Laserwaffe gegen Satelliten

Florian Rötzer 06.05.2006

Wie ein Forschungsprojekt des Pentagon zeigt, wird die Entwicklung von Waffensystemen für den Weltraum weiter verfolgt – sicher nicht nur von den USA

Vor dem 11.9. war für die Bush-Regierung China eine der größten Bedrohungen, zudem hatte Rumsfeld eine Kommission über die militärische Bedeutung des Weltraums geleitet, bis er zurücktrat, nachdem er in das Team des Wahlkämpfers Bush eingetreten war. Gewarnt wurde in dem Bericht vor einem neuen Pearl Harbor im Weltraum, nachdem in der Clinton-Regierung eher der Infowar und biologische Waffen Thema waren. Allerdings wurden hier auch bereits die ersten Schritte in die Richtung gemacht, feindliche Systeme im Weltall (zer)stören zu können. Nach dem Kommissions-Bericht, der implizit ein Programm zur Entwicklung von defensiven Waffen forderte, wurde unter anderem an einem bodenbasierten Lasersystem weitergeforscht.

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Starfire Optical Range-Observatorium. Foto: Pentagon

Am Dienstag berichtete die New York Times denn auch, dass die Bush-Regierung eine "mächtige bodenbasierte Laserwaffe" entwickeln will, um feindliche Satelliten in der Umlaufbahn um die Erde zu zerstören. Das "weitgehend geheime Projekt" war allerdings in dem Rahmen, in dem bislang geforscht wurde, schon spätestens letztes Jahr bekannt geworden, da im Pentagon-Haushalt für das Jahr 2006 20 Millionen Dollar an das Starfire Optical Range-Observatorium gegangen sind, um mit einem Teleskop ein "optisches System" zu testen, mit dem sich der Laserstrahl verstärken und besser ausrichten lässt.

Damit sollten erdnahe (LEO) Satelliten angestrahlt werden. Für 2007 war vorgesehen, den Laserstrahl so ausrichten zu können, dass er punktgenau auf LEO-Satelliten trifft, ohne von Turbulenzen gestört zu werden. Das ist zwar eine Vorarbeit zur möglichen Entwicklung einer künftigen, vom Erdboden ausoperierenden Laser-Waffe, allerdings geht es dabei zunächst um die Weiterentwicklung der Technik der "adaptiven Optik", die mit Spiegeln, Sensoren und Computern arbeitet, um Abbildungen mit höherer Auflösung trotz atmosphärischer Störungen für die Lichtstrahlen herstellen zu können. Dieselbe Technik lässt sich auch für Laserstrahlen benutzen, die in dem Fall nur einen Satelliten fokussiert anleuchten sollten, indem die atmosphärischen Störungen kompensiert werden. Von einer Waffe ist man damit weit entfernt.

SOR-Laserstrahl. Foto: Pentagon

Die New York Times berichtete, dass im Streitkräfte-Ausschuss des Repräsentantenhaus eine Diskussion über dieses Projekt im Rahmen des Pentagon-Haushalts für 2007 aufgekommen ist. Die demokratischen Abgeordneten sahen darin einen ersten Schritt hin zur Entwicklung von bislang verpönten Weltraumwaffen. Nach Informanten aus dem Pentagon erwarte das Weiße Haus auch, dass die Satelliten im Weltraum verteidigt werden können (Das Weiße Haus bereitet eine neue Direktive zur Weltraumpolitik vor). Tatsächlich war der Antrag auf weitere 5,7 Millionen Dollar unter dem Titel "advanced weapons technologies" gestellt worden. Es ist auch die Rede von "Hochenergie-Laserwaffen" und von "Antisatelliten-Waffen" (ASAT).

Das Center for Defense Information leitet daraus ab, dass es sich um den ersten Versuch mit einem System handelt, das explizit mit der Anwendung als Antisatelliten-Waffe verbunden ist. Damit würde man eine Schwelle zur Militarisierung des Weltraums überschreiten, was erhebliche Konsequenzen habe könne. Das ist zwar von den Angaben zu den Tests nicht wirklich abzuleiten, aber gleichzeitig ist klar, dass das Pentagon ebenso wie China oder Russland natürlich über Möglichkeiten nicht nur nachdenkt, die eigenen Satelliten sichern und feindliche Satelliten zumindest stören zu können. Der für die Luftwaffe zuständige Unterausschuss des Repräsentantenhauses hat dem Pentagon nun auferlegt, dass dieses "Advanced Optics and Laser Technologies"-Projekt nicht dazu dienen darf, eine Laserwaffe gegen Satelliten zu entwickeln. Zweifelhaft ist, ob das auch endgültig so bleiben wird. Und auch wenn dies der Fall sein sollte, dann könnte das Pentagon die Finanzierung von solchen Projekten auch versteckt betreiben.

SOR-Laserstrahlen. Foto: Pentagon

Angesichts der Bedeutung, die der Weltraum für den Hightech-Krieg mit den Kommunikations-, Überwachungs- und GPS-Satelliten bereits jetzt spielt, ist, so achtbar das Bemühen der US-Abgeordneten ist, realistisch nicht zu erwarten, dass das Tabu für im Weltraum stationierte oder gegen im Weltraum befindliche Ziele lange halten wird, wenn die bereits bestehenden internationalen Abkommen nicht aktualisiert und ergänzt werden. Dass dies geschieht, ist derzeit nicht zu erwarten.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22606/1.html
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