Umweltfreundliche Geldwäsche?

01.03.2006

Umweltgewissen soll Dumme ködern

Wollen Sie die Welt umweltfreundlich retten? Bleiben Sie dem ökologischen Reinigungsgeschäft lieber fern – es handelt sich nur mal wieder um eine saubere Betrugsmasche.

Die Betrugsmails, die sich täglich zu Hunderten in jeder Mailbox finden, die es schon länger als ein paar Wochen gibt, locken glücklicherweise nur noch selten jemand hinter dem Ofen hervor, der dann allerdings viel Geld verliert und in Polizeigewahrsam enden kann. Ob russische Heiratsagentur- oder Finanzmanagerposten, immer wieder geht es nur darum, für Betrüger eingehende Phishing-Zahlungen über ein bis dato unbescholtenes deutsche Girokonto zu waschen und dann das Geld schnell auf nicht nachverfolgbaren Pfaden außer Landes zu schaffen (Knast für Dich!). Wenn dann die per Phishing abgezogenen Opfer mit der Polizei anrücken, helfen die paar Prozent verbliebene Provision auch nicht mehr weiter.

"Öko" zieht dagegen immer noch, ob nun schmackhafte Biokost, sauberer, atom- und kohlefreier und dennoch nicht allzu viel teurerer Strom, andere Dinge, die Spaß machen oder aber Putzmittel, nach deren Anwendung nicht alle Zimmerpflanzen verbleichen und zu Biomüll werden. Die Aussicht, sich selbst und seinem Gewissen etwas Gutes zu tun, das lässt dann schon mal die gesunde Vorsicht fahren. Dabei handelt es sich nur um die bekannte Geldwäsche-per-privatem-Girokonto-Nummer, doch jetzt im Ökomantel:

Subject: Let's join our efforts to save nature!
Date: Tue, 28 Feb 2006 22:07:11 +0100
From: "EC0LIFE C0MPANY"

If You are firm of purpose, active and are willing to earn some cash, then this offer is for You. The EcoLife Company is one of the largest cleansing facility dealers in the world. Every year we go out to the markets of different countries, keep and eye and study the demand and sales-market in every new country. As a result of our move to the market of USA, Germany, Belgium, United Kingdom, Spain, Italy, France and Greece we are having temporary employee recruitment for the position of a financial manager. It is required for You to be:

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Your service won’t be needed on a constant basis, but only for the time of our sales-market study in Your region and also for the time of registration of all necessary papers and the corporative accounts opening. You don’t just earn cash by working with us, but also help saving and cleaning our endangered environment.

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Best wishes to You

Klaus Preiss EcoLife Company Administration

If the presence of this letter in Your email box is a mistake, the EcoLife company administration makes its apologies. Simply delete the letter.

Klar, dass niemand eine Jobanzeige in englischer Sprache bei Monster.com geschaltet hatte, aber natürlich stoßen Jobofferten in der heutigen Wirtschaftslage bei den meisten Lesern auf Interesse. Und wenn dann jemand noch neu im Internet ist und den täglichen Gaunereien in der Mailbox noch nicht gewachsen, was zumindest in Deutschland bei alternativ und ökologisch orientierten Mitmenschen meist der Fall ist, für die Computer lange schlichtweg "bäh" waren (ganz im Gegensatz zu Kalifornien, wo "High-Tech" und "zurück zur Natur" nie ein Widerspruch waren), fallen diese Maschen durchaus auf fruchtbaren Boden, wie man an den gerade in diesen Kreisen nicht auszurottenden Kettenmails sieht ("Nette Menschen kämpfen gegen die Taliban mit Protestmails").

Wie meist beruht die Ehre, in diesen Spamverteiler geraten zu sein, im Übrigen auf einem ebenso verwirrten Mitmenschen, seien es etwas unterbelichtete Verwandte oder Freunde, die einen ungefragt auf dubiose Verteiler setzen oder in diesem Fall einem polnischen Blogger, der Tausende deutscher Journalisten täglich mehrfach mit extradicken Mails voller unlesbarer polnischer Texte und angehängter Bildern aus seinem Blog belästigt und bei der Staatsanwaltschaft Anzeigen wegen rechtsradikaler Volksverhetzung stellt (diese übrigens dann plötzlich durchaus lesbar auf Deutsch!), wenn sich einer der so Beglückten bei ihm beschwert und darum bittet, endlich mit dem Unsinn aufzuhören. Auch ein Rauswurf des streitbaren Herrn bei seinem Bloghoster ließ ihn nicht zur Vernunft kommen. Eine direkte Verbindung mit den "Öko-Geldwäschern" besteht zwar vermutlich nicht, doch das Verteilen von Massenmails, bei denen alle Angeschriebenen im CC: offengelegt sind, reicht üblicherweise ja bereits, damit sich irgendwann Spammer der Adressliste bedienen.

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