurden "angeführt"

Horst Müller 13.02.2006

Die jetzt veröffentlichten Bilder von britischen Soldaten, die auf irakische Jugendliche einschlagen, ließen an gefälschte Folterbilder denken, deren Herkunft trotz des von ihnen entfachten Medienskandals noch unklar ist

Nach der Veröffentlichung::http://www.newsoftheworld.co.uk/story_pages/news/news1.shtml von weiteren Folterbildern in der englischen Sonntagszeitung "News of the World" am 12. Februar, die laut Angaben des Blattes britische Soldaten bei der Misshandlung von jungen Irakern zeigen, wurden sofort Parallelen zu einem der größten Presseskandale auf der Insel gezogen. Im Mai 2004 hatte der "Daily Mirror" Bildmaterial und Informationen veröffentlicht, die sich später als Fälschungen erwiesen (17426). Kaum bekannte Hintergründe des damaligen Skandals haben Medienstudenten der Hochschule Mittweida in dem Forschungsprojekt "Folter frei" zusammengetragen und sind dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass vor allem die britische Regierung Interesse an der Veröffentlichung des gefälschten Materials gehabt haben konnte.

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