Bei schlechter Verbindung regnet es

Matthias Gräbner 05.05.2006

Dass das Wetter die Qualität von Mobilfunk-Signalen beeinflusst, wollen Wissenschaftler zur preiswerten Umwelt-Beobachtung nutzen

Was Handy-Telefonierer stört, könnte bald der Umwelt zugute kommen: Israelische Forscher schlagen in einem kurzen Artikel (doi:10.1126/science.1120034) in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science vor, aus bei den Mobilfunkprovidern bereits vorhandenen Daten über die Signalqualität in den einzelnen Zellen Rückschlüsse in Bezug auf lokale Umweltbedingungen zu ziehen. Das Forscherteam um Hagit Messer, Professorin an der Tel-Aviv University, greift dazu allerdings nicht auf individuelle Verbindungsdaten der eingebuchten Handys zurück, sondern beschränkt sich auf die Funkverbindungen, mit denen die einzelnen Basisstationen des Mobilfunknetzes untereinander kommunizieren.

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Praktischerweise sind die Ausbreitungsbedingungen von Funkwellen unter verschiedensten Bedingungen über Jahre hinweg schon ausführlich untersucht worden; bekannt ist zum Beispiel, dass die regeninduzierte Verringerung der Signalqualität (Signaldämpfung) einerseits von der Frequenz und Polarisation des Signals, andererseits von Größe und Verteilung der Wassertröpfchen abhängt.

Regen in Israel: Wetterbilder vom Regenradar und aus den Mobilfunkdaten (rechts) im Vergleich (Bild: Hagit Messer)

Ein entsprechendes Modell nutzten Messer und Kollegen erfolgreich, um die Niederschlagsverteilung während zweier Regenschauer in Tel-Aviv und Haifa aus den Mobilfunkdaten zu berechnen. Dabei zeigte sich, dass diese Vorgehensweise den Ergebnissen des Regenradars mehr als gleichwertige Resultate produziert – verglichen mit der physischen Niederschlags-Ermittlung über Regenmesser. Auch die Verteilung von Rauch, Schnee, Nebel oder Hagel, folgern die Forscher, sollte sich mit dem Verfahren ermitteln lassen. Natürlich hängen die Ergebnisse dabei stark davon ab, wie dicht die Mobilfunk-Basisstationen in der Landschaft verteilt sind – in Städten wird man genauere Ergebnisse erhalten als auf dem flachen Land.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22603/1.html
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