"Hit SH at same time – not only UBL"

Florian Rötzer 24.02.2006

Ein Memo vom 11.9.2001 bestätigt, dass US-Verteidigungsminister Rumsfeld schon ein paar Stunden nach den Anschlägen die Gunst der Stunde nutzen wollte

Schon kurz nach den Anschlägen in New York und Washington witterte man in der US-Regierung die Gunst der Stunde, um lang gehegte Ziele umzusetzen, nämlich einen Regimewechsel im Irak durchzuführen, um die Region neu zu ordnen (Irak-Krieg von langer Hand vorbereitet). Das hatte man zwar schon lange vermutet, nun aber hat ein Blogger den Beweis dank des Informationsfreiheitsgesetzes der Öffentlichkeit präsentiert. Kurz danach wurde bekannt, dass die US-Regierung nach Einführung des Informationsfreiheitsgesetzes und vor allem nach dem 11.9. Tausende von zunächst veröffentlichten Dokumenten wieder als geheim klassifiziert hat, weil sie angeblich – selbst wenn sie aus den 1940er oder 1950er stammen – eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen.

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US-Verteidigungsminister am 11.9. auf einer Pressekonferenz. Bild: DoD

Thad Anderson, der das Blog Outraged Moderates betreibt, hatte nach dem Informationsfreiheitsgesetz den Antrag an das Pentagon gestellt, die Aufzeichnungen von Stephen A. Cambone, des damaligen Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium für Politik von seinen Gesprächen mit Donald Rumsfeld am 11.9.2001 zu erhalten. Anderson wollte das erfahren, weil Aufzeichnungen von Cambone über Gespräche mit Rumsfeld am Nachmittag des 11. September im Bericht der 9/11-Kommission erwähnt wurden. Dort hieß es, Rumsfeld habe General Myers angewiesen, möglichst umgehend Informationen herbeizuschaffen. Rumsfeld wolle nicht nur "leere Trainingslager" treffen (wie dies bei den Raketenangriffen auf afghanische Lager unter Präsident Clinton der Fall war). Rumsfelds "Instinkt", so hieß es weiter, sage ihm, man müsse gleichzeitig auch gegen Saddam Hussein vorgehen.

Am 10.2. erhielt Anderson eine Antwort vom Pentagon mit einem Memo, das Stephen A. Cambone, seit 2003 Staatssekretär im Verteidigungsministerium für die Geheimdienste, von einem Gespräch mit Rumsfeld am 11.9. um 14.40, also wenigen Stunden nach den Anschlägen, geführt hat. Das Memo wurde wieder teilweise unleserlich gemacht.

Rumsfeld forderte General Myers auf, möglichst schnell Informationen und Beurteilungen herbeizuschaffen, um nicht nur militärisch gegen Bin Laden, sondern gleichzeitig auch gegen Saddam Hussein vorgehen zu können.

[b]est info fast . . . judge whether good enough [to] hit S.H. [Saddam Hussein] at same time - not only UBL [Usama Bin Laden]"

Dass die Herstellung einer Verbindung zwischen Bin Laden und Hussein nicht einfach oder gar unmöglich war, war natürlich auch Rumsfeld klar. Jim Hayes, ein Pentagon-Jurist sollt sich mit "PW", vermutlich Paul Wolfowitz, dem damaligen Vizeverteidigungsminister, zusammentun, um zusätzliche Unterstützung für die Verbindung mit Bin Laden zu gewinnen. Nach dem Memo wollte er aber unbedingt den Fall möglichst schnell konstruieren. Das hat dann aus politischen Gründen länger gedauert und einige Umwege erfordert, aber die Entscheidung war einige Stunden nach dem Anschlag auf das Pentagon gefallen:

"Hard to get good case. Need to move swiftly. Near term target needs - go massive - sweep it all up, things related and not."

Das Pentagon hat die Authentizität des Memos bestätigt. Cambone sei für die Krisenplanung verantwortlich gewesen und habe in dieser Funktion die Aufzeichnungen gemacht. Nun wäre es natürlich noch interessant, auch das lesen zu können, was das Pentagon immer noch der Öffentlichkeit vorenthalten will.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22128/1.html
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