Stephen Hawking: 64 Jahre und kein bisschen leise

Wolf-Dieter Roth 16.06.2006

Der berühmte Professor schreibt mit seiner Tochter ein Kinderbuch, beschwert sich über den Papst und jagt uns alle auf den Mond

"Es war einmal ein kleines schwarzes Loch... ", so könnte es anfangen, Hawkings neues Buch über Raum und Zeit, das diesmal schon Kinder für Physik und Astronomie begeistern soll. Mit einer Pressekonferenz in Hongkong sorgte der Forscher jedoch für einen ziemlichen Tumult über derartig seriöse Themen.

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Der britische Spezialist für Schwarze Löcher hat ein sehr ungewöhnliches Leben: mit ALS geschlagen, einer unheilbaren Nervenkrankheit, die normalerweise innerhalb weniger Jahre zum Tode führt, ist er dennoch mittlerweile 64 Jahre geworden und diktiert über einen Vokoder von 1986 sein neuestes Werk, das "wie Harry Potter, aber ohne die Zauberei" werden soll.

Ein Erscheinungsdatum oder auch nur ein Verlag werden bisher nicht genannt, doch der Erfolg dürfte sicher sein: seine "Kurze Geschichte von Raum und Zeit" hat sich seit 1988 schließlich auch über 10 Millionen Mal verkauft, auch wenn sie sicherlich nicht jeder Käufer wirklich gelesen hat.

Um das neue Buch in Gespräch zu bringen, zog Hawking nun auf einer Pressekonferenz in Hongkong alle Register: einerseits erzählte er, dass der letzte Papst John Paul II auf einer Kosmologiekonferenz des Vatikans den anwesenden Wissenschaftlern aufgetragen hatte, nicht den Beginn des Universums zu erforschen, da es das Werk Gottes sei. Zu spät für Hawking: genau über dieses Thema, den Beginn des Universums, hatte er auf dieser Konferenz im Vatikan einen Vortrag gehalten, doch glücklicherweise blieb ihm ein Schicksal wie Galileo erspart – aber vielleicht nur, weil der Papst nicht allen Vorträgen gelauscht hatte.

Außerdem rät er der Menschheit, schleunigst das All zu erobern, weil das Leben auf der Erde viel zu gefährlich sei und infolge von Klimakatastrophen, gentechnisch erzeugten Viren oder Atomkriegen das Überleben der Menschheit fraglich sei. Hawking meint, in 20 Jahren könnten wir eine ständige Mondbasis haben und in 40 Jahren eine Marskolonie, einen ebenso schönen Planeten wie die Erde würden wir allerdings nur in einem anderen Sonnensystem finden. Und falls wir es schaffen sollten, die nächsten 100 Jahre zu überleben, ohne uns selbst zu vernichten, sollte es uns möglich sein, Kolonien anzulegen, die ohne Unterstützung der Erde ständig existieren können.

Die Presse weltweit reagiert bereits, von Satiremeldungen über steigende Grundstückspreise auf dem Mond bis zu Statements anderer Wissenschaftler, die vom Mars abraten, da er zu giftig sei, und lieber eine unterirdische Station in der Antarktis aufbauen wollen. Das letzte Mal hat Hawking dramatische Voraussagen über ein Killervirus, das die Menschheit auslöschen würde, 2001 gemacht – als er sein letztes Buch "Das Universum in der Nussschale" promotete…

http://www.heise.de/tp/artikel/22/22901/1.html
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