Ende des Walfangverbots?
Die Chancen stehen gut, dass Japan dank einer Koalition der Willigen im Juni den Vorsitz der Internationalen Walkommission erhalten wird
Seit 20 Jahren ist die Jagd auf Wale mit einigen Einschränkungen verboten. Das Moratorium war ein großer Sieg der Umwelt- und Tierschützer. Für die Kontrolle wurde die Internationale Walkommission (IWC) eingesetzt, deren Vorsitz nun ausgerechnet auf Japan übergehen könnte, das nicht nur wie auch Island oder Norwegen Ausnahmen für sich durchgesetzt hat, sondern das auch dafür kämpft, kommerziellen Walfang wieder zuzulassen.
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| Gefangener Minkewal. Foto: IFAW |
Japan versucht seit geraumer Zeit, sich mit einer Koalition der Willigen an die Spitze der Kommission wählen zu lassen. Um das zu erreichen, wird Druck ausgeübt und werden kleineren Mitgliedsstaaten Handelsvorteile eingeräumt. Die Wahl wird während des nächsten Treffens vom 16.- 20. Juni stattfinden, und die Chancen stehen gut für Japan, den Vorsitz übernehmen zu können, wie der Independent warnt. Um das Moratorium kippen zu können, müsste allerdings eine Dreiviertelmehrheit zustande kommen. Das wird Japan wohl nicht schaffen, aber es dürfte gute Chancen haben, das Verbot aufzuweichen. Zudem könnte Japan, wie Vassili Papstavrou vom International Fund for Animal Welfare befürchtet, die Abstimmungsregeln ändern. Bislang findet in der Kommission eine offene Wahl statt, würde eine geheime Wahl durchgesetzt werden können, würden sich vielleicht auch Regierungen von Japan überreden lassen, für den Wahlfang zu stimmen, die bislang davor zurückgescheuten, weil sie die Kritik fürchteten. 2005 hatten 27 Vertreter für geheime Wahlen, 30 dagegen gestimmt.
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Um seine Position zu stärken, hat Japan in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Staaten dazu gebracht, in die Kommission einzutreten. Seit 2000 ist die Zahl der Mitglieder von 40 auf 66 angestiegen. Darunter sind Länder wie Mali oder die Mongolei, die nicht einmal am Meer liegen. Vor allem aber setzt Japan auf arme Länder in Afrika oder auf kleine Inselstaaten in der Karibik, die sich mit wirtschaftlichen Vorteilen ködern lassen. Angeblich soll Japan seit 1999 insgesamt 19 Länder in die Kommission eingeführt haben, was sich aus deren Abstimmungsverhalten für den Walfang, aber auch aus den Hilfeleistungen aus Japan ergeben soll.
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| Greenpeace protestierte gegen den Walfang im Januar, indem die Organisation einen verendeten Finnwal vor die japanischen Botschaft in Berlin legte. Foto: Paul Langrock/Zenit/Greenpeace |
Schon jetzt wird in der Kommission ein seltsames Spiel aufgeführt. Den Japanern wird der "wissenschaftliche" Walfang von jährlich 1000 Walen erlaubt, allerdings weiß jeder, dass die Jagd nicht der Wissenschaft, sondern dem Konsum dient. Der allerdings geht in Japan stetig zurück. Nur noch ein Prozent der Japaner sollen nach Greenpeace regelmäßig Walfleisch essen. Schon jetzt bringt man das Walfleisch nicht mehr wirklich an den Mann, berichtet der Independent, und würden die Kosten enorm ansteigen, wenn der Walfischfang nicht aus nationalen Gründen, vor allem von den konservativen Parteien, gefördert würde.
Bei der letzten Abstimmung war die Entscheidung äußert knapp. Nur weil vier Staaten der Japan-Koalition (Belize, Mali, Togo und Gambia) nicht zur Abstimmung kamen, hatten die Gegner des Walfangs gewonnen. Bei der nächsten Abstimmung in wenigen Wochen könnte dies aber schon anders aussehen.
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22482/1.html- Warum darf man Nationen überhaupt den Walfang verbieten? (22.4.2006 19:25)
- Wale und Kapitalismus (21.4.2006 15:52)
- Profit ? (20.4.2006 8:54)
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