Ölbörsen-Inflation

Wolfgang Pomrehn 20.03.2006

Während noch immer unklar ist, wann die geplante Iranische Ölbörse an den Start geht, spielen auch in Norwegen einige mit dem Gedanken an einen eigenen Umschlagplatz

Kommt sie nun, die Iranische Ölbörse oder nicht (Iranische Öl-Börse)? Oder später? Wenig deutet bisher daraufhin, dass die Börse tatsächlich wie angekündigt zum iranischen Noruz-Fest (Neujahrsfest) am heutigen 20. März den Betrieb aufnimmt. Die kanadische Zeitung The Globe and Mail hatte bereits vor ein paar Tagen mit Mohammad Asemipur gesprochen, der den iranischen Ölminister in der Angelegenheit berät. "Mitte des Jahres sind wir in der Lage, die Börse zu eröffnen", erzählte Asemipur den Journalisten, die ihn in Teheran anriefen. Zuerst solle mit petrochemischen Produkten gehandelt werden.

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Auch Chris Cook, der als ehemaliger Direktor des Londoner International Petroleum Exchange für die iranische Regierung als Gutachter in Sachen Börse arbeitet, versichert den kanadischen Anrufern, die ihn in Schottland aufspürten, dass die Sache "in einem wesentlich früheren Stadium ist, als manche Leute denken". Cook hatte vor einiger Zeit die Urheberschaft für die Idee einer Ölbörse am Persischen Golf beansprucht. Was allerdings die Frage des Handels in Euro oder Dollar angeht, so versucht Asemipur zu beruhigen: Die Marktteilnehmer würden über die verwendete Währung entscheiden, nicht die Regierung.

Die kanadische Zeitung zitiert allerdings Äußerungen des Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses für Energieangelegenheiten Kamal Daneshyar, wonach der Handel zwar in US-Dollar aufgenommen, aber schrittweise in Euro überführt würde. Die Schweizer "Handelszeitung" will derweil erfahren, dass bereits ein System für den Handel mit "Petro-Euros" entwickelt sei, dass derzeit in Russland und China begutachtet werde.

Derweil schmiedet man auch andernorts Pläne, den Ölhandel in die eigenen Hände zu nehmen. Während einige Insider erhebliche Zweifel haben, dass die Iranische Börse tatsächlich die notwendige technische Ausstattung und vor allem das Vertrauen der Käufer haben wird, hätte man anderswo zumindest diese Voraussetzungen zu bieten: Skandinavien verfügt mit Nordpool seit einigen Jahren über eine gut etablierte Strombörse, und zwar über die größte ihrer Art in Europa, die 2005 erneut ihren Umsatz erheblich steigern.

Das brachte offenbar Sven Arild Andersen, den scheidenden Direktor der Osloer Börse, Ende Dezember auf die Idee, seinerseits ein bisschen den Stachel zu löcken (englische Übersetzung). Nordpool könnte zu einer Börse für Rohöl, Erdgas und die entsprechenden Finanzprodukte ausgebaut werden, so Andersen. "Warum sollten wir nicht den Ehrgeiz haben, London auszustechen." Man könnte außerdem eine ganze Reihe Arbeitsplätze schaffen, in dem die für den Rohstoffhandel notwendigen Finanzdienstleistungen aufgebaut würden. Cook hatte in dem von ihm zitierten Schreiben an die iranische Zentralbank darauf hingewiesen, dass Zwischenhändler und vor allem die Investmentbanken - unter ihnen übrigens auch die Deutsche Bank, die in London Miteigentümer ist - sich vom Kuchen des Rohstoffhandels ein reichlich großes Stück abschneiden. Das zu verhindern, haben die Norweger vielleicht bessere Chancen, als die Iraner. Wie dem auch sei, Andersen möchte den Handel auf jeden Fall in Euro abgewickelt sehen:

We have performed market studies and both Russia, which is a large oil exporter, as well as the countries of the Middle East have large parts of their economies in Euros. They would be able to view such a bourse as a contribution to balancing their economies in a better manner than at present, where their products are traded solely in dollars.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22291/1.html
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