"Stell Dir vor, es läuft Fußball – und keiner schaut zu"

Minderheitenfernsehen: Fußball-Bundesliga ab August bei Arena

Lange schon rätselte man darüber, unter welchen Bedingungen das Münchner Unternehmen Arena, eine Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media und seit Ende 2005 TV-Rechte-Inhaber für drei Jahre an den Spielen der Fußball-Bundesliga, diesen Fußballgenuss dem TV-Zuschauer anbieten wird. Eines stand aber schon von vornherein fest, der Fußballfan muss auch ohne das ausgebootete Pay-TV Premiere zukünftig zusätzlich zahlen. Die Frage nach dem "Wieviel" wurde aber erst jetzt gelüftet, ebenso die Frage nach notwendigem neuen Equipment.

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Sukzessive trieb Arena die Realisation der Übertragung voran. Mit der Produktionsfirma Plazamedia, einer Tochter der EM.TV AG, wurde ein Vertrag über die gesamte Produktion der Spiele inklusive Sendeabwicklung abgeschlossen. Im Anschluss daran sicherte man sich einen digitalen Astra-Satellitentransponder auf der in Deutschland meistgebrauchten Position 19,2° Ost. Technischer Partner für das Enkodieren, Weiterverarbeiten und "Uplinken" der Signale auf den Astra-Satelliten ist die österreichische ORF-Sendetechniktochter ORS.

Was muss gezahlt werden?

Alle 612 Spiele der 1. und 2. Bundesliga der Saison 2006/2007 sollen nun für 14,90 Euro/Monat via Satellit oder Kabel angeboten werden. Dabei bleibt es vor allem beim Empfang via Satellit jedoch nicht bei dieser monatlichen Gebühr. Während der Kabelkunde noch mit einer einmaligen Aktivierungsgebühr in Höhe von 19,95 Euro (sofern nicht online direkt über Arena bestellt wird) vergleichsweise billig davon kommt, muss der TV-Zuschauer via Satellit eine erhöhte einmalige Aktivierungsgebühr von 29,95 Euro (entfällt bei Online-Bestellung über Arena) aber auch zusätzlich sowie eine sogenannte "technische Zugangsgebühr" von 5 Euro/Monat zahlen. Somit liegen wir hier schon bei 19,95 Euro monatlich – und dann auch noch 89 Euro für den Decoder.

Für den Kabelkunden gibt es jetzt als Appetithappen – und damit man den Fußballvereinen bald Zuschauerzahlen melden kann – einen Frühbucherrabatt, so dass für diesen der Fußballgenuss für nur 9,90 Euro/Monat möglich wäre. Doch auch hier kommen die Zusatzkosten für den Decoder in Höhe von 49 Euro hinzu.

Objektiv gesehen läuft die Bundesliga aber regulär nur neun Monate im Jahr. Es müssen aber 12- oder 24 Monats-Abos abgeschlossen werden, was bedeutet, dass sich die reine "Fußball-Abo-Gebühr" zum Beispiel für den Satellitenempfang auf effektiv 26,53 Euro/Monat erhöht, wenn man die reguläre Monatsgebühr von 19,95 auf die reine Fußballspielzeit umrechnet. In der restlichen respektive spielfreien Zeit werden Reportagen, Hintergrundberichte und natürlich Wiederholungen laufen, denn der Zuschauer zahlt ja für ein Jahr und nicht nur für neun Monate Bundesliga. Außerdem bezahlt der Fußballfan auch noch für Werbung, zwar nicht während der Spiele, aber davor und danach und in den Pausen dazwischen.

Für beide Empfangsmöglichkeiten, Kabel oder Satellit, können auch komplette TV-Pakete mit Namen wie "Tividi-Familiy" oder "Tividi-Komplett" abonniert werden. Damit erhöht sich die monatliche Gebühr weiter, je nach Vorlieben und Interessen.

Wo kann man sich das Equipment kaufen?

Als nächstes stellt sich die Frage, wie man zu Geräten kommt, die die neue Bundesliga-Übertragung überhaupt dekodieren können. Mit den jetzigen Free-to-Air-Satellitenempfängern geht es schon mal nicht, es ist zumindest ein geeignetes Dekodermodul (Conditional Access-Modul) und ein entsprechender Einschub (CI-Schacht, Conditional Access-Interface) im Satellitenempfänger notwendig. Ebenso reicht der simple analoge Kabelanschluss nicht. Hier hat es der Kabelkunde etwas einfacher, er fragt bei seinem Kabelnetzbetreiber nach, sofern dieser schon einen Vertrag mit Arena abgeschlossen hat. Wer bislang nur terrestrischen Empfang hat – auch modern digital als DVB-T – muss sich entscheiden, ob er auf die Bundesliga-Live-Spiele zukünftig verzichtet oder sich eine Satellitenschüssel zulegt, wenn Kabelanschluss für ihn nicht möglich ist. Davon sind deutschlandweit knapp über zwei Millionen Haushalte betroffen.

Die über 16 Millionen Zuschauer, die via Satellit empfangen, müssen ihr Equipment auf entsprechende Aufrüstbarkeit überprüfen, denn nur Satellitenreceiver mit Conditional Access können eine entsprechende Arena-Smart-Card und das Dekodermodul aufnehmen, und das ist zur Zeit noch kein sehr großer Prozentsatz. Reine digitale Free-to-Air-Receiver ohne Slots für Pay-TV sind ungeeignet, ebenso Analog-Satellitenempfänger. Die Satellitenantenne muss auf Astra 19,2° Ost ausgerichtet sein.

Muss man sich einen neuen Receiver zulegen, kann man zwar im Handel nach Paketen aus "Arena-Set-Top-Boxen" samt Smartcard, Dekodermodul und Abo nachfragen, aber diese Nachfrage wird momentan nur mit einem Schulterzucken beantwortet werden. Denn zur Zeit können diese Dekoder und Smartcards nur übers Internet bestellt werden, eventuell wird der Handel in den nächsten Monaten einbezogen werden. Und vor Juli gibt es ohnehin keine Hardware, da momentan deren Herstellung noch geklärt wird.

Für den jetzigen Premiere-Abonnenten sieht es auch nicht rosig aus, auch er könnte zumindest ein weiteres Dekoder-Modul in seinem Satellitenempfänger benötigen und als Kabelkunde eventuell sogar einen weiteren separaten Digitalempfänger, denn ob hier irgendwann mal zwischen Arena und Premiere eine Einigung erzielt wird steht noch in den Sternen. Aktuell ist hier noch nichts abzusehen, was auch nicht wirklich verwundern muss, wo Arena schließlich Premiere die Fußballrechte weggeschnappt und somit einen schweren Schlag versetzt hat.

Start mit geringer Zuschauerzahl

Wenn man davon ausgeht, dass Arena in den nächsten drei Jahren gerade mal 3,5 Millionen Kunden gewinne möchte, dann kann man sich ausrechnen, mit wie viel Zuschauern die neue Bundesliga-Saison starten wird. Dabei hatte sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unter anderem deshalb nicht für Premiere entschieden, weil man eine möglichst hohe Zahl von fußballinteressierten Fans dieses Vergnügen zu einem günstigen Preis bieten wollte.

Noch ein kleines Zahlenspiel zur Reichweite: Aktuell sind nur Verträge mit ISH in Nordrhein-Westfalen und IESY in Hessen mit technisch gesehen 5,2 Millionen analogen und digitalen Kabelkunden abgeschlossen. Die Gesamtanzahl der Kabelkunden in Deutschland beträgt weit über 20 Millionen, doch davon können nur etwa 10 % das digitale Programmangebot überhaupt empfangen. Unter den 5,2 Millionen Kabelkunden in NRW und Hessen, die neben Kunden von ISH und IESY auch solche kleinerer Netz-Betreiber enthalten, nutzen von denjenigen, die überhaupt digital empfangen können, gerade erst 300.000 Kabelhaushalte das digitale Angebot.

Wenn die DFL also einerseits die Fußballrechte so teuer vergibt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender beim Vollprogramm außen vor bleiben, was deren Zuschauern immerhin die ständigen, notorischen Programmverschiebungen erspart, andererseits aber wiederum mit Premiere schon Bedenken hatte, die Bundesliga zu einem teuren und zuschauerschwachen "Minderheiten-Elite-Fernsehen" mutieren zu lassen, und deshalb die Rechte neu vergab, so hat sie mit Arena als Partner, der die gesamte Logistik und das Hersteller- und Händlernetz rund um Smartcards, Dekodermodule und Digitalempfänger erst neu aufbauen muss, für die Saison 2006 ein veritables Eigentor geschossen. Da helfen auch die bekannten Zugpferde Werner Hansch und Günther Koch als Kommentatoren und Albrecht Schmitt-Fleckenstein als Redaktionschef für die fachlich fundierte Berichterstattung nicht mehr weiter: Die Bundesliga 2006 findet sozusagen im Saale statt. Den Werbeeinnahmen der DFL wird dies nicht gut tun.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22343/1.html
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