Sarkawi tritt erstmals in einem Video auf
Propaganda-Kampagne von al-Qaida: Zuerst meldete sich Bin Laden, darauf folgte der Anschlag in Ägypten und jetzt meldet sich der berüchtigte al-Qaida-Führer im Irak in einem Video
Gerade war erst das Tonband von bin Laden dem Sender al-Dschasira zugespielt worden, in dem die graue Eminenz von al-Qaida sich mit der Hamas in Palästina solidarisch erklärte und dem Westen vorwarf, einen "Kreuzzug gegen den Islam" zu führen. Zwei Tage später erfolgte der Anschlag auf den Touristenort Dahab. Einige Stunden später wurde ein Video im Netz gepostet, auf dem erstmals Abu Mussab al-Sarkawi zu sehen ist. Er gilt als al-Qaida-Vertreter im Irak und versucht dort mit seiner Gruppe, einen politischen Einigungsprozess zu verhindern, indem er mit Anschlägen den Konflikt zwischen den Sunniten und Schiiten schürt.
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Der Anschlag in Ägypten, bei dem allerdings offenbar keine Selbstmordattentäter im Spiel waren, ist also umrahmt von den beiden wohl prominentesten Terroristenführern, die weiter zum Dschihad aufrufen und wohl auch versuchen, ihren Einfluss zu sichern. Ob es sich um eine gemeinsame, gar abgesprochene Propaganda-Offensive mit Wort und Tat handelt, ist nicht bekannt. Möglicherweise müssen beide Terrorfürsten durch einen Auftritt ihrer Anhängerschaft und den Sympathisanten demonstrieren, dass sie am Leben und weiter präsent sind.
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Daraus könnte man auch schließen, wie dies meist etwa die US-Regierung macht, dass diese Präsenz von zunehmender Schwäche und bröckelndem Zuspruch zeugt. Bin Laden könnte aber die Möglichkeit gesehen haben, sich über die Solidaritätserklärung mit der Hamas einen breiteren Rückhalt zu verschaffen und aktuell auf Vorkommnisse zu reagieren, die man ausnutzen könnte. Daher auch der Aufruf, die dänischen Karikaturisten zu töten. Sarkawi wiederum könnte natürlich im Irak mit dem zunehmenden Bürgerkrieg auch medial an den Rand gedrängt werden.
Möglicherweise sah er auch eine Gefahr darin, dass sich nun das irakische Parlament nach viermonatiger Unentschlossenheit doch auf einen neuen Regierungschef geeinigt hat, der eine nationale Einheit zumindest anstreben will. Dazu kommt, dass Anfang Januar die Gründung eines Mudschaheddin-Schura-Rats bekannt gegeben wurde, einer Allianz von sieben Dschihad-Gruppen. Kurz darauf hieß es, dass an der Spitze dieses Rats Abdullah Rashid al-Baghdadi stehe. Man ging davon aus, dass mit Sarkawis Entmachtung, um den es daraufhin still wurde, möglicherweise eine andere Strategie gefahren werden sollte, da die Anschläge gegen Zivilisten im Irak durch Ausländer auf große Ablehnung stießen.
Wenn sich Sarkawi nun aber erstmals in einem Video zeigt – das dramaturgisch aber nicht besonders gut gemacht ist, weil meist nur er selbst redend zu sehen ist -, dann will er vielleicht demonstrieren, dass er noch oder wieder als Führer da ist.
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Sarkawi versichert, dass er weiter zu Bin Laden steht und dass jede irakische Regierung lediglich ein Handlanger der Besatzer sein könne. Einmal ist nicht nur das Zeichen seiner Gruppe, sondern auch das des Mudschaheddin-Schura-Rats zu sehen. Er nennt sich nicht nur weiterhin den "Emir von al-Qaida", sondern sagt auch, dass er zum Mudschaheddin-Schura-Rat gehört.
Neben diesen Demonstrationen von Einheit und Macht, wird, wie es sich für jede Propaganda gehört, Siegesgewissheit verbreitet. Die amerikanischen Soldaten, die schon Selbstmord begehen oder zu Drogen greifen würden, um noch schlagen zu können, würden durch "unser Blut und unsere Körper" besiegt werden: "Was kommt, wird noch schlimmer sein." Natürlich führt für ihn auch der Westen einen Kreuzzug gegen den Islam. Die USA hätten die Region unterwerfen und einen zionistischen Staat errichten wollen. Und er sagte, dass man zwar im Irak kämpfe, aber auf Jerusalem schaue.
Es ließe sich darüber hinaus auch so deuten, dass er zumindest vorgibt, keine Sorge zu haben, man könne ihn fangen, dass er sich sicher fühlt, wenn er sein Gesicht zeigt und vorführt, wie er offen mit seinen Leuten im Freien agiert. Vielleicht fühlte er sich aber auch genötigt, seinen Status als geheimnisvolles Phantom zu durchbrechen. Er zeigt sich auf dem Video mit einer Bombenweste, wie sie auch Selbstmordattentäter tragen. Damit will er wohl demonstrieren, dass er sich in die Luft sprengen wird, wenn die Gefahr besteht, dass ihm jemand zu nahe kommt, aber vielleicht auch, dass er mit denjenigen auf derselbe Stufe steht, die für seine Organisation Selbstmordanschläge ausführen und ihr Leben opfern.
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In einer Szene befindet er sich in einem Zimmer mit dem obligatorischen Gewehr an der Wand lehnend. In einer anderen Szene sitzt er mit drei anderen vermummten Männern zusammen und heckt mit einer Karte irgendwelche Pläne aus. In der dritten Szene schließlich befindet er sich irgendwo in einer Wüste, hält in martialischer Pose seine Waffe schussbereit, trainiert mit anderen vermummten Aufständischen in schwarzen Uniformen, feuert eine Rakete ab und schießt schließlich mit dem Gewehr herum, wobei er sagt, dass Amerika besiegt und gedemütigt aus dem Irak abziehen werde.
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22542/1.html- grollend (8.5.2006 22:25)
- Nun noch kurz dazu (8.5.2006 1:21)
- *seufz* (6.5.2006 22:53)
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