Eine für alle, aber nur für einen
Die "Multytenne" empfängt Programme von bis zu vier Satelliten – eine Programmvielfalt, die nicht jedem nützt
Wer viel fernsieht und sich für fremde Länder, Kulturen und Sprachen interessiert, für den ist das riesige Angebot an fremdsprachigen Sendern, die via Satellit ausgestrahlt werden, eine gute Gelegenheit, einzutauchen in die fremden Welten. Die Technisat Multytenne empfängt fast sechshundert Kanäle von vier Satelliten.
Gehirnforscher wissen: Die beste Möglichkeit, eine Sprache zu lernen, ist die permanente Berieselung damit – selbst, wenn Sie zunächst kein Wort verstehen. Die Vielfalt der fremdsprachigen Sender über Satellit hilft hierbei weiter, schließlich tummeln sich im all gleich ein Dutzend Satelliten, über die alle möglichen Programme über Europa "abgeworfen" werden. Vier davon sind vor allem für uns interessant:
Die Gradzahl zeigt jeweils, wo die Satelliten im Orbit zu finden sind. Mit einer herkömmlichen "schielenden" Antenne für mehr als einen Satelliten waren hiervon immer maximal zwei "einzufangen". Doch die Multytenne von Technisat nimmt gleich alle vier ins Visier. Dazu enthält sie einen riesigen Block, in dem insgesamt vier LNBs enthalten sind, nebst Umschalter.
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| Die Multytenne soll an eine Wand mit möglichst freier Sicht nach Süd-Südost (Bild: Th. Jungbluth) |
Diese Vielfalt stellt die Multytenne allerdings leider nur für einen einzelnen Anwender mit einem Receiver mit nur einem Tuner bereit. Wer mit mehreren Fernsehern unterschiedliche Programme von gleich mehreren Satelliten oder mit einem Receiver ein Programm ansehen und ein anderes aufnehmen will, der muss zu größeren Kalibern greifen wie der Toroidal-Antenne. Die versorgt mehrere Teilnehmer, benötigt allerdings auch mehr Aufwand, Platz und optisch tolerante Menschen im Umfeld der Aufhängung.
Die Multytenne ist mit 43 x 43 cm jedoch wirklich kompakt und kommt für etwa 260 Euro im dicken Paket mit allem, was dazugehört: Wandhalter, zehn Meter Kabel und ein Technisat MF4-S Receiver. Die Installation ist – sofern ein Platz mit freier Sicht gen Südosten vorhanden ist, sehr einfach, der Wandhalter ist stabil genug. Leider war im Test die Sicht nach Südosten etwas eingeschränkt, so dass die Satelliten auf 28,2/28,5° Ost nicht empfangen werden konnte. Dennoch ließ sich die Handhabung recht gut beurteilen.
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| Die Halterung wird mit Inbus-Schrauben befestigt – nicht immer einfach, da Festschrauben die Schüsselstellung verändern kann (Bild: Th. Jungbluth) |
Zunächst einmal braucht man für die Installation einen mobilen Fernseher und einen Feldstärkemesser sowie den Sat-Receiver, bereits voreingestellt auf einen empfangsschwachen Astra-Kanal, also zum Beispiel die RTL-Kanäle. Mit Winkelmesser und Kompass wird die Schüssel grob vorjustiert, doch bei der Feineinstellung verlässt man sich auf den Fernseher und das möglichst helle Fiepen des Feldstärkemessers.
Leider verändert das Feststellen der Schüssel mit den Inbus-Schrauben auch den Winkel, deswegen ist Fingerspitzengefühl und Nervenruhe bei der Justage erforderlich. Nur wenn einer der RTL-Kanäle satt und klötzchenfrei empfangen wird, ist die Schüssel optimal justiert.
Exoten und Weltverbesserer
Lohn der Mühe sind knapp 600 Kanäle, die der Satellitenreceiver anschließend in seiner Empfangsliste aufführt. Die Liste wird dank des Services von Technisat ständig auf dem laufenden Stand gehalten, auch ohne dass der Anwender einen neuen Suchlauf durchführen muss. Vielmehr muss man sich aus dem riesigen Angebot die Rosinen herauspicken und nach vorne holen, damit man nicht von der schieren Vielfalt erschlagen wird. Denn es tummeln sich auch jede Menge Kanäle, die nur Werbeträger für 0900-Sex-Nummern und Kontaktanzeigen sind, außerdem gleich ein halbes Dutzend Kanäle mit religiösen Inhalten ("Rufen Sie diese Nummer an! Sagen Sie, wie Sie in Zukunft die Welt verbessern werden!").
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| Dem Paket liegt der Sat-Receiver MF4-S bei, der eine gute Bild- und Tonqualität bietet (Bild: Th. Jungbluth) |
Der Technisat MF4 enthält direkt einen kombinierten Kartenleser, der die Cryptoworks-Karte von Easy-TV oder Arena aufnimmt oder der Conax-codierte Sender wie die Technisat-Pay-Radio-Stationen decodiert. Zuschauer, die sich für andere Pay-TV-Systeme interessieren, können auf der Seite deren CI-Modul einstecken. Insofern ist das Gerät auch zukunftssicher, wenn einmal RTL & Co. ihre Programme verschlüsseln sollten
Premiere-zertifiziert ist das Gerät nicht, doch da es fast baugleich zum Digit XPS ist, könnte sich das in Zukunft vielleicht noch ändern. Premiere dürfte schließlich demnächst froh über jeden neuen Kunden sein.
Learning by listening?
Seitdem die BBC- und ITV-Kanäle aus der Sky-Verschlüsselung herausgenommen wurden, ist auch gerade die 28°-Position sehr interessant für jemand, der gerne englisch sieht und im Nordwesten Deutschlands wohnt (im Süden und Osten braucht man zum Empfang der meisten BBC-Kanäle wesentlich größere Spiegeldurchmesser als die Multytenne bieten kann), oder der Radio Caroline hören möchte. Das fliegt nämlich zum 1. April 2006 ebenso wie Wilantis und Motor FM zugunsten drei weiterer Hörbuchkanäle wieder aus dem Technisat-Radiopaket auf 19,2° Ost raus. Wer sich also extra für Radio Caroline einen Technisat-Radiozugang gekauft hat, um sich eine neue Schüssel zu ersparen, kann sich jetzt doch noch die Multytenne hinterherkaufen. Sowas nennt man dann Folgegeschäft.
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| Wer mehrere Teilnehmer mit mehreren Satelliten versorgen will, benötigt aufwändigeres Equipment (Bild: WaveFrontier) |
Eines können Sie allerdings mit dem Gerät nicht: Die normalen Sky-Kanäle empfangen und entschlüsseln, etwa um Star Trek, Battlestar Galactica und andere Serien und Filme im unverfälschten O-Ton und nur kurz nach der Ausstrahlung in den USA sehen zu können. Denn dafür bräuchten Sie einen speziellen Receiver und die entsprechende Smartcard vom englischen Anbieter – und die sind nur über Umwege direkt im Vereinigten Königsreich oder noch teurer über den einen oder anderen Anbieter hierzulande zu bekommen.
Die übrigen Satelliten haben nur ein begrenztes englisches Angebot, hier überwiegen Spanisch, Italienisch und viele Sprachen aus dem Osten Europas. Somit ist die Multytenne vor allem für vielsprachig interessierte Zapper interessant.
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- Halblang machen (10.4.2006 16:38)
- Luthers Deutsch ist Alt(ober)sächsisch! kt (9.4.2006 10:45)
- Hmm... (6.4.2006 10:55)
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