Leiden unter Informationsflut und Zeitdruck
Die Arbeit und der Arbeitsplatz der Printjournalisten verändern sich, aber sie fürchten nach einer aktuellen Umfrage nicht um ihr Medium
Eine von KommAustria und dem Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) in Auftrag gegebene Online-Umfrage wollte die Arbeitsbedingungen der Printjournalisten in Österreich erkunden. Befragt wurden 300 Journalisten, die für Zeitschriften und Zeitungen arbeiten. Dabei wurden einige interessante Veränderungen deutlich. So steigt der Anteil der Frauen und Akademiker weiter an, ebenso aber auch die Zahl derjenigen, die ohne festen Arbeitsvertrag tätig sind. Aber es wird auch heftig gegoogelt und Internetbenutzung sowie Emails scheinen die Belastung für die meisten Journalisten vergrößert zu haben.
Ausgewertet wurden für die unter der Leitung des Medienwissenschaftlers Stefan Weber ausgeführte Studie die Angaben von knapp 300 Printjournalisten. Das waren 34 Prozent der angeschriebenen österreichischen Journalisten. Mag natürlich sein, dass diejenigen, die sich nicht der Mühe unterzogen, im Internet die 42 Fragen zu beantworten, durch Internet und Emails noch stärker gestresst zu sein als diejenigen, die geantwortet haben. Vielleicht waren sie auch weniger gestresst, wenn sie Anfragen und Aufforderungen missachten und in den virtellen Papierkorb stecken, was schließlich eine gesunde Methode ist, die Informations- und Kommunikationsflut zu reduzieren. Stark zugenommen hat die Informationsflut für 60% der Befragten, für 33,5 % auch der Zeitdruck. Dagegen sind "Interventionen" etwa von der Anzeigen- oder Marketingabteilung (11,7), von den Kunden der werbetreibenden Wirtschaft (7,9) oder gar von Politikern (4,9) geradezu geringfügig.
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Allerdings sagen aber auch über 90% (!) der Befragten, dass der Journalismus "insgesamt weniger autonom" geworden sei, 58%, dass die Parteipolitik zumindest teilweise in die Arbeit eingreift, und die Hälfte, dass zumindest teilweise "die Werbewirtschaft in zunehmendem Maße die Spielregeln des Journalismus diktiert". Verglichen mit diesen Angaben muss die empfundene Belastung durch die Informationsflut geradezu gewaltig sein.
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Es wäre sicher auch interessant gewesen, ob Internetbenutzung oder Email-Kommunikation gleichermaßen als stresssteigernd erlebt werden. Vermutlich nicht, so haben sich 50,1% der Prozent der Befragten dafür entscheiden, dass ihr "persönlicher Arbeitsstress" durch Email und Internet zugenommen haben. Allerdings sagen 21,9% auch, dass er abgenommen habe, tatsächlich ersparen die schnelle Kommunikation, der bislang unvorstellbar einfache Zugriff auf weltweite Informationen und die vielfältigen Recherchemöglichkeiten im Internet auch manche Mühe, wenn auch sicherlich die Kommunikationsarbeit und der Aktualitätsdruck zugenommen haben. Immerhin rangiert nach dem "Griff zum Telefon" beim Beginn einer Recherche (70%) an zweiter Stelle mit 60% die Benutzung von Suchmaschinen. Fast alle benutzen zumindest manchmal Suchmaschinen, 60% holen aktuelle Informationen aus dem Internet.
Trotz diesem Trend zum Internet glauben zwei Drittel, dass auch weiterhin auf Papier gelesen wird, und 43%, dass Internet-Publikationen den Printmedien keine große Konkurrenz machen. Das dürfte allerdings je nach Art des Printmediums verschieden sind. 44% können sich offenbar auch nicht vorstellen, was für Online-Angebote die Regel sein wird, dass "jeder Leser seine eigene, auf seine persönlichen Interessen abgestimmte Zeitung in Händen halten" wird. Realistischer, weil schon praktiziert, ist das die deutliche Mehrheitsmeinung, dass Redaktionen in Zukunft "Content gleichzeitig für Print, Rundfunk und Web herstellen" werden.
Interessant sind aber auch die übrigen Veränderungen, die sich in der Journalistenbranche in Österreich – und wohl nicht nur dort – vollziehen. Fast 40% der Journalisten sind Frauen, bei jüngeren Journalisten mit weniger als 5 Jahren Berufspraxis bereits 58%. 1998 waren erst 32,5% Frauen. Die Zukunft des Journalismus wird also womöglich nicht nur weiblich sein, auch der Anteil der Akademiker hat stark zugenommen und liegt derzeit bei 46,6% (1989: 36,1). Und noch ein Trend lässt sich sehr deutlich im Printjournalismus sehen, der freilich gesamtgesellschaftlich vorhanden ist. Die Zahl der festen Arbeitsplätze schrumpft, immer mehr Journalisten müssen mit befristeten Arbeitsverträgen rechnen oder frei arbeiten: 37,8 Prozent der Befragten sind über einen Werkvertrag oder einen freien Dienstvertrag beschäftigt. Das heißt auch, wie aus einer anderen Frage hervorgeht, dass zwar die Gehälter für die Mehrzahl der festangestellten Journalisten angestiegen sind, die Mehrzahl der anderen aber sagt, ihre Bezahlung sei schlechter geworden.
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22319/1.html- Tja (24.3.2006 21:55)
- Die Änderung der Journalistischen Arbeit... (24.3.2006 9:17)
- Das kann jeder (24.3.2006 9:13)
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