Polizeifunk modern
"Polipod": Polizeimeldungen in der U-Bahn lauschen
Der Polizei sagt man nach, veraltete Technik zu benutzen und heute noch auf Schreibmaschinen statt Computern zu tippen. In Bonn betreibt sie jedoch sogar ein eigenes Mini-Rundfunkstudio.
Den Polizeifunk abzuhören, war früher streng verboten. Ja nicht einmal verraten, wo er genau zu hören war, durfte man. Nur manchmal tönte aus einem nicht ganz genau abgeglichenen Radio jenseits der Rundfunksender plötzlich Sprechfunk. Besonders leicht passierte dies, wenn man mit dem Wagen in eine Polizeikontrolle geriet und so ziemlich nah an den Streifenwagen mit den Polizeifunkgeräten stand. In diesem Fall durfte man schon einmal mit vorgehaltener Maschinengewehr das schuldige Autoradio ausbauen.
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Die ganzen Jahre hörten denn auch nur Verbrecher und Polizeireporter einschlägiger Tages- und Boulevardzeitungen mit damals noch nicht zugelassenen Spezialempfängern den Polizeifunk ab. Für den normalen Bürger blieb er nicht nur unverständlich, sondern auch weiterhin verboten.
Inzwischen gibt es jedoch sogar einen eigenen Polizeirundfunksender. Na ja, eine Rundfunksendung ist es eigentlich nicht, denn sie wird nicht live ausgestrahlt und auch nicht vom Band; es ist eine im Internet abrufbare Audioaufzeichnung, neudeutsch "Podcast" genannt. Das Polizeipräsidium Bonn hat nämlich dieses Jahr angefangen, täglich gut fünf Minuten aus den laufenden polizeilichen Ermittlungen zu erzählen und auch mal längere Features über Kriminalstatistik und Verbrechensbekämpfung, über Vorbeugen und Festnehmen zu produzieren.
Anfangs war es ungewohnt, die geschriebenen Meldungen zu sprechen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde der Weg ins "Tonstudio" selbstverständlich.
Die typische Funktion, die Aufzeichnungen per RSS automatisch auf einen Ipod zu übertragen, wird bei der Polizei Bonn nicht besonders hervorgehoben. Doch dies ist vielleicht sogar besser so, denn viele Hörer werden sich den Polizeirundspruch aus Bonn lieber gleich direkt am Computer anhören. Der Ipod hat auf jeden Fall Interesse nicht nur an den längst bekannten MP3-Musikdateien geweckt, sondern auch an Wortbeiträgen in diesem Format.
Die ohnehin für die Presse geschriebenen Pressemitteilungen vorzulesen und noch um ein, zwei zusätzliche Äußerungen zu ergänzen, ist dabei nicht das Problem. Ein PC mit einem Audioeditor, einer ordentlichen Soundkarte und einem vernünftigen Mikrophon reicht bereits zur Aufzeichnung eines Podcasts. Besonders wichtig, so die Bonner Polizei, ist lediglich eine abschließbare Tür. Die sollte sich ja nun eigentlich auf jeder Polizeiwache finden lassen, aber in den Räumen dahinter hapert es meist mit der Akustik. Also wird doch in einem normalen Büro aufgezeichnet.
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| Eine ruhige Ecke, ein PC mit Schnittsoftware und Soundkarte sowie ein Mikrofon sind auch bei der Polizei Bonn alles, was es zum Podcasten braucht (Bild: Polizeipräsidium Bonn) |
Der Ablauf einer solchen Sendung ist nicht viel anders als in einem normalen computergestützten Rundfunkstudio: die Sprecher zeichnen ihre Texte auf, die Originaltöne werden dazwischengeschnitten. Das Ganze wird dann noch auf MP3 codiert und ins Internet gestellt. Doch während der hippe Besitzer eines Kult-MP3-Spielers möglicherweise doch lieber seine gewohnte Musik hört, ist der "Polizeifunk" besonders für junge und alte Menschen, Legastheniker, Analphabeten und Einwanderer von Nutzen, denen Sprechen und Zuhören leichter fällt als Schreiben und Lesen.
Das Ergebnis wird mit Nero’s Wave-Editor zusammengeschnitten, mit Apple Itunes auf MP3 umgesetzt und dann noch mit einem kurzen Jingle versehen, das die einzelnen Meldungen voneinander trennt. Dieser ist allerdings fünfmal so laut wie die Sprecher; anscheinend soll es sicherstellen, dass niemand beim Zuhören einschläft. Sachlicher als Fernsehsendungen ähnlicher Thematik ist der sogenannte Polipod jedoch.
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- Wäre mir neu. (7.6.2006 5:25)
- Ich glaube an der Stelle... (7.6.2006 5:13)
- ich beziehe mich auf orwell 1984 (kwt) (4.6.2006 17:10)
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