Die Mega-Botschaft im Feindesland

Florian Rötzer 20.04.2006

Die USA bauen im Irak die größte Botschaft der Welt, eine Stadt in der Stadt, der "Red Zone"

Vorgesehen hatte die US-Regierung erst einmal 1,3 Milliarden US-Dollar für den Bau der neuen Botschaft im Irak. Das war selbst dem amerikanischen Kongress zuviel, der die Gelder für das größte und vor allem sicherste US-Botschaftsgebäude auf "nur" noch 592 Millionen Dollar zusammenstrich. Gleichwohl wird die Mega-Botschaft – ob gewollt oder nicht – neben den großen permanenten Militärstützpunkten (Bis das Öl uns scheidet) zu einem symbolischen Monument für den Irak-Krieg, die anschließende Besatzung und die Dominotheorie für den Mittleren Osten werden.

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Errichtet wird die größte Botschaft der Welt seit Mitte 2004 in Bagdads Hochsicherheitsgebiet, der Green Zone, am Tigris. Errichtet wird sie auf 42 Hektar Grund, sechs Mal größer als die Fläche, die die UN-Gebäude in New York einnehmen.

Viel bekannt ist über das gewaltige Bauvorhaben, das angeblich gut vorankommt und im Gegensatz zu vielen anderen Projekten in der Zeit liegt, nicht. Schon im Sommer 2007 soll die Anlage fertiggestellt sein. Insgesamt entstehen auf dem Gelände 21 Gebäude, deren Wände noch stärker als die üblichen amerikanischen Botschaftsgebäude verstärkt sind. Einige Wände sollen drei Meter dick werden. War die Green Zone schon eine sichere Insel in der gefährlichen irakischen Hauptstadt, so soll nun auch die Botschaft zu einer zeitgemäßen Festigungsarchitektur werden, die möglichst alle vorhersehbaren Angriffe übersteht. Die Tore der Festung bilden fünf "Hochsicherheitszugänge" sowie ein Zu- und Ausgang für Notfälle. Neben den besten Abwehr- und Überwachungstechniken werden Mauern und ein breiter Bereich um den Botschaftskomplex, der nicht betreten werden darf, für die Sicherheit der Eingeschlossenen sorgen.

Deswegen wird die Botschaft im Feindesland, in der über 5000 Menschen tätig sein sollen, als Wehrstadt in der Stadt gebaut und soll weitgehend autark von der Umgebung – der "Red Zone" - überlebenfähig sein. Die Bewohner der Festung, die Diplomaten, Soldaten, Geheimdienstmitarbeiter, Berater und andere Regierungsangehörige sowie die Angestellten, finden in der Wehrstadt alles, was sie benötigen: Schulen, Sportanlagen, Geschäfte, Werkstätten und natürlich Wohngebäude. Die Wasser- und Elektrizitätsversorgung sowie das Abwassersystem sollen zu 100 Prozent unabhängig vom Rest der Stadt, wie es in einem Bericht an den US-Senat hieß. Aus Sicherheitsgründen gibt die US-Regierung keine weiteren Einzelheiten bekannt.

Selbst das Unternehmen, das den Zuschlag für die nicht so geheimen Teile des Bauvorhabens, erhalten hat, wollte man unter Verschluss halten. Tatsächlich hat First Kuwaiti General Trading & Contracting (FKTC) die ersten 370 Millionen erhalten. Manche vermuten allerdings, dass hier wieder einmal gemauschelt wurde, weil die Verträge nicht veröffentlicht wurden, angeblich andere Firmen kostengünstigere Angebote gemacht hätten und das kuwaitische Unternehmen eigentlich für solche großen Bauvorhaben wenig Erfahrung habe. Überdies erstaunte, dass der Zuschlag nicht an ein amerikanisches Unternehmen ging. Möglicherweise wollte man sich Kuwait erkenntlich für die Unterstützung im Irak-Krieg zeigen. Die sechs Unternehmen, die für die "geheimen" Teile des Bauvorhabens zuständig sind, werden nicht bekannt gegeben.

Eigentlich hätte man annehmen sollen, dass ein solch großes Bauvorhaben auch dazu dienen könnte, Iraker zu beschäftigen, nachdem die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr hoch ist, das fehlende Einkommen aber bekanntermaßen eine wichtige Ursache dafür ist, dass sich Iraker Milizen, Aufständischen oder Terroristen anschließen. FKTC ist eines der Unternehmen, das im Irak große Geschäfte machen, u.a. auch als Vertragspartner von Halliburton. Beschäftigt werden aber von FKTC wie von anderen Firmen, die die amerikanische Infrastruktur im Irak aufrechterhalten, keine Iraker, sondern wie bei Halliburton meist Ausländer, vor allem aus Asien. Sie werden in ausbeuterische Arbeitsverträge gezwungen, haben kaum eine Möglichkeit, in ihre Heimatländer zurückzukehren, werden systematisch unterbezahlt und müssen oft 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche schuften.

Abgetrennt von der Stadt und errichtet mit Fremdarbeitern wird die Botschaftsfestung erst einmal ein Fremdkörper sein, der allerdings, solange es die Green Zone noch geben wird, noch nicht wirklich kenntlich sein wird, weil der Komplex eine Festung in einer Festung sein wird. Ob so die versprochene Freiheit repräsentiert wird – oder doch der Machtanspruch der Bush-Regierung? Gleichzeitig aber ist die neue Hightech-Festung inmitten des Bürgerkriegslandes und inmitten einer "failed city" Vorbild für die "gated communities", die in unsicheren Städten und Regionen gedeihen. Noch baut man demonstrativ die Botschaften mitten in die Städte, vielleicht verlegt man die künftigen "gated communities" an die besser schützbaren Randbezirke und gleich aufs Land, um der Unsicherheit der Städte zu entgehen.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22494/1.html
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