Nightmare on Ethyl Street
Vereitelter Anschlag auf den Knotenpunkt der saudischen Ölindustrie
In hiesigen Kinos läuft gerade ein Film, dessen Drehbuch nach seinen Vorlagen geschrieben wurde, "Syriana" (vgl. Die offene Sprache der Macht), jetzt sieht es fast so aus, als ob Selbstmordattentäter den Thriller ähnlichen Einstieg von Robert Baers Bestseller "Die Saudi-Connection" als Vorlage für ihren Anschlag auf die saudi-arabische Ölverarbeitungsanlage Abkaik verwendet haben.
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| Abkaik - "Der Godzilla unter den Ölverarbeitungsanlagen" |
Die Börse reagierte schnell und etwas nervös auf die Nachricht aus der östlichen Provinz in Saudi-Arabien. Die Preise für das Fass Öl stiegen an der "New York Mercantile Exchange" gestern laut einer BBC-Meldung um 3,4 Prozent in die Höhe, auf 62.60 Dollar.
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Dabei ist laut Aussage des saudischen Ölministers Ali al-Naimi nichts passiert, was die Öllieferungen betrifft. Im Gegensatz zu Informationen, die der (von Saudi-Arabern finanzierte) TV-Sender al-Arabija zunächst verbreitet hatte, soll der Fluss des begehrten Öls nicht einmal zeitweise durch die Beschädigung einer Pipeline gestoppt worden sein. Der Angriff wurde schon vor den äußeren Toren der Anlage vereitelt.
Drei Autos, eins mit bewaffneten Männern und zwei andere voll mit Sprengsätzen, allesamt mit einem Logo der saudischen Ölfirma Aramco, sollen versucht haben, in die Abkaik-Anlage einzudringen, doch die Security Guards waren nach bislang veröffentlichten Angaben auf der Hut. Sie sollen sich eine Schießerei mit den Angreifern geliefert haben und damit größere Schäden vereitelt. Die Bilanz, wie sie gestern abend von Al-Jazeera verbreitet wurde: Sechs Tote (alle vier Attentäter und zwei Sicherheitskräfte) und zwei verletzte Sicherheitsleute.
Jetzt soll laut dem Sprecher des saudischen Innenmisteriums, Mansur at-Turki, die DNA der Angreifer ermittelt werden. Bislang gibt es kein Bekennerschreiben, der Verdacht geht in die übliche Richtung – al-Qaida, zumal Osama Bin Laden schon vor Jahresfrist die Ölproduktion als Ziel für Anschläge ausgeben hatte.
Abkaik ist eine gigantische Verwertungsanlage von Rohöl, deren Straßennamen auf Carbon- oder Ethylstreet lauten, lokal wird sie Bakik genannt, übersetzt heißt das "kleine Bettwanze". Laut dem "Schwarzbuch Öl"[1] fließen täglich fast sieben Millionen Barrel Öl durch die Anlage:
Abkaik ist der Knotenpunkt der saudischen Ölindustrie und damit eine der verwundbarsten Industrieanlagen der Welt.
Den Ex-CIA Agenten Robert Baer, der Bücher über das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und den USA mit Titeln wie "Sleeping With the Devil" geschrieben hat, hat Abkaik offensichtlich inspiriert: "Abkaik ist der Godzilla unter den Ölverarbeitungsanlagen", schreibt Baer in seinem Bestseller "Die Saudi Connection" und seine Befürchtung, dass es ein ideales Ziel für Terroristen ist, illustriert er mit einer seitenlangen, minutiösen Beschreibung eines Anschlags auf Abkaik am Anfang des Buches.
Wie de Journalisten Thomas Seifert und Klaus Werner wissen, soll der Außenminister Saud al-Faisal im April 2004 bei einer Pressekonferenz in Wien Baers Bücher noch als reine Propaganda abgetan haben. Nach dem Anschlag vom Freitag scheint sich einmal mehr zu bestätigen, dass sich die Wirklichkeit nicht immer an das hält, was das saudische Königshaus als Realität akzeptiert.
"Wir sind gerade einer Kugel entkommen, aber für wie lange?", zeigt sich dagegen ein Nahostbeobachter geschockt: Wäre der Anschlag nicht vereitelt worden, wäre dies "very bad news for world transportation systems" und eine weltweite Wirtschaftsdepression die mögliche Folge, fürchtet der amerikanische Professor Juan Cole.
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22133/1.html- Die "Amis" waeren nicht _die_ "Amis", (27.2.2006 21:48)
- Kein Mensch... (26.2.2006 22:47)
- Die Saudis kennen... (26.2.2006 22:14)
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