Massaker von Haditha
Kaum Zweifel in den USA an einem neuen "Schandfleck" im Irak
Das juristische Nachspiel im Folter- und Misshandlungsskandal von Abu Ghreib ist noch nicht abgeschlossen, da droht der US-Armee mit den Massaker-Vorwürfen von Haditha noch größerer Schaden. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, dass US-Marineinfanteristen 24 Iraker vorsätzlich getötet haben, dann wäre das ein "fürchterlicher Schandfleck" für die USA, sagt Außenministerin Condoleezza Rice. "Das Gemetzel von Unschuldigen in Haditha könnte zum endgültigen Wendepunkt im Krieg der USA gegen den Irak werden", kommentiert Robert Dreyfuss, der auch fragt, wie viele Hadithas noch enthüllt werden, nachdem das Massaker erst durch die Time bekannt wurde und das Pentagon es vertuschen wollte.
Wie nach Bekanntwerden des Skandals von Abu Ghreib haben die großen US-Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine dieses Mal ihre Mitarbeiter vor Ort nach Haditha geschickt, um die Vorwürfe selbst zu überprüfen. Ihr bisheriges Fazit: An der Schuld der Marineinfanteristen ist nach den Zeugenaussagen eigentlich nicht mehr zu zweifeln.
Dies spiegelt sich auch in den Diskussionsforen im Internet wider. "Ich befürchte, Abu Ghreib sieht dagegen nur wie ein kleiner Fisch aus", heißt es im Blog von Bill Kavanagh. Ein anderer beklagt, dass nur wenige US-Politiker Empörung geäußert hätten. Paul Kretkowsky schreibt: "Es bleibt abzuwarten, wie die Dschihadisten dieses Geschenk der Amerikaner in ihrer Propaganda ausschlachten werden."
"We have a Haditha every day. We have a Fallujah and Karbala every day,'' said Muhanned Jasim, a local merchant, citing two of the many landmarks for civilian death in the war, the 2004 U.S. offensive in Fallujah and insurgent bombings in the Shiite Muslim holy city of Karbala.
An antiques seller in central Baghdad, Jasim hadn't heard the news of Haditha, he said, because he no longer has electricity to power his television. "We live in darkness,'' he said, fanning his face as the sweat rolled down. "What's the big news about Iraqis getting killed? We're powerless to change the situation."::Baghdad Numb to Reports of Massacre, in Washington Post
|
|
In ihrem ersten Bericht habe die Armee mitgeteilt, in Haditha seien Aufständische getötet worden, schreibt eine US-Bürgerin unter ihrem Internet-Namen KathleenM1. "Jedes Mal, wenn die Armee ähnliche Mitteilungen macht, fragen wir uns, wie viele der Aufständischen Kinder, alte Männer in Rollstühlen oder andere Unschuldige sind." Auch anderer Teilnehmer an Diskussionsforen bezweifeln, dass die Armee bei ihrer Untersuchung wirklich alles offen legt. "Die werden das eh wieder vertuschen. Eine richtige Untersuchung muss von jemandem außerhalb der Armee wie beispielsweise von den Vereinten Nationen oder der NATO kommen", heißt es in einem anderen Beitrag.
Angesichts der weit verbreiteten Skepsis wollen Regierung und die Armee angeblich entschlossen handeln. Präsident George W. Bush versprach ebenso eine rasche und gründliche Aufklärung der Vorwürfe sowie eine Bestrafung der Schuldigen wie Rice. Der Sprecher der Koalitionsstreitkräfte, William Caldwell, sagte am Donnerstag in Bagdad, dass unmoralisches oder kriminelles Verhalten nicht geduldet werde.
Dagegen meinte der konservative Fernsehmoderator Bill O'Reilly in einer der meist gesehenen Shows im US-Fernsehsender Fox News, jetzt werde die linke Presse in der ganzen Welt wieder verrückt spielen. Sie werde vom nächsten Abu Ghreib sprechen, obwohl es kriminelle Elemente in jeder Armee eines jeden Landes gebe. Die USA würden jetzt wieder "dämonisiert", sagt er. "Ich weiß, Bill, Du hast Recht", antwortet Rice daraufhin. Die US-Regierung wolle aber nicht zulassen, dass der Ruf oder die Erinnerung an jene beschmutzt würden, die ihr Leben im Irak gelassen hätten.
Wenige Monate vor den Kongress-Wahlen im November kommt der Republikanischen Partei von Bush der Haditha-Skandal höchst ungelegen. Dies sei das größte PR-Problem seit Abu Ghreib, zitiert die New York Times einen hoch rangingen Kongressmitarbeiter. Das Weiße Haus wolle nämlich um alles in der Welt verhindern, dass diese Wahlen zu einer Abstimmung über den Präsidenten und Irak werden. (dpa/Hans Dahne)
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22806/1.html- Du möchtest ernstlich behaupten, (6.6.2006 19:36)
- selber Denken .. (6.6.2006 19:34)
- Sachliches Diskutieren ist das Beste. (6.6.2006 16:34)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.



Science Fiction am Ende?
Kriminalisierung der Linkspartei schreitet voran
"Hallo- und Tschüss-freie Zone"
Rösler radikalisiert sich
Wirklich nur Glück gehabt?