Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist die ISS!

Die Suche nach einem leuchtenden, flotten Stern der besonderen Art am Himmelszelt kann beginnen

Wie bitte, die ISS (International Space Station) von der Erde beobachten? Gehört das nicht genau andersrum, ein Blick von der ISS auf unseren schönen blauen Planeten? Ja schon, aber leider sind gerade alle Flüge ausgebucht. Am Boden ist dagegen noch das eine oder andere Plätzchen frei, wenn man rechtzeitig kommt…

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Zweimal im Jahr, nämlich im Juni und im Dezember, tritt für kurze Zeit der Fall ein, dass durch die räumliche Konstellation von Sonne, Erde und Umlaufbahn die Internationale Raumstation ISS gar nicht durch den Erdschatten fliegt und somit ununterbrochen beleuchtet wird. Abhängig vom Ort des Beobachters ist sie dann bis zu viermal in einer Nacht zu sehen. In diesem Jahr wird das vom 17. bis 21. Juni der Fall sein. In diesem Zeitraum und etwa eine Woche vorher und nachher ergeben sich für ganz Mitteleuropa mehrfache Sichtungsmöglichkeiten pro Nacht. Voraussetzung für eine gute Beobachtung ist allerdings ein wolkenfreier Himmel, so wie wir ihn gerade aktuell in fast ganz Europa haben.

Fluglinie der ISS über Europa am 16. Juni 2006. Die rote Linie zeigt den Weg der Station. Die dickere Linie zeigt, wann die Station beim Beobachter sichtbar ist. Der sichtbare Durchlauf beginnt um 01:09 CEST (MESZ) und endet um 01:22 CEST. (Bild: DLR Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen)

Was man sich nicht immer vor Augen hält: Die Internationale Space Station, die mit einer Geschwindigkeit von 7,7 Kilometern pro Sekunde reist, fliegt gerade mal auf einer elliptischen Umlaufbahn in einer Höhe von 400 Kilometer über unsere Köpfe hinweg. Für die Umrundung benötigt sie 90 Minuten. Durch ihre imposante Größe von 52 Metern Länge und 27 Metern Höhe und ihren gewaltigen Solarflügel mit einer Spannweite von 73 Metern ist sie auch zu bestimmten Zeiten mit bloßen Augen von der Erde aus zu sehen, denn sie ist nach dem Mond und der Venus das hellste Objekt am nächtlichen Firmament.

Vorausgesetzt man weiß, in welche Richtung man schauen muss, ist die ISS sternengleich mit den Augen für wenige Minuten als sich relativ schnell bewegender Leuchtpunkt zu erkennen. Normalerweise ist die beste Zeit dafür kurz vor Dämmerung oder gleich nach Sonnenuntergang, wenn man als Beobachter schon in der Dunkelheit ist bzw. sich auf der Nachtseite befindet, aber die ISS noch von der Sonne beschienen wird.

Gerhard Holtkamp nahm dieses Foto, welches die internationale Raumstation bei acht Sekunden Belichtungszeit als längliche Leuchtspur unter den Sternen zeigt, in Westaustralien um 20:06:15 Uhr Ortszeit im November 2003 auf

Für die meisten Positionen in Europa ist die Periode zwischen 17. bis 21. Juni die beste Zeit, die ISS zu beobachten. Der genaue Zeitpunkt der Sichtbarkeit muss in Abhängigkeit vom Standort des Beobachters errechnet werden. Zur Ermittlung der exakten Daten sind im Internet einige Webpages eingerichtet worden. Dort kann man für eine Vielzahl von Orten auf der Welt die Sichtbarkeitsdaten der ISS abfragen, beispielsweise auf Heavens Above.

In zwei Schritten gelangt man dann zum Ziel. Zunächst wird das Land, also beispielsweise Deutschland ausgewählt, im zweiten Schritt folgt der Ort, von dem aus die Beobachtung erfolgen soll. Die Datenbank enthält die Angaben von über zwei Millionen Orten, so dass die Auswahl kein Problem sein sollte. Im Ergebnis wird eine Tabelle mit den Sichtbarkeiten für mehrere Tage angezeigt.

Die Tabelle zeigt an, wann in München (48.7000°N, 13.4670°E) der beste Beobachtungszeitpunkt ist. Der MAG-Wert gibt die Helligkeit der ISS bei dieser Beobachtung an. Je kleiner dieser Wert ist, desto größer die Helligkeit. So hat die Venus als hellster Planet den Wert -4,4. Sirius, der hellste Stern, kommt auf den Wert -1,2. Die Raumstation kann bei guten Bedingungen eine maximale Helligkeit von -2,0 erreichen. Dann folgen drei Zeiten für den Beginn, die maximale Höhe (engl. Altitude) über dem Horizont und das Ende der Sichtbarkeit. Die Höhe wird in Grad über dem Horizont angegeben. Az. steht für Azimut und gibt die Blickrichtung beginnend von Norden im Uhrzeigersinn an. Die Angabe E steht hier für Ost (engl. East) und bedeutet, dass der Beobachter genau in Richtung Osten schauen muss.

Wer nicht nur einen Blick auf die ISS werfen, sondern mit seiner Kamera auch noch ein Bild schießen möchte, der kann dies bei Erfolg auch bei der ESA an die E-Mail-Adresse contactesa@esa.int schicken – gelungene Fotos werden dann auf der ESA-Seite veröffentlicht.

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22876/1.html
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