Öl bleibt knapp und teuer

Wolfgang Pomrehn 25.04.2006

Am Persischen Golf tagten übers Wochenende Energieminister aus aller Welt, um über die Zukunft des schwarzen Goldes zu debattieren

Auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, was die Ursachen für die hohen Erdölpreise sind, ist zweierlei unstrittig, wie auf dem 10. internationalen Energieforum in Doha am Persischen Golf deutlich wurde: Der Markt wird auch in den nächsten Jahren eng bleiben, und langfristig ist die Suche nach Alternativen angesagt. Vorerst ging es aber den zahlreichen Ministern und anderen Regierungsvertretern, die aus zahlreichen Erzeuger- wie Konsumentenländern die bis Montag in Katars Hauptstadt tagten, um die Verteilung des Fells, das heißt, um Förderquoten, Bohrrechte, Pipelines und Lieferverträge. Nebenbei hörte man sich gerne die Mahnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) an und stritt sich ein wenig über die Ursachen des Preisanstiegs der letzten Jahre.

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Shaybah-Ölfeld in Saudi-Arabien. Foto: Saudische Regierung

Nach Ansicht von IEA-Direktor Claude Mandil ist ein Mangel an überschüssigen Förderkapazitäten einer der wesentlichen Gründe für den hohen Rohölpreis. Unerwartete Ausfälle können da schnell zu Engpässen führen, und die Märkte reagieren schon auf die Erwartungen möglicher Ausfälle, zum Beispiel durch Krieg in Nahost oder Naturkatastrophen wie die letztjährige Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko äußerst nervös. Mandil geht allerdings davon aus, dass sich daran in den nächsten Jahren kaum etwas ändern werde.

High prices are bad for the economy, bad for growth and fuels inflation. Lack of spare capacity is a key factor behind high prices. Since late 2002, spare capacity has fallen to below 2-3 million barrels per day (bpd).

IEA-Direktor Claude Mandil

Derzeit beträgt der weltweite Tagesverbrauch 82 Millionen Barrel, aber Mandil prognostiziert, dass der Verbrauch bis 2015 auf 99,5 Millionen Barrels pro Tag steigen wird.

Einen weiteren Engpass stellen die Erdölraffinerien dar, die kaum in der Lage sind, den Bedarf an Kraftstoffen zu decken. Die meisten Ölkonzerne haben zu lange gezögert, in neue Raffinerien zu investieren. Der Grund: Diese Anlagen sind außerordentlich kostspielig und haben eine lange Vorlaufzeit. Dennoch, so Mandil, sind derzeit weltweit 66 Projekte in der Planung. Er zweifelt allerdings daran, dass auch alle Vorhaben umgesetzt werden, und geht daher davon aus, dass auch in diesem Sektor die Engpässe in den nächsten Jahren anhalten werden.

Indirekt sind die Raffinerie-Kapazitäten auch Gegenstand eines schwelenden Streits zwischen den führenden Industriestaaten und der Organisation der Erdölproduzierenden Staaten OPEC. Während die Regierungen in Washington und anderswo die OPEC-Länder drängen, ihre Förderkapazitäten auszubauen, sehen diese dazu keine Veranlassung, berichtet die im Golfstaat Katar erscheinende Tageszeitung "The Peninsula". Namentlich die USA sind für ihre veralteten und überlasteten Raffinerien bekannt. 2005 hatte man Kraftstoffe aus Europa importieren müssen, weil insbesondere nach Ausfällen in Folge der Wirbelstürme Rita und Katrina die Verarbeitungskapazitäten nicht mehr ausreichten. Bei der OPEC zweifelt man daher, dass zusätzliche Förderanlagen Sinn machen, da es in den Hauptabnahmeländern gar nicht genug Raffinerien gibt. Man wolle sein Geld lieber sinnvoll anlegen, zum Beispiel in den Ausbau der Infrastruktur. OPEC-Generalsekretär Edmund Maduabebe Daukoru hielt daran fest, dass die Preise derzeit vor allem durch Spekulation und "geopolitische Unsicherheiten" in die Höhe getrieben würden und im Augenblick mehr Rohöl auf den Markt gelange, als der Nachfrage entspreche.

Wichtiger noch als das eigentliche Forum waren unterdessen sicherlich die vielen informellen Gespräche in Foyers und Hotelzimmern. Am Rande der Konferenz versicherte zum Beispiel Indiens Minister Erdöl und Erdgas Murli Deora, dass die Verhandlungen über die geplante Pipeline vom Iran über Pakistan nach Indien unbeirrt weitergeführt würden (Neue Allianzen und verstärktes Säbelrasseln). Sie sei im Interesse der drei beteiligten Länder, und Indien werde sich keinen Druck von außerhalb beugen, auch nicht dem der USA, erklärte der Minister. Er nutzte das Forum zu einem informellen Austausch mit seinen Kollegen aus Pakistan und dem Iran. Die nächsten offiziellen Verhandlungstermine stehen für den kommenden Monat im pakistanischen Islamabad und für Juni 2006 in Irans Hauptstadt Teheran auf der Tagesordnung, hieß es in einer Pressemitteilung der indischen Regierung.

Neu Delhi, von Washington in letzter Zeit mit viel Aufwand hofiert, scheint also kein wahrscheinlicher Kandidat für das "Bündnis der Willigen", das US-Außenministerin Condoleezza Rice gegen den Iran zusammenbringen will. Dagegen sprechen auch der Austausch Deoras mit seinem venezuelanischen Kollegen in Doha, bei dem er diesen Indiens Interesse an langfristigen Lieferverträgen mit dem Karibikstaat versicherte. In Washington, wo man Venezuelas gemäßigt linken Präsidenten Hugo Chavez in die Galerie der Lieblingsfeinde aufgenommen hat, wird man darüber nicht besonders erfreut sein.

Ebenso beäugt man in der US-Hauptstadt Indiens Gespräche mit dem Regime in Myanmar mit Argusaugen, das Washington und Brüssel international geächtet sehen möchten – im seltenen Einklang mit vielen Linken in Süd- und Südostasien. Die energiehungrigen Nachbarn Indien und China hält es allerdings nicht davon ab, die Wirtschaftsbeziehungen mit Yangon (ehemals Rangun) rasch auszubauen. Beide haben ein Auge auf die Erdgasvorkommen in Myanmars Hoheitsgewässern im Golf von Bengalen geworfen und Indien führt derzeit mit Myanmar und Bangladesch (als Transitland) Gespräche über eine Gaspipeline.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22534/1.html
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