Doch noch "Fußball für Alle"?
Verrückte Welt: Arena kooperiert fürs Kabel mit einem Satellitenbetreiber
Noch ist Deutschland fest in der Hand der Fußballweltmeisterschaft, noch macht sich hierzulande keiner Gedanken, wie die Welt danach aussehen wird – zumindest, was Fußball angeht, mit Deutschland als Fußballweltmeister oder auch nicht. Aber hinter den Kulissen brodelt es gewaltig: Der Bundesligarechteinhaber Arena muss nun langsam aufs Gaspedal treten, um die Fußball-Euphorie-Welle nutzen zu können und Kunden für das Bundesliga-Paket einzufangen.
Dafür wird Arena laut Christoph Bellmer, Arena- Geschäftsführer für Technik und Vertrieb, eine ähnlich große Marketingkampagne nach der WM fahren wie zu Beginn der Rechtevergabe, nur dieses Mal auch unter Einbeziehung des Fachhandels. Diese Kampagne soll natürlich nicht mit Start der Bundesliga enden, sondern erst einmal bis Ende des Jahres unter Mitnahme des Weihnachtsgeschäftes laufen.
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| Die Eutelsat-Flotte (Bild: Eutelsat) |
Noch gibt es keine Zahlen, wie viel Abonnenten bei Arena bereits einen Fußball-guck-und-zahl-Vertrag abgeschlossen haben, aber Herr Bellmer verriet immerhin, dass der Monat Mai bisher am besten für den Neukundenerwerb lief und dass aufgrund der günstigen "Arena-Preisstruktur" immerhin 1/3 der neuen Abonnenten nicht bisherige Premiere-Kunden sind, sondern erstmals bereit sind, für TV-Fußball zu zahlen.
Ein geschickter Schachzug – Bundesligaspiele für unabhängige Kabelnetzbetreiber
Um möglichst viele Kunden zu erreichen, muss Arena versuchen, eine entsprechend große technische Reichweite aufzubauen, damit auch viele TV-Konsumenten überhaupt in der Lage sind, das neue Arena-Fußball-Abo zu empfangen. Neu ist daher eine strategische Partnerschaft zwischen dem Satellitenbetreiber Eutelsat und Arena.
Zur Zeit hat man mit der Anmietung eines Satellitentransponders über das in Deutschland dominierende Satellitensystem Astra auf 19,2° Ost zwar schon eine entsprechend große theoretische Reichweite (über 15 Mio.) für den Direktempfang via Satellit in Deutschland. Wie viele Satellitenschüsselbesitzer sich dann allerdings tatsächlich einen ggf. neuen, für das von Arena verwendete Conax-Verschlüsselungsverfahren geeigneten Satellitenreceiver zulegen und das Fußballangebot abonnieren, wird sich noch bis Jahresende zeigen müssen. Daneben kann Arena über Verträge mit den beiden Kabelgesellschaften Ish und Isey noch einen kleinen Prozentsatz an Kabelhaushalten (ca. 300.000 Digitalkabelhaushalte) bedienen – das war es aber auch schon ("Stell Dir vor, es läuft Fußball - und keiner schaut zu").
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Seit Monaten steht man deshalb in Verhandlungen mit einer der größten Kabelgesellschaften in Deutschland, der KDG (Kabel Deutschland GmbH) mit fast zehn Millionen Gesamtkunden, immer noch ohne Ergebnis. Christoph Bellmer meinte dazu: "Es sind sehr harte Verhandlungen, aber wir gehen davon aus, dass wir noch vor dem Start der Fußballbundesliga zu einem Abschluss kommen". Ähnlich sieht es mit Kabel BW (Baden-Württemberg) und deren zwei Millionen Mitgliedern aus.
Die gestern bekanntgegebene Kooperation könnte dagegen über zwei Millionen Haushalte von 100 unabhängigen Kabelnetzbetreibern der Netzebene 4 über den Eutelsat-Satelliten zukünftig die 612 Bundesliga-Live-Spiele zuspielen. Diese nutzen schon das digitale Kabelangebot, den Kabelkiosk mit fast 60 nationalen und internationalen Sendern, die mit Conax verschlüsselt sind. Dies bedeutet, da auch Arena mit Conax verschlüsselt, dass im Gegensatz zum Satellitenempfang die angeschlossenen Haushalte den bereits vorhandenen Decoder für das neue Angebot nutzen können. Einzelheiten über Bestellmöglichkeiten und Konditionen sollen in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.
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| Arena-Übertragungsweg (Bild: Arena) |
Aktuell können also zwei Millionen Kunden das Fußball-Abo bestellen, aber das Potential dahinter liegt um einiges höher, nach Expertenschätzung könnten noch 3,5- 5 Millionen Kunden von unabhängigen Kabelnetzbetreibern in den nächsten Jahren dazukommen, unterstützt durch den aktuellen Trend kleinerer Kabelnetzbetreiber, die sich von den großen Kabelgesellschaften lösen, um unabhängig eigene Kabelkopfstationen aufzubauen und selbst Programmauswahl und Preisstruktur festzulegen.
Übertragung
Die Arena-Übertragung läuft über ein Hochgeschwindigkeits-Glasfaserkabel von Ismaning nach Turin zur italienischen Eutelsat-Tochtergesellschaft Skylogic, dort wird verschlüsselt, zum Eutelsat-Satelliten Telecom 2D auf 8° West gesendet und von diesem das Signal den Kabelkopfstationen zugeführt. Ähnlich läuft es mit neun weiteren Arena-Bezahl-Programmen, "Tividi" genannt, die allerdings von Ismaning zunächst zu einem Astra-Satelliten gefunkt werden und erst so weiter nach Turin zu Eutelsat gelangen.
Diese Partnerschaft, die auf der Basis eines einfachen Wiederverkäufervertrages steht –Eutelsat kauft das Programmangebot von Arena ein und verkauft es an die Kabelnetzbetreiber weiter, der empfohlene Endkundenpreis für das Fußballpaket liegt im Bereich von 15 bis 20 Euro monatlich – ist nicht nur im Interesse von Arena, sondern wird auch von den zahlreichen unabhängigen kleinen Kabelnetzbetreiberm und deren Organisationen ANGA und FRK begrüßt, weil sie damit gegen die großen Kabelgesellschaften Boden gut machen.
Heißumkämpfter Markt
Eutelsat wird nicht in Konkurrenz zu Astra stehen, die über das Satellitensystem 19,2° den Endkonsumenten direkt ansprechen, sondern nur die Kabelnetzbetreiber der Netzebene 4 mit dem Programm versorgen.
Wir haben das Konzept "Fußball für Alle", das bedeutet auch, unseren Fußball möglichst überall hinzubringen. So bietet sich mit Eutelsat eine hervorragende technische Ergänzung zu dem bisherigen Übertragungswegen über das ASTRA-Satellitensystem, über Kabelnetzbetreiber der Netzebene 3 sowie die Übertragung über das Internet
Fußball und mehr, aber erstmal kein HD
Aber nicht nur Fußball gibt es über die Eutelsat-Position 8° West. Mit dem "Kabelkiosk", der jetzt schon für Netzbetreiber angeboten wird, können über 50 deutsche und fremdsprachige Pay-TV-Programme für eine individuelle Vermarktung in Pakete zusammengestellt werden. Über 50% der neuen Arena-Abonnenten haben sich für ein kostengünstigeres "Bundle-Angebot" entschieden, so der Anbieter.
Vorläufig wird es, trotz der steigenden Anzahl von Fernsehern, die über die Möglichkeit verfügen, das hochauflösende neue Fernsehen HDTV darzustellen, kein HDTV-Angebot von Arena geben, da es noch nicht genügend entsprechende HD-Receiver für die Kabel- und Satellitenhaushalte gibt, die einen Empfang erst möglich machen. Geplant ist ein kostenpflichtiges Angebot im Laufe des nächsten Jahres, wenn entsprechend viele HD-Empfangsdecoder im Markt sind.
"Premiere-Sportsbars" werden ganz unsportlich gekapert und zu "Arena-Sportsbars"
Ein wichtiges Thema für Arena sind die Sportbars, die bisher von Premiere mit der Fußballbundesliga versorgt wurden. Nachdem die "Public-View-Rechte" nun an Arena gegangen sind, wird dieses Konzept auf alle Fälle weitergeführt werden. Den bisherigen Premiere-Sportbars soll in Kürze ein kostengünstiges Angebot unterbreitet werden, in Zukunft Arena-Bundesliga anzubieten ujd sich so ins gemachte Nest zu setzen. "Sterbende Riesen neigen zu kämpfen", mit diesem Satz reagierte Christoph Bellmer auf die Überlegung von Premiere, jetzt auch gerichtlich gegen die Sendelizenz von Arena vorzugehen.
http://www.heise.de/tp/artikel/22/22976/1.html- lesen (29.6.2006 15:15)
- Wie blöd muss man sein... (27.6.2006 20:57)
- uns uwe... (27.6.2006 18:30)
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